Archiv 2014-08

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Auf der Suche nach Anna

Ungewöhnlich in dem Roman „Adams Erbe“ von Astrid Rosenfeld ist zunächst der Aufbau. Der erste Teil schildert mit viel Witz und Situationskomik die Kindheit von Edward Cohen, der in einer skurrilen jüdischen Familie aufwächst. Als Erwachsener verkauft er in Berlin in einem Laden mit dem Namen „TEUER“ Gothic-Sorgenpüppchen. Sein Großonkel Adam ist im Zweiten Weltkrieg spurlos verschwunden. Jahrzehnte nach dem Tod der Großmutter entdeckt Edward auf dem Dachboden Liebesbriefe, die Adam in Warschau an eine Anna geschrieben hat.
Und so werden wir in den zweiten Teil des Romans katapultiert, der ins Nazideutschland führt. Adam verliebt sich in die polnische Jüdin Anna. Als sie spurlos verschwindet, setzt er alle Hebel in Bewegung, um sie aufzuspüren. Wie geschickt er dies anstellt, lässt den Leser noch schmunzeln. Als Rosenzüchter arbeitet er im Schlossgarten des Generalgouverneurs. Zunehmend verändert sich jedoch die Tonalität der Geschichte. Man taucht mit Adam immer tiefer ein in das Schrecken jener Zeit und begleitet ihn bis ins Warschauer Ghetto. Mutig, wie die Autorin Adams grauenvolle Erlebnisse dort schildert und trotzdem Raum lässt für eine Spur Komik und Heiterkeit.
Astrid Rosenfeld hat die beiden Zeitebenen und so verschiedenen Generationen geschickt miteinander verknüpft. Adams Vermächtnis wird Edwards Leben grundlegend verändern.
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Kulturhauptstadt 2018

Kürzlich erzählten uns Bekannte, dass ihr Sohn in den Schulferien eine Sprachreise plane – und zwar in der Karibik! Das nenne ich mal bescheiden. Zu meiner Zeit fuhr man mit EF-Reisen nach Cambridge, Oxford oder Cannes, um Englisch und Französisch zu lernen. In der zwölften Klasse durfte ich allerdings einen Monat auf einem Campus in San Diego verbringen – eine unvergessliche Erfahrung, für die ich meinen Eltern ewig dankbar sein werde.
Ein beliebtes Reiseziel war damals auch Malta, wo ich zwar keine Sprachreise, aber einen schönen Sommerurlaub mit meiner Freundin verbracht habe. Selten habe ich Geschichte, Architektur und Badestrände in so konzentrierter Form auf kleinem Raum erlebt.
In der Hauptstadt La Valletta erkennt man schon von weitem den Rennaisancepalast Auberge de Castille am höchstgelegenen Punkt der Stadt. La Valletta ist zur europäischen Kulturhauptstadt 2018 ernannt worden und lässt ein buntes Programm und viele Attraktionen erwarten.
Das Besondere an Malta sind die vielen unterschiedlichen kulturellen Einflüsse aus Nordafrika, Arabien, Sizilien etc., die sich in der Architektur und in der Küche widerspiegeln. Bemerkenswert fand ich den sehr gut ausgebauten Busverkehr. So sind wir auch ohne Mietwagen viel herumgekommen und konnten schöne Wanderrouten und abgelegene Strände entdecken.
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Tollkühner Fluchtplan

Wieder einmal hat sich für mich bestätigt: Die bewegendsten Geschichten schreibt das Leben. Nach „American Hustle“, „Betty Anne Waters“ und „Hijacking“ habe ich nun innerhalb kurzer Zeit den vierten Film gesehen, der auf einer wahren Begebenheit beruht: "Argo" von und mit Ben Affleck.
Die Botschaftsbesetzung und Geiselnahme in Teheran 1979 bildet die Rahmenhandlung. Sechs US-Botschaftsmitarbeiter, die in der kanadischen Botschaft vorübergehend Unterschlupf finden, sollen von der CIA befreit werden. Eine Unterhaltung mit seinem Sohn über den Film "Planet der Affen" bringt den CIA-Agenten Tony Mendez auf eine aberwitzige Idee: Er will die sechst Amerikaner als Filmteam getarnt aus dem Iran ausfliegen.
Damit das Ganze auch glaubhaft wirkt, wird jedes Detail gründlich geplant: Eine Filmgesellschaft mit zwei herrlich verschrobenen Typen wird gegründet, ein Drehbuch zu einem Science-Fiction-Film und eine Scheinbiografie für jeden einzelnen vorbereitet. Allen ist bewusst, dass das kleinste Versehen das tollkühne Unterfangen zum Scheitern bringen kann.
Der Film fesselt durch seine Authentizität, seinen starken Spannungsbogen und bietet durch eine Starbesetzung, flotte Sprüche und kritische Töne über das Filmgeschäft sehr anspruchsvolle Unterhaltung.
Erschreckend finde ich, dass das Thema brisanter ist denn je. Die Krisenherde nehmen zu und erst letzte Woche wurde von einer Befreiungsaktion eines amerikanischen Journalisten in Syrien berichtet, die tragischerweise scheiterte.
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Kein Tag zum Feiern

Bin ich froh, dass ich die Schulzeit hinter mir habe. Das dachte ich mir in letzter Zeit häufiger – zum Beispiel nachdem ich den französischen Film "Die Klasse" oder die deutsche Komödie "Fack ju Göhte" gesehen habe, die einen daran erinnern, wie grausam pubertierende Teenager sein können. 
Ähnlich ergeht es Leonard in dem Roman "Forgive me, Leonard Peacock" ("Happy Birthday Leonard Peacock") von Matthew Quick. Er fühlt sich nicht nur als Außenseiter, sondern kann auch die Schikanen seiner Mitschüler nicht länger ertragen. Er fasst den Entschluss, an seinem achzehnten Geburtstag seinen Erzfeind und anschließend sich selbst umzubringen. Vorher will er sich von den wenigen Menschen, die ihm etwas bedeutet haben, mit einem Geschenk verabschieden. Diese hat er genauso wie seine Waffe in pinkfarbenem Geschenkpapier verpackt.
Matthew Quick konstruiert seinen Roman äußerst raffiniert. Zum einen erzeugt er beim Leser die große Hoffnung, dass noch etwas Unerwartetes geschehen möge, was Leonard von seinem Entschluss abbringt – zum Beispiel die Gespräche auf seiner Abschiedstour. Zum anderen brennt man darauf zu erfahren, was ihn zu dieser Verzweiflungstat bewegt hat. 
Es ist eine traurige, zuweilen deprimierende Geschichte über die Schwierigkeit, erwachsen zu werden und seinem Leben einen Sinn zu geben. Doch der Autor hält zum Glück auch eine hoffnungsvolle Botschaft bereit: dass die Schule nur ein winziger und fast unbedeutender Bruchteil dessen ist, was den Heranwachsenden in der unvorstellbar großen Welt voller Möglichkeiten erwartet.
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Gestrickte Erinnerungen

Ich habe deutliche Fortschritte gemacht, was das Ausmisten alter Sachen betrifft. Trotzdem fällt es mir noch schwer, mich von bestimmten Stücken zu trennen, wenn sie mit schönen Erinnerungen verbunden sind. Mein neuer Trick: Ich hebe nur noch Fotos von platzraubenden Andenken auf.
Während es draußen wieder einmal stürmte, wütete ich mit gleicher Kraft in unserem Keller und stieß auf diesen aparten Strickpullover. Er zählt nicht zu meinen Glanzstücken, erinnert mich aber an die geselligen Nachmittage, die ich mit meinen Schulfreundinnen verbrachte. Eine Kanne Tee aufgesetzt und schon ging‘s los mit dem Geklapper und Geschnatter. 
Das Spannendste am Stricken war das Stöbern in den Wollgeschäften. Wie man sieht, hatte ich eine Schwäche für Mohair, das fast in jedem meiner Pullis mal mehr mal weniger vertreten war. Ein ganz individuelles Muster zu entwerfen, war ein höchst kreativer Akt. Meine Familie und Ex-Freunde wurden natürlich großzügig mit meinen Erzeugnissen bedacht. Sobald ich beim letzten Ärmel angelangt war, ließ meine Begeisterung allerdings merklich nach und ich sehnte den Abschluss herbei – nur um ins nächste Wollgeschäft zu rennen und das nächste Projekt in Angriff zu nehmen.
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Poker um Schiffscrew

Man könnte meinen, dass es in Dänemark nur eine Handvoll Schauspieler gibt, denn man begegnet immer wieder den gleichen Darstellern. In dem spannenden Drama „Hijacking“ gab es zum Beispiel ein Wiedersehen mit der Crew aus der Politserie "Borgen" wie dem Spin-Doctor der Premierministerin, einem Abgeordneten und dem TV-Chefredakteur. Und alle drei spielen auch diesmal exzellent.
Es geht um ein dänisches Frachtschiff, das im Indischen Ozean kurz vor Mumbai von somalischen Piraten gekapert wird. Der Geschäftsführer der Reederei Paul versucht, von Kopenhagen aus mit den Piraten zu verhandeln und die Situation in den Griff zu bekommen. Während die Schiffseigner mit Hilfe eines Verhandlungsspezialisten taktisch vorgehen, um einen wirtschaftlich vertretbaren Deal auszuhandeln, ist die Schiffscrew unmenschlichen Bedingungen, zunehmender Hungersnot und der Willkür der Piraten ausgeliefert.
Der ständige Szenenwechsel zwischen Schiff und Festland, die zähen Verhandlungen und Pauls Zerrissenheit zwischen Emotion und Diplomatie erzeugen eine fast unerträgliche Spannung. Wieder einmal haben es die Dänen geschafft, ohne Action einen spannungsgeladenen und subtilen, aber auch beklemmenden Film mit viel psychologischem Gespür zu produzieren. 
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Funkelnde Wunderkammern

Falls Ihr gerade Urlaub in Tirol macht, hätte ich einen Ausflugstipp für Euch, der Eure Augen trotz des miserablen Wetters sicher zum Glänzen bringt: die Swarowski Kristallwelten in Wattens. Am 17. Juni, um 11:05 Uhr, wurde dort der 12 Millionste Besucher begrüßt.
Ich staune immer wieder über den lang anhaltenden Erfolg von Swarowski, dessen präzise geschliffenes Kristall immer noch reißenden Absatz findet. Während ich mit den häufig im Schaufenster dargebotenen Tierfiguren nicht allzu viel anfangen kann, gefallen mir die funkelnden Steine als Eyecatcher auf Gürtel, Kleidungsstücken oder im Schmuck schon sehr.
Für die Erlebniswelt in Wattens entwarf der Multimediakünstler André Heller 14 unterirdische Wunderkammern und zeigte, wie vielseitig man die Materie Kristall künstlerisch interpretieren kann. 
Seitdem ich das letzte Mal dort war, hat sich einiges getan. Zum Beispiel würde mich die Ausstellung „FAMOS“ interessieren. Gezeigt werden die weltbekannten Bauwerke Taj Mahal, Cheops-Pyramide, Empire State Building und Lenin Mausoleum, die von den russischen Künstlern Blue Noses aus Kristall nachempfunden wurden. Die kreativen Ideen sind längst nicht ausgeschöpft. Im Oktober beginnt die bisher größte Erweiterung um mehr als die doppelte Fläche. Besucher können sich dann aus eine kristalline Parklandschaft freuen.
Einen kleinen Vorgeschmack auf die funkelnde Reise durch die Wunderkammern bekommt Ihr auf dieser virtuellen Tour.
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Unzertrennliche Geschwister

Es gibt Filme, die noch lange nachwirken. „Betty Anne Waters“ ist so einer. Es ist die Lebensgeschichte einer Frau, die 18 Jahre lang um die Freiheit ihres Bruders Kenny kämpft. Dieser wurde 1982 des brutalen Mordes an einer Nachbarin beschuldigt und aufgrund von Aussagen zweier Ex-Freundinnen zu lebenslanger Haft verurteilt.
Durch Rückblenden erfährt man über das innige Verhältnis zwischen den Geschwistern seit ihrer Kindheit. Sie sind auf einer Farm in Massachussetts aufgewachsen, wurden von der Mutter vernachlässigt und später von Heim zu Heim geschickt.
Betty Anne kann nicht mitansehen, wie Kenny im Knast zugrunde geht und entschließt sich, Anwältin zu werden, um ihn zu befreien. Welche Belastung der Spagat zwischen Jurastudium, Job in einer Bar und Familienleben für sie bedeutet, wird von Hilary Swank hervorragend gespielt. Sie muss immer mehr Opfer erbringen, doch sie lässt nicht locker und findet in einer Kommilitonin eine kluge Verbündete. Betty Annes Willensstärke kann man nur bewundern. Eine gelungene Verfilmung einer sehr bewegenden Geschichte, die sich tatsächlich so ereignet hat.
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Schräger Held sucht seine Wurzeln

Zu den Entwicklungsromanen, die ich mit Begeisterung gelesen habe, zählt "Nach Hause schwimmen" von Rolf Lappert. Der Schweizer Autor erzählt davon, wie der klein gewachsene Wilbur bei seiner Großmutter in Irland aufwächst und nach einigen glücklichen Jahren einen Schicksalsschlag nach dem anderen erfährt. 
Nach dem Tod seiner Großmutter beginnt eine abenteuerliche Reise, die ihn über Schweden nach New York führt. Als Ersatz für die fehlende Vaterfigur dient ihm sein Idol Bruce Willis. Das Erwachsenwerden gestaltet sich für Wilbur jedoch alles andere als einfach. Er wird von einer Pflegefamilie zur nächsten, von einer Jugendbesserungsanstalt zur anderen gereicht. 
So tragisch sein Lebensweg auch ist, schwingt im Erzähltstil Lapperts ein subtiler Humor mit, der stark zum Lesevergnügen beiträgt. Mit Spannung verfolgt man die Entwicklung von Wilbur, seine Begegnung mit Menschen, die ihn prägen, die ihn enttäuschen oder zur Seite stehen. Am besten gefielen mir die Schilderungen seiner letzten Station: In einem schäbigen Hotel in der Bronx verdingt sich Wilbur als Nachtportier, verlegt Fliesen und trifft auf verschrobene Verlierertypen. Der Alltag und das Personal werden so lebendig beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, die Szenen spielten sich vor meiner Nase ab. Absolut lesenswert!
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Die Große Woche

Heute startet die „Große Woche von Bilbao“, eines der meistbesuchten Feste im Baskenland. Bis zum 24. August verwandelt sich die Hauptstadt der Region Biskaya in eine große Bühne für Konzerte, Theateraufführungen, Feuerwerke und Kinderprogramm. Mit traditioneller Musik und Tanz, Sportwettbewerben vom Land wie Holzhacken und Steinetragen wird die baskische Kultur gefeiert. Bestimmt gibt es köstliche Tapas an jeder Ecke – da läuft mir gleich das Wasser im Mund zusammen.
Hoffentlich ist es nicht so verregnet wie in unserem Urlaub vor sechs Jahren – oder wie hier seit einer gefühlten Ewigkeit. Ich kann mich erinnern, dass wir die meiste Zeit mit dem Schirm unterwegs waren und uns auf die Weiterreise in das sonnige Valencia freuten. Trotzdem hat mir das Flair in Bilbao gut gefallen. Die historische Altstadt und das moderne Geschäfts- und Einkaufsviertel fügen sich zu einem interessanten Stadtbild mit viel sehenswerter Architektur – allen voran das Guggenheim Museum von Frank Gehry, wo wir uns während des Regens gut die Zeit vertreiben konnten. Ähnlich wie die Pinakothek der Moderne in München ist das Gebäude fast interessanter als die Exponate in den wechselnden Ausstellungen. Höchst ausgefallen sind die Skulpturen im Außenbereich, wo wir an einem Sonntag Paare beim Tango tanzen beobachten konnten.
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McDreamy oder McSteamy?

Es gibt Serien, die mir unmissverständlich klar machen, wieviel Zeit ich schon vor dem Fernseher verbracht habe. „Grey‘s anatomy“ ist nur ein Beispiel. War es wirklich schon die neunte Staffel, die ich gerade abgeschlossen habe? 9 x 24 Folgen à 40 Minuten... nein, ich rechne besser nicht weiter. Und die Serie wird munter fortgesetzt – mit einigen neuen Darstellern wie ich auf serienjunkies.de erfahren konnte. Das bedeutet sicher frischen Wind für das Beziehungskarussel mit heiß umworbenen Ärzten wie einst Mc Dreamy und Mc Steamy.
Immerhin war es die Zeit meistens wert. Am Anfang der neunten Staffel hatte ich noch meine Zweifel. Eine Flugzeugkatastrophe stürzt die Hauptfiguren in ein psychisches Tief und versetzte auch mich in Depristimmung. Doch durch eine unerwartete Wendung, die völlig neue Perspektiven für das Seattle Grace Hospital öffnet, gewann die Story wieder an Fahrt und ließ mich nicht mehr los. 
Am besten gefällt mir nach wie Christina Yang, die von Anfang an dabei ist. Die karrierebesessene und sehr von sich selbst überzeugte Herzchirurgin bringt mich mit ihrem trockenen Humor und der schnippischen Art immer wieder zum Lachen. Da ich bei den ekligen OP-Szenen sowieso immer weggucken muss, sind es weniger die medizinischen Fälle und vielmehr die Entwicklung der verschiedenen Charaktere und ihre spitzfindigen Dialoge, die mich so lange bei der Stange gehalten haben. 
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"Living together in harmony"

Mit diesem Slogan wirbt laut Nicola Kaulich-Stollfuß die Stadt Singapur auf großen Straßenplakaten und lebt auch nach diesem Motto. Diese und viele andere Erfahrungen teilt die Autorin in ihrem Buch „Ein Jahr Singapur – Eine Reise in den Alltag“, nachdem sie ein Jahr mit ihrem Mann in dem tropischen Stadtstaat verbracht hat.
Nach der Lektüre ist Singapur als Reiseziel wieder interessant für mich geworden. Trotz der Modernisierung und des übertriebenen Ordnungssinns gibt es anscheinend viele ethnische Viertel mit ursprünglichem Charakter wie Chinatown oder das malaiisch-muslimische Viertel Kampong Glam, in denen kulturelle Besonderheiten und Traditionen gepflegt werden.  
Besonders Little India mit dem bunten und lauten Chaos einer indischen Kleinstadt hat es der Autorin angetan. Es macht Spaß, mit ihr auf Entdeckungsreise zu gehen, die noblen Einkaufstempel zu erkunden, die denen in Tokio ähneln, exotische Gerichte zu probieren oder sich im Bollywood-Tanzen zu versuchen. In ihrer Wohnanlage trifft sich die ganze Nachbarschaft am Pool, um sich über die angesagtesten Lokale, Ausflugsziele und neue Trends auszutauschen. So bleibt die Autorin stets auf dem Laufenden und kann die nützlichen Tipps auf sehr amüsante Weise ihren Lesern weitergeben.
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Beschwingte Gesellschaftssatire

Der Woody Allen Film „To Rome with love“ ist wie geschaffen für meinen Blog. Die Haupt- und Glanzrolle spielt nämlich die Stadt Rom selbst. In mehreren Episoden wird erzählt, wie sie von Einheimischen und Touristen erlebt und von manchen gar angebetet wird.
"Rom ist charismatisch. Ich habe mich in diese Stadt verliebt!" ruft die arbeitslose amerikanische Schauspielerin Monica euphorisch, als sie eines Nachts mit ihren Freunden in ein altes römisches Bad einbricht. Sie verführt selbst und lässt sich von der Ewigen Stadt zu verrückten Taten verführen. Man begleitet die Figuren nicht nur von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten, sondern auch in ihre unterschiedlichen Alltagswelten und interessanten Wohnungsstile.
Man fragt sich die ganze Zeit, ob und wie die einzelnen Episoden zusammenhängen. Das übergreifende Thema, dem sich Woody Allen widmet, ist der ebenso begehrte wie flüchtige Ruhm und die allerorts lauernden Versuchungen eines amourösen Abenteurs.
So wird der unauffällige Büroangestellte Leopoldo, herrlich gespeilt von Roberto Benigni, von einem Tag auf den anderen dafür berühmt, dass er berühmt geworden ist. Am besten gefällt mir Woody Allen als pensionierter Opernregisseur, dessen neurotisches Verhalten ständig von seiner Frau analysiert und sehr treffsicher kommentiert wird. Von seinen Europa-Filmen "Match Point", "Vicky Cristina Barcelona" und "Midnight Paris" hat mir der erste, der in London spielt, am besten gefallen. In welche Stadt wird es den Altmeister auf seinem Streifzug durch Europa wohl als nächstes verschlägt? 
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Die Kunst zu leben

The Goldfinch“ ("Der Distelfink") von Donna Tartt könnte für mich das beste Buch des Jahres werden. Es ist ein großartiger Entwicklungsroman mit fein gezeichneten Charakteren, Humor und Tragik, bei dem man sich wünscht, er möge nie enden – trotz der knapp 1000 Seiten.
Die Geschichte beginnt mit einem terroristischen Anschlag auf das Metropolitan Museum of Art in New York, bei dem der Junge Theodore Decker seine Mutter verliert. Er lässt ihr Lieblingsgemälde „The Goldfinch“ des niederländischen Malers und Rembrandt-Schülers Carel Fabritius mitgehen, das von nun an sein ständiger Begleiter wird. 
Als unerwartet sein Vater auftaucht und ihn nach Las Vegas mitnimmt, gewinnt die Geschichte richtig an Fahrt. Dort lernt Theo den gleichaltrigen Ukrainer Boris kennen und ist fasziniert von seiner Persönlichkeit – erfahren, waghalsig und voll düsterer Gedanken. Eine innige Freundschaft und eine wilde Zeit voller Alkohol- und Drogenexzesse beginnt. 
Es folgen witzige Abenteuer, Schicksalsschläge und die Rückkehr nach New York – die einzige Konstante in Theos Leben bleibt das Gemälde, das ihm emotionalen Halt und Sicherheit gibt „wie ein Wal, der in baltischen Gewässern seine Runden dreht“ – eine von Tartts wunderbaren Metaphern. Ihr Schreibstil begeistert. Später gewinnt das Bild jedoch eine Eigendynamik und bringt Theo noch in richtige Schwierigkeiten.
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Weltreise in drei Stunden

Aus unserem Kärnten-Urlaub letztes Jahr wurde unerwartet eine kleine Weltreise. An einem regnerischen Tag verschlug es uns nämlich ins Minimundus in Klagenfurt. In einer 26.000 Quadratmeter großen Parklandschaft kann man dort circa 150 weltberühmte Bauten aus über 40 Ländern bestaunen – im Maßstab 1:25.
Endlich kam ich in den Genuss, die Bauwerke zu sehen, die ich schon immer einmal besichtigen wollte wie den Taj Mahal in Indien, das Opernhaus von Sydney oder die Chinesische Mauer. Aber auch die, die ich schon live erlebt habe, boten einen neuen Reiz. Wann hat man schon die Gelegenheit, ein Gebäude in seiner Gesamtheit mit allen Details und aus der Vogelperspektive zu betrachten? 
Die Originaltreue hat mich sehr beeindruckt. Alle Miniaturbauten wurden aus Originalmaterialien wie Marmor, Sandstein oder Lavabasalt bis ins kleinste Detail nachgebaut. Das aufwändigste Modell war anscheinend der Petersdom, dessen Fertigstellung 7 Jahre dauerte und 730.000 EUR verschlang. 
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Du hast die Haare schön

1978 in New York: Irving Rosenfeld betreibt eine geerbte Kette chemischer Reinigungen, strebt aber nach mehr. Da trifft es sich gut, dass er auf einer Party die geldgierige Sydney kennenlernt. Gemeinsam beginnen sie in dem abgefahrenen Gaunerfilm „American Hustle“ einen florierenden Handel mit gefälschter Kunst. 
Als ihnen der ehrgeizige FBI-Agent Richie DiMaso auf die Schliche kommt, lässt sich Irving auf einen Deal ein: Er kommt mit milder Strafe davon, wenn er Richie hilft, einflussreiche korrupte Politiker zu fassen – ähnlich wie in der TV-Serie „White Collar“.  
Sehenswert ist zum einen die Wandlungskunst des Hauptdarstellers Christian Bale, den ich absolut nicht wiedererkannt hätte. Das soll der Freak aus „American Psycho“ oder der Superheld aus „The Dark Knight“ sein? Während das großzügige Dekolleté seiner Geliebten schön anzusehen ist, bräuchte Irving nicht unbedingt seinen Bauch zur Schau zu stellen. Man weiß gar nicht, welche Frisur man mehr bewundern soll: Irvings mit Haarteil aufgepeppte Strähnen oder Richies durch unzählige Lockenwickler erlangte Haarpracht.
Auch die Nebenfiguren glänzen – zum Beispiel Irvings überkandidelte und unterschätzte Ehefrau oder der Gastauftritt einer Schauspielerlegende, der für einen großen Überraschungsmoment sorgt.
Kaum zu glauben, dass der Film auf einer wahren Geschichte beruht. Es gab tatsächlich eine Geheimoperation, genannt Abscam, mit der das FBI 1979 erfolgreich Korruptionsfälle in höchsten politischen Kreisen bekämpfte. 
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Eine Stadt in Hypnose

Das kommt davon, wenn man ein Bild für eine Rezension entwirft, bevor man das Buch überhaupt gelesen hat. Nun stecke ich nämlich in dem Dilemma, dass mir der Roman „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow nur bedingt gefallen hat, das Bild dazu aber trotzdem veröffentlichen möchte.
Dabei hatte das Buch so gute Rezensionen – von „Kult“, „Meisterwerk“ und „meist gelesene russische Erzählung des 20. Jahrhunderts“ war die Rede –, so dass ich mich zum Kauf hinreißen ließ. So genau habe ich die Kritiken dann wohl doch nicht gelesen, denn ich war ganz überrascht, als mit „Margarita“ gar nicht der Cocktail, sondern die Geliebte des Meisters gemeint war.
Schauplatz ist Moskau. Der Teufel Voland und ein Riesenkater namens Behemoth stellen die Stadt und deren selbstgefällige Bürger gehörig auf den Kopf. Menschen kommen um, verschwinden oder laufen nackt in der Stadt herum. Die Behörden schreiben die mysteriösen Phänomene einer Hypnose zu. Parallel lässt sich Margarita auf einen Pakt mit dem Teufel ein, um ihren Geliebten wiederzusehen. Dieser hat eine Geschichte über Pontius Pilatus verfasst, verfällt jedoch nach Ablehnung des Manuskripts dem Wahnsinn.
Michail Bulgakow verpackt seine Persiflage auf die starre Bürokratie und Politik der Stalinzeit, die Kunst und Literatur im Keime ersticken, in berauschende Bilder und satirische Beschreibungen. Obwohl mich die Thematik interessierte, fühlte ich mich von den verstrickten Handlungssträngen, der überbordenden Fantasie des Autors und der Brutalität der Morde überfordert. Während die meisten Leser über die Auflösung am Ende sicher schmunzelten, hinterließ die Geschichte bei mir große Verwirrung und einen bitteren Nachgeschmack.
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Brodelnde Kulturstadt

Eine Großstadt voller Kunstschätze direkt am Meer – das sind mir die liebsten Reiseziele. Da heißt es, tagsüber am Strand relaxen und Energie tanken für eine ausgedehnte Erkundungstour in der Abenddämmerung.
Genau diese Voraussetzungen bietet Palermo, wo wir vor einigen Jahren eine Oktoberwoche verbrachten. Als wir am ersten Tag den Busbahnhof im Zentrum anfuhren, war ich gleich angetan von der lebhaften und pittoresken Piazza Giulio Cesare. Dort steht auch das imposante Teatro Politeama im neoklassizistischrn Stil, das für mich zu den schönsten Bauwerken Palermos zählt.  
Die Idee, Palermo und Ungebung mit dem Roller zu erkunden, wurde angesichts des völlig chaotischen Verkehrs schnell verworfen. Die halsbrecherische Fahrt mit dem halboffenen Ortsbus zum Stadtstrand Mondello reichte uns fürs erste. Abends bummelten wir durch die verschlungenen Altstadtgassen über quirlige Gemüse- und Fischmärkte oder durch Prachtstraßen wie die Via Vittorio Emanuele entlang der Adelspaläste aus der arabisch-normannischen Epoche. Ein Freund, der ebenso gern verreist wie ich, war überzeugt, dass mir die sizilianische Hauptstadt gefallen würde – und er hatte recht.
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Straße der stummen Bilder

Heut