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Tödliches Ultimatum

Einen Mord begehen oder ihre Familie retten? Keine einfache Entscheidung, vor die die Chirurgin Dr. Yael Danon in der israelischen TV-Serie „Hostages“ gestellt wird, die auf Netflix zu sehen ist. Skrupellose Kidnapper haben ihre Wohnung in Beschlag genommen und kontrollieren die vierköpfige Familie auf Schritt und Tritt. Nur unter einer Bedingung wird ihr nichts zustoßen: Wenn Yael den israelischen Premierminister bei einer bevorstehenden Operation tötet.
Was einen zunächst verwirrt: Einer der Bösewichter gehörte in der Eingangsszene noch zu den „Guten“ und konnte mit viel Geschick eine Geisel gewaltlos befreien. Hat er zwischenzeitlich die Seiten gewechselt? Überhaupt verhält sich diese Figur in der gesamten Staffel sehr ambivalent. Der Operationstermin rückt unterdessen immer näher und als Zuschauer setzt man ganz stark darauf, dass Yael, die schon mehrmals Cleverness bewiesen hat, um die Gangster auszutricksen, noch der rettende Einfall kommt.
Der Gegenpol zu der starken Protagonistin ist ihr Ehemann, der das ganze Vermögen der Familie verzockt hat und in dieser lebensbedrohlichen Situation eher eine Last als eine Hilfe ist. Mehr Sympathie bringt man der schwangeren Tochter und dem unerschrockenen Sohn und gewieften Hacker entgegen, der nichts unversucht lässt, um sich und die Familie aus den Fängen der Kidnapper zu befreien. Interessant wird es, als sich herausstellt, dass völlig unterschiedliche Motive hinter dem geplanten Attentat stecken. Was mich störte, waren ein paar unnötige Längen und die Überdosis an brachialer Gewalt. Trotz allem erhielt der Thriller beim ‚Festival de Television de Monte-Carlo‘ Preise für das beste internationale Drama und die beste Hauptdarstellerin.
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Hommage an Hokusai und seine begabte Tochter

Zurzeit läuft eine Ausstellung über den japanischen Maler und Holzschnittmeister Katsushita Hokusai im British Museum, die ich zu gern sehen würde. Weltweit bekannt wurde er vor allem durch seinen Farbholzschnitt „Die große Welle vor Kanazawa“ – ein Motiv, das heute noch mehrfach Postkarten, Tassen und Tragetaschen ziert. Er hatte großen Einfluss auf Maler wie Van Gogh, Monet und Klimt und gilt als Vorreiter der Manga-Kultur. Doch kaum jemand hat wohl von seiner Tochter O-Ei gehört, geschweige denn dass sie ebenfalls Malerin war und ihrem Vater bei seinen Werken assistiert haben soll.
Einblick in den Alltag der ungewöhnlichen Künstlerfamilie gibt der Animationsfilm „Miss Hokusai“ von Keiichi Hara, der letztes Jahr um diese Zeit in den Kinos lief. Das Setting bildet Tokio im Jahr 1814, als die Stadt noch Edo hieß. Gleich zu Beginn war ich perplex, dass die 23-jährige Protagonistin mit ihrem selbstbewussten Auftreten und losem Mundwerk so gar nicht in die Zeit passt. Auch gegenüber ihrem Vater gibt sie sich frech und eigensinnig, hat jedoch großen Respekt vor seinem künstlerischen Schaffen. Während dieser nur für seine Kunst lebt und die Familie völlig vernachlässigt, versucht O-Ei auch außerhalb der Malerei ihren Horizont zu erweitern. Von Kunden und Schülern, die in der chaotischen Wohnung voller Papierknäuel und Tintenfässer verkehren, erfahren wir, was den wesentlichen Unterschied zwischen dem alten und der jungen Hokusai ausmacht: er nimmt es mit der Genauigkeit der Figuren nicht so genau, vermag jedoch in seinen Frauenbildern Erotik und Leidenschaft auszudrücken während es bei der Tochter genau umgekehrt ist.
Faszinierend ist, wie typische Motive aus Hokusais Bildern in die locker erzählten Episoden eingewebt werden. So begleiten wir O-Ei durch die geschäftigen Straßen gesäumt von Bordellen, Kabukitheatern und Teehäusern, tauchen in das bunte Treiben ein und begegnen Bauern, Händlern und Samurais. Auch Drachen, Geister und Dämonen, von denen Hokusai angeblich in seinen Träumen gequält wurde, werden mystisch und fantasievoll in Szene gesetzt – zum Beispiel in Form von Totenköpfen, die von einem Magnolienbaum purzeln.
In dem Film geht es vor allem um den schöpferischen Akt und die Magie der Kunst, die Art und Weise wie man sich ihr nähert und mit welcher Wucht sie einen treffen kann, so willkürlich und launenhaft wie der Wechsel der Jahreszeiten, der hier ebenfalls zelebriert wird. Das zeigt sich besonders in O-Eis liebevollem Umgang mit ihrer kleinen blinden Schwester O-Nan. Mal lässt sie O-Nan das Wasser eines Flusses auf der Haut spüren, mal im Schnee herumtollen oder die Zeichnung ihres Vaters befühlen. Es ist ein Film voller kräftiger Farben, zarter Linien, Licht- und Schattenspielen, den man wie ein Gemälde mit Bewunderung betrachten und lange auf sich wirken lassen kann. Eine schöne Einstimmung auf den Japan-Tag am kommenden Sonntag im Englischen Garten.
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Slow Food vom Feinsten

Wer schon einmal in Tokio war, hat sicher noch vor Augen, wie Tradition und Moderne aufeinanderprallen. Nicht selten steht eine alte Tempelanlage mit Zen-Garten zwischen zwei gläsernen Skyscrapers. Um diesen Gegensatz geht es auch in der japanischen TV-Serie "Osen". Schon die ersten Szenen sind bezeichnend: Während der unterforderte junge Koch Masato in einem angesagten modernen Restaurant mit seinem Schwert eine Show abzieht, schneidet der Chefkoch des traditionellen Restaurants Isshouan mit höchster Konzentration ein Stück rohen Thunfisch in Scheiben.
Masato kennt das Isshouan seit seiner Kindheit und beschließt, sich dort zu bewerben und wird sogleich angestellt. Er muss jedoch feststellen, dass er sich die Arbeit dort etwas anders vorgestellt hat. Die Leitung liegt mittlerweile in den Händen der Tochter, die schon am frühen Morgen ein paar Gläschen Sake zwitschert, die Mitarbeiter mit einem Hungerlohn und Masato mit niederen Arbeiten abspeist. Mehrmals schmeißt er das Handtuch und kehrt doch wieder reuevoll zurück, weil ihm trotz allem Osens Philosophie und ihre Hartnäckigkeit imponieren.
Zu meinen Lieblingsszenen zählt eine Kochshow, in der die völlig aus der Zeit gefallene Osen gegen eine Köchin auftritt, die dafür bekannt ist, die leckersten Gerichte in kürzester Zeit aus der Mikrowelle zu zaubern. Wie zu erwarten ist der TV-Star schon längst fertig, während Osen jeden Garnelenspieß bedächtig und liebevoll umdreht und den Lauch wie in einem meditativen Akt in Scheiben schneidet. Von Slow Food hatte ich ja schon zuvor gehört, doch diese Szene machte mir so richtig bewusst, was tatsächlich hinter dem Begriff steckt. Es ist bedauerlich, dass man im Alltag nicht die Muße findet, so zu kochen wie Osen es vormacht.
Neben viel witziger Unterhaltung habe ich in dieser Serie viel Interessantes über die kulinarische Tradition meiner Heimat gelernt, zum Beispiel wie Misopaste klassisch hergestellt wurde oder in welch langwierigem Prozess Bonitoflocken, auch Katsuobushi genannt, geräuchert und getrocknet wurden. Mich begeisterte auch Osens Einfallsreichtum, wenn es darum ging, für den Erhalt kulinarischer Traditionen oder schützenswerter Hand- und Bauwerke zu kämpfen. Die Serie ist ein Augenschmaus für alle, die sich für japanische Keramik, Textilien oder Dekoration interessieren.
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Und dann kam Rei

„Ich wünschte, das Drehbuch wäre von mir gewesen.“ Das war mein erster Gedanke, nachdem ich die japanische Serie „The House of Glass" gesehen habe. Sie handelt von einem alleinerziehenden Vater und seinen zwei erwachsenen Söhnen, die auf dem ersten Blick ein harmonisches und friedliches Leben führen. Der frühe Tod der Mutter bei einem Flugzeugabsturz hat die Familie zusammengeschweißt. Ihre Beziehung zueinander ist durch Vertrauen und Respekt geprägt. 
Das ändert sich, als der Vater die knapp zehn Jahre jüngere Rei heiratet, deren Eltern auf die gleiche Weise umkamen wie seine Frau. Rei ist hübsch, kommunikativ, freut sich über ihre neue Familie und bringt einen neuen Touch hinein – etwas Fröhliches, Feminines, was den strengen Regeln des Haushalts ganz gut tut … würde man meinen, doch das Gegenteil ist der Fall. Nach einigen Monaten des Zusammenlebens zeigen sich die ersten Risse. Der ältere Sohn Hitoshi fühlt sich zunehmend zu Rei hingezogen, während die Eifersucht seines Vaters immer bedrohlicher wächst.
Diese Wendung allein wäre noch nicht der Rede wert. Interessant ist vielmehr, dass erst durch Reis Erscheinen deutlich wird, wieviele Unstimmigkeiten und Konflikte schon vorher in der Familie schlummerten. Hitoshi ging 30 Jahre den Weg, den sein Vater ihm vorgab ohne ihn anzuzweifeln. Er stellt jedoch fest, dass nicht nur ihre politischen Ansichten und beruflichen Ziele immer mehr voneinander abweichen, sondern dass er sich noch nie Gedanken über andere Optionen gemacht hat. Seine Liebe zu Rei und das unberechenbare und korrupte Verhalten seines Vaters sind nur der Auslöser dafür, dass Hitoshi sein Leben und seine Ziele neu definiert und den Mut fasst, sich gegen seinen Vater aufzulehnen. Seine innere Zerrissenheit zwischen Schuldgefühlen und Loyalität einerseits und seinem Rebellionsdrang andererseits wird von Japans beliebtem Darsteller Takumi Saitoh sehr überzeugend gespielt. 
Auch sein jüngerer Bruder Kenji, der sich bisher immer auf die Seite des Vaters schlug, muss sich eingestehen, dass sein Vater Herrschsucht und Kontrollzwang mit Liebe verwechselt. Dies begreift er erst, als er sich selbst in Hitoshis Ex verliebt – eine erfolgreiche Schriftstellerin, die dieses tragische Familiendrama zu einem Roman verarbeitet mit dem Titel „The House of Glass“ und damit einen Bestseller landet. Wen wundert’s – es ist ein starkes Drehbuch, das ich wie gesagt gern selbst geschrieben hätte.
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Eine Ehefrau rastet aus

Die Story der britischen Mini-Serie „Doctor Foster“ von BBC, die im Aberystwyth in Wales spielt, ist recht simpel: Eine erfolgreiche Ärztin findet heraus, dass ihr Mann sie mit einer jüngeren Frau betrügt und startet einen Rachefeldzug. Für so ein triviales Thema möchte man seinen Feierabend eigentlich nicht opfern, doch spätestens in der zweiten Folge ist man in dem Netz, das die Protagonistin Gemma Foster immer weiterspinnt, gefangen. Zu ihrem Entsetzen kommen nämlich neben dem Ehebetrug  weitere Geheimnisse zum Vorschein. Einerseits klammert sie sich verzweifelt an der Hoffnung, dass sie ihre Ehe noch retten kann und sich alles zum Guten wendet, andererseits sprechen immer mehr Fakten dagegen.
Der Schock, dass ihr Eheleben in den letzten zwei Jahren eine komplette Lüge war und ihre Freunde und Kollegen teilweise davon wussten, ist für Gemma schwerer zu verkraften als die Untreue ihres Mannes und ihre verletzten Gefühle. Sympathieträger sind in dieser Geschichte nur schwer zu finden. Emma ist zwar clever, aber auch skrupellos und gefühlskalt, ihr Mann ein liebevoller Vater, aber erbärmlicher Ehe- und Geschäftsmann. Gut ausgearbeitet sind auch die Nebenfiguren wie die Geliebte des Mannes oder die Nachbarn der Fosters, die ein eigenartiges Arrangement gefunden haben, damit ihre Ehe funktioniert. Sprüche wie „Es gibt keine treuen Ehemänner – der Unterschied liegt nur darin, ob sie damit durchkommen oder nicht“ lassen einen nicht unberührt. Die tempo- und wendungsreiche Serie mit einer nervenaufreibenden Eskalation, in der man nie weiß, wer welches Spielchen treibt, ist gewiss nichts für schwache Nerven. 
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Zu intelligent für die Menschheit

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich den Roman „The Beach“ des britischen Schriftstellers Alex Garland gelesen habe. Nun hatte ich das Vergnügen, sein Regiedebüt mit dem Titel „Ex Machina“ aus dem Jahr 2015 zu sehen. Ähnlich beklemmend wie sein bekanntes Buch ist auch dieser Science-Fiction, der in Alaska spielt. Mitten in der wilden Natur hat Nathan, CEO des Internetunternehmens Blue Book, ein durchgestyltes modernes Anwesen errichten lassen und treibt in einem unterirdischem Forschungslabor sein Unwesen – genauer gesagt, er arbeitet daran, die perfekte Künstliche Intelligenz zu schaffen. Seine neueste Schöpfung heißt Ava.
Eines Tages bekommt Nathan Gesellschaft. Caleb, Top-Programmierer von Blue Book, hat bei einem firmeninternen Wettbewerb einen Trip gewonnen und soll überprüfen, wie gut Nathan die Erschaffung des perfekten künstlichen Menschen geglückt ist. Sieben Tage lang führt Caleb in einem abgeschlossenen Raum Gespräche mit der Roboterfrau Ava, entwickelt allmählich Gefühle für sie und kann sie bald von einem menschlichen Wesen nicht mehr unterscheiden. Indessen wächst sein Misstrauen gegenüber Nathan, der völlig begeistert ist von seinen Kreationen und seinen Größenwahn offen zur Schau stellt.
Der Film ist tricktechnisch und ästhetisch beeindruckend inszeniert, wendungsreich und lebt von seinen starken Kontrasten – zum Beispiel zwischen dem gewaltigen Naturschauspiel draußen und der klaustrophobischen Atmosphäre in der Villa, zwischen dem animalischen Nathan und dem mimosenhaften Caleb, zwischen Steuerung und Verführung, zwischen Kreation und Zerstörung.
Zuletzt stellt sich die Frage: Was ist, wenn das erschaffene Wesen so schlau ist, dass es den Menschen austricksen kann? Der Film macht wieder einmal deutlich, dass, ähnlich wie beim Vormarsch der Intelligenten Häuser, die Menschen ihre Ängste vor einem Kontrollverlust und den zerstörerischen Konsequenzen nie ganz ablegen können.
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Präsident wider Willen

Wieder etwas dazugelernt: In der amerikanischen Politik gibt es einen sogenannten „Designated Survivor“, der zu besonderen Anlässen – wie der Rede des Präsidenten zur Lage der Nation – an einem geheimen Ort untergebracht wird, um im Katastrophenfall die Geschäfte fortführen zu können. Diese Rolle wird Kiefer Sutherland alias Tom Kirkman in der Serie „Designated Survivor“ zuteil, die vom amerikanischen Sender ABC produziert wurde.
In der ersten Szene sitzt der Minister für Wohnungsbau und Stadtplanung noch mit seiner Frau in einem isolierten Zimmer vor dem Fernseher, isst Popcorn und folgt gelangweilt der Ansprache des US-Präsidenten vor dem Kongress. In der nächsten Minute erschüttert eine gewaltige Explosion das Kapitol und vernichtet die Regierung und den Kongress. Tom Kirkman steigt ungewollt zum neuen US-Präsidenten auf. 
Kirkman ist ein sanfter, liebevoller Familienvater, häufig von Selbstzweifeln geplagt, und stand kurz vor der Entlassung durch den Präsidenten – keine idealen Voraussetzungen, um in seinem neuen Amt von der Bevölkerung akzeptiert zu werden. Tag für Tag muss er Sabotagen und Angriffe von allen Seiten abwehren, Entscheidungen von größter Tragweite treffen und sich neuen politischen Konflikten stellen. Über alldem schwebt die große Frage, wer den Terroranschlag zu verantworten hat. Eine FBI-Agentin stößt auf eine Spur, die auf eine Verschwörung unter den eigenen Reihen deutet, doch mehr erfahren wir in der ersten Staffel nicht, die mit einem krassen Cliffhanger endet. Die Fortsetzung wird wohl noch etwas auf sich warten lassen.
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Tödliches Smart Home

Bald werden wir die gesamte Haustechnik mit dem Handy steuern können: Heizung, Jalousien, Beleuchtung, Kühlschränke, Kaffeemaschinen... Warum mir die Vorstellung von einem intelligenten Haus ganz und gar nicht behagt, zeigt der amerikanische Film „Hacked – Kein leben ist sicher“.
Mike Regan, gespielt von Pierce Brosnan, führt ein glückliches Leben mit seiner Frau und seiner Tochter in einer hochtechnisierten Luxus-Villa. Sein Unternehmen steht kurz davor, die Flugzeug-Industrie zu revolutionieren. Das verdankt er IT-Cracks wie Ed Porter, der nicht nur in Mikes Firma, sondern auch in dessen Haus knifflige Probleme löst. Als Ed sich wiederholt der Familie nähert und schroff abgewiesen wird, mutiert er zum psychopathischen Stalker. Immer mehr Details aus dem Privatleben der Familie gelangen an die Öffentlichkeit. Anfangs konnte ich dem klischeereichen Film nicht viel abgewinnen. Spannend wurde es erst, als Mike den Spieß umdrehte und zum Gegenangriff überging. Mit Hilfe eines weiteren Hackers versucht er, Ed Porter das Handwerk zu legen. 
Der gläserne Mensch und die Totalüberwachung – das alles hat man schon mehrfach gesehen und gelesen. In der Hinsicht bietet dieser Thriller zwar wenig Neues, doch das Katz- und Maus-Spiel hält einen doch bis zuletzt in Atem. Auch auf ästhetische und kontrastreiche Bilder wird Wert gelegt. Es ist schon absurd, wie sich Mikes durchgestylte makellose Villa in eine wahre Hölle verwandelt. Zum Schluss reißt er aus lauter Verzweiflung sämtliche Kabel aus den Wänden heraus, um der permanenten Überwachung ein Ende zu setzen. Beängstigend ist die Realitätsnähe solcher Filme. Will man mit der modernen Technik mithalten, muss man fast gutgläubig darauf vertrauen, dass sie uns einerseits nicht im Stich lässt und dass andererseits unsere persönlichen Daten nicht missbraucht werden.
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Kampf gegen Giganten

Es gibt viele reizvolle Berufe, doch Anwalt zählte für mich noch nie dazu. Warum sehe ich mir dann bloß so viele Anwaltsserien an? Und anscheinend bin ich nicht die einzige, denn Produktionen wie „Good Wife“ und „Suits“ erfreuen sich großer Beliebtheit. Und nun kommt gleich noch eine dazu: „Goliath“, eine Amazon Original Serie von David E. Kelley, der mit Serien wie „Ally McBeal“ und „Boston Legal“ bekannt wurde.
„Goliath“ weicht ein wenig vom üblichen Schema ab, denn in der gesamten ersten Staffel geht es nur um einen einzigen Fall. Und der hat es in sich: Es kommt der Verdacht auf, dass der Technologiekonzern Borns Tech die Schuld am Tod eines Mitarbeiters trägt, der vor zwei Jahren bei einer Explosion im Pazifik ums Leben kam. Für den abgewrackten Anwalt Billy McBride, gespielt von Billy Bob Thornton, ist es die Chance seines Lebens: Zum einen könnte er ein Verbrechen von gigantischem Ausmaß aufdecken – zum anderen gegen die Großkanzlei Cooperman und Partner, die er einst mitgründete und nach einer erfolgreichen Karriere ausgemustert wurde, antreten. Zusammen mit einem kleinen Team aus lauter unprofessionellen Anwältinnen nimmt Billy den Kampf gegen die Giganten auf. Während Schauspieler Billy Bob Thornton in einer Mischung aus Lässigkeit, liebenswürdigem Charme und bissiger Ironie wieder einmal eine schauspielerische Glanzleistung abliefert, überzeugen die übrigen Figuren weniger – nicht einmal William Hurt, der als Bösewicht schon ziemlich krank rüberkommt, aber insgesamt farb- und harmlos bleibt.
Der besondere Reiz an der Geschichte liegt zweifellos daran, dass man als Zuschauer nicht nur gerne sehen möchte, dass die Gerechtigkeit siegt, sondern auch, dass sich mittellose vermeintlich Schwächere gegenüber mächtigen Konzernen behaupten können. Mut, Hartnäckigkeit und clevere Taktiken gegen Arroganz, Selbstüberschätzung und finanzielle Macht – wenn das mal kein spannendes Duell ist. Die letzte Folge ist der Hammer und lässt darauf hoffen, dass es eine Fortsetzung gibt.
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Sagenhafte Überlebenskünstler

Auf unserer Erde gibt es vielzählige Orte, die wir selbst gar nicht oder nur mit größtem Aufwand bereisen können. Zum Glück gibt es Kamerateams, die diese Strapazen für uns auf sich nehmen und mit atemberaubenden Landschaftsaufnahmen zurückkehren – zum Beispiel für die sechsteilige Doku-Reihe von Terra X mit dem Titel „Eine Erde, viele Welten“, die zur Zeit im ZDF gezeigt wird. In einem Zeitraum von drei Jahren haben die Teams 117 Reisen durch 40 Länder unternommen und sich in bislang unentdeckte Tier- und Naturwelten hineingewagt. 
Die erste Folge führte unter anderem nach Komodowaren, eine der über 17.000 Inseln des Archipels Indonesiens, wo die größten Landechsen der Welt leben und zu wahren Kampfmaschinen werden, wenn sie ihre Beute verteidigen. In faszinierenden Bildern zeigt die Doku, wie durch vulkanische Explosionen Inseln entstehen und unter welchen Umständen ein überlebensfähiges Ökosystem entstehen kann. Viele entlegene Inseln haben gerade durch die Isolation ganz eigenständige Lebensformen hervorgebracht und konnten sich bis heute den Reichtum der Natur bewahren. Kaum zu glauben, dass es 25.000 Tierarten gibt, die nur auf Madagaskar zu finden sind – zum Beispiel Larven-Sifakas, die sich wegen der Nahrungsknappheit in den Dornenwäldern zu Akrobaten entwickelt haben und von Strauch zu Strauch springen. Viele Tierarten haben über Millionen von Jahren Überlebensstrategien entwickelt und sie permanent verfeinert. Auch die Galapagos-Inseln sind bekannt für ihre Artenfülle. Hart trifft es die jungen Meerechsen auf der Insel Fernandina. Kaum haben sie das Licht der Welt erblickt, schweben sie bereits in Lebensgefahr, da überall gierige Nattern lauern. 
Ich bewundere den Mut und das Durchhaltevermögen der Filmteams, die in Norwegen im Tandemflug Steinadler filmten oder sich vor der lebensgefährlichen Brandung des Zavodovski Island im Südpolarmeer nicht abschrecken ließen, um zu Millionen von Pinguinen zu gelangen. Viele Aufnahmen sind nicht nur lehrreich, sondern auch amüsant, zum Beispiel das Gewusel von roten Inselkrabben auf der Weihnachtsinsel, wenn sie an die Küste düsen, um sich dort zu paaren – das Treiben an japanischen U-Bahnhöfen ist nichts dagegen. Nach den Themenschwerpunkten ‚Inseln‘ und ‚Wüste‘ sind heute die Berge dran. Die einzigartigen Landschafts- und Tieraufnahmen solltet Ihr Euch nicht entgehen lassen.
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Die Bookstore Girls

Ein Grund, warum ich mir so gern TV-Serien ansehe, ist, dass man in so viele verschiedene Berufe hineinschnuppern kann. Allein im letzten Jahr, wo ich die japanischen Serien für mich entdeckt habe, konnte ich in die Rolle einer Anwältin, Nachrichtensprecherin, Pilotin, Flugbegleiterin, Lehrerin, Kommissarin, Pianistin, Zeitarbeiterin, Ärztin, Hotelmanagerin, Redakteurin, eines Restaurantmanagers, Eishockeyprofis, Formel 1-Fahrers, Neurowissenschaftlers, Expeditionsleiters, Pianisten und und und ... hineinschlüpfen. 
In der Serie „Fight! Bookstore Girls“, die ich zur Zeit schaue, gehe ich besonders auf, denn sie handelt vom Berufsalltag der Buchhändlerin Riko Nishioka, die zur Filialleiterin befördert wird. Seit 20 Jahren arbeitet sie mit Leidenschaft für die Kette Pegasus Books, auch wenn sie mit immer wieder neuen Hürden und Problemen wie sinkende Umsatzzahlen und neidische männliche Kollegen zu kämpfen hat. Hinzu kommt die neue übereifrige Angestellte Aki, die ihr das Leben schwer macht. Sie bringt zwar durch viele neue und pfiffige Ideen frischen Wind in die Truppe, sorgt aber durch ihre eigensinnigen und teils brachialen Methoden für viel Unmut im Team. 
Beide Frauenfiguren imponieren mir – sowohl Riko, die zeigt, was gerade in turbulenten Zeiten gute Führung bedeutet, als auch Aki, die mit ihrem Ideenreichtum und Enthusiasmus das scheinbar Unmögliche möglich macht. Immer, wenn ich ihre Wohnung sehe, die sie stilvoll und gemütlich wie eine Privatbibliothek eingerichtet hat, könnte ich vor Neid erblassen. Es macht Spaß, mit den engagierten Buchhändlerinnen Comiclesungen für Kinder oder nächtliche Events zu erleben und ihre Begeisterung für Gedrucktes zu teilen. Als Riko gefragt wird, welches Buch ihr Leben verändert hat, sagt sie „Kitchen“ von Banana Yoshimoto. Ich glaube, die Geschichte werde ich ein zweites Mal lesen. 
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Frohes Neues Jahr!

Ich hoffe, Ihr seid alle gesund und munter ins Neue Jahr gerutscht. Während der hoffentlich erholsamen Feiertage habt Ihr vielleicht neue Energien getankt, um ein neues kreatives Projekt zu starten? In dem Fall lege ich Euch das Meet Becky Workbook mit vielen Anregungen, Übungen und Buchtipps ans Herz. 
Oder wie wäre es mit einem Online-Kurs, um etwas ganz Neues zu erlernen oder verstaubtes Wissen aufzufrischen? Auf YouTube findet man ja für so ziemlich alles eine Anleitung, aber man fühlt sich schnell von dem Angebot erschlagen. Viel übersichtlicher ist da schon eine Seite wie Skillshare, die verschiedenste kostenlose und kostenpflichtige Kurse in Kategorien unterteilt hat. Ob Design, Business, Technologie, Schreibkunst oder Handwerk – in jeder Rubrik werden vielzählige Trainings angeboten, zum Beispiel wie man Low-Budget-Filme dreht, Geschäftsideen entwickelt oder ausgefallene Blumenarrangements kreiert. Da ist sicher für jeden Geschmack etwas dabei.
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Gründen schwer gemacht

Aus der Serie „StartUp“, die exklusiv auf Amazon Prime zu sehen ist, wäre ich beinahe nach wenigen Folgen ausgestiegen, da sie anfangs ihrem Titel nicht ganz gerecht wurde. Laufend wurden neue Figuren eingeführt – einer unsympathischer als der andere: zum Beispiel der verzweifelte Bankier und Loser-Typ Nick Talman, der versucht, Schwarzgeld von seinem geflohenen Vater zu waschen; der Gangster Ronald Darcy, dem das Geld zum Teil gehört und der es schleunigst wiederhaben will oder der korrupte und psychisch gestörte FBI-Agent Phil Rask, der Nicks Vater jagt. 
Nur mit der Programmiererin Izzi Morales konnte ich etwas anfangen. Sie hat einen Code entwickelt, die die Finanzwirtschaft umwälzen könnte, und sucht Investoren für ihre neue Kryptowährung GenCoin. Bis sie sich mit Nick und Ronald zusammentut, um ein Startup zu gründen und ihr Projekt in die Gänge kommt, dauert es eine Weile und man muss viele brutale Schlägereien und Schießereien, bedeutungslose Liebesszenen und lange Dialoge über sich ergehen lassen. 
Doch die Geduld wird belohnt, denn mit einem Mal zeigen die Figuren Charakter, die Geschichte entwickelt Drive und man erlebt mit ihnen eine emotionale Achterbahn zwischen schwindelerregender Euphorie und Todesängsten. Allmählich begreift man, dass die vielen Nebenschauplätze einen Sinn hatten, um zu zeigen, mit welchen Hürden das Trio zu kämpfen hat: rivalisierende Clans einerseits, Betrügereien und Ideenklau in der High-Tech-Startup-Szene andererseits. In dieser Serie bekommt man einige bekannte Schauspieler in einer völlig anderen Rolle zu sehen wie Adam Brody aus „O.C. California“ oder Martin Freeman aus „Sherlock“. Hoffentlich gibt es eine zweite Staffel, denn jetzt habe ich Blut geleckt und will unbedingt wissen, was aus GenCoin wird.
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Der Mörder aus dem Wald

Eine ganze Weile habe ich mich von skandinavischen Krimiserien ferngehalten, weil sie mir zu düster oder zu brutal waren. Die letzte Serie mit enormem Suchtfaktor war „Kommissarin Lund - Das Verbrechen“, von der ich Euch schon mal berichtete.
In den letzten Wochen kam allerdings ein Vierteiler auf ZDF, von dem ich mich nicht losreißen konnte: „Modus“ – eine schwedisch-deutsche Koproduktion, die auf dem Roman „Gotteszahl“ von Anne Holt basiert. Dabei hatte ich vorerst genug von Serienmördern und Psychopathen, die grausame Taten begehen, zumal sie ja leider nicht frei erfunden sind, sondern tatsächlich existieren, so beängstigend die Vorstellung auch ist. Auch in dieser Serie haben wir es mit einem eiskalten Serienkiller zu tun, dessen Motiv anfangs noch unklar ist. Man weiß nur so viel: Richard Forrester haust in einem Campingwagen in Wald, grillt sein Essen in einem brennenden Fass und plant seine nächste Tat während das restliche Schweden ahnungslos Weihnachten feiert. Jedes weitere Opfer wirft neue Fragen auf: Hat es der Mörder auf prominente Frauen oder auf Homosexuelle abgesehen? 
Zu dumm, dass ein autistisches Mädchen Zeugin der ersten Mordtat wird. Sie ist die Tochter der schwedischen Kriminalpsychologin Inger Johanne Vic, die mehrere Jahre fürs FBI gearbeitet hat und nun an der Uni forscht und lehrt. Gemeinsam mit dem Kommissar Ingvar Nyman von der Kripo in Uppsala begibt sie sich auf Spurensuche und bringt sich und ihre Familie in Lebensgefahr. Mir gefällt, dass der Fokus nicht auf sinnlose Gewalt oder die reine Jagd auf den Täter, sondern auf die Figuren gelegt wird, die genügend Raum haben, um sich zu entfalten. Fesselnd ist auch die Art und Weise, wie die Psychologin nach und nach ein Muster erkennt und aufdeckt, in welche Abgründe jemanden sein Hass auf eine fortschrittliche und liberale Gesellschaft reißen kann.
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Vendetta im Outback

Mit extravaganten Kleidern kann man so mancher Frau den Kopf verdrehen. Das beherrscht auch Myrtle "Tilly" Dunnage, Protagonistin in dem Film "The Dressmaker – Die Schneiderin" von Jocelyn Moorhouse. Allerdings tut sie dies aus reiner Berechnung. Nachdem sie für die exklusivsten Modehäuser in Europa gearbeitet hat, kehrt sie 26 Jahre später als feine Dame in ihre australische Heimatstadt Dungatar zurück. Die Dorfgemeinschaft reagiert alles andere als begeistert, denn Tilly wurde damals als Mörderin ihres Mitschülers aus dem Ort verjagt. Tilly will nun das Unrecht, das ihr angetan wurde, aufklären und nistet sich mit ihrer Nähmaschine bei ihrer Mutter "Mad" Molly ein.
Ein selbstgeschneidertes Kleid gegen eine Information aus der Vergangenheit lautet der Deal, und so "ernäht" Tilly sich nach und nach die Gunst der Dorfbewohnerinnen. Die Entzückung ist groß, denn sie schafft es tatsächlich, den biederen Frauen durch prachtvolle Roben und Hüte Glanz und Glamour zu verleihen. Sogar Sergeant Farrat mit seiner Schwäche für Frauenkleider ist Tillis Nähkünsten verfallen. Sie braucht nur mit einer schwarzen Federboa vor seiner Nase zu wedeln und schon rückt er eine wichtige Akte zu dem damalige Fall heraus.
"The Dressmaker" basiert auf dem gleichnamigen australischen Bestseller von Rosalie Halm und ist ein sehr ausgefallener Genremix, den ich in der Form noch nie gesehen habe. Elemente aus Western, Märchen, Drama, Film Noir, Mystery-Thriller und Kammerstück finden sich darin wieder. So wird man an den typischen Auftakt von Western, Saloonszenen oder den Film "High Noon" erinnert, wenn Tilly ihren Rachefeldzug antritt. Zur Einstimmung fliegen den Dorfbewohnern statt Revolverkugeln Golfbälle um die Ohren. Kate Winslet spielt die Rolle der reizbetonten und selbstbestimmten Grandezza großartig. Mit ihrer scharfzüngigen Mutter liefert sie sich witzige Wortgefechte, während es zwischen ihr und ihrem einstigen Klassenkameraden und Adonis Teddy gewaltig knistert. Das übrige Ensemble besteht aus grotesk überzeichneten Karikaturen, die meisterhaft spießbürgerliches Denken und ländliche Engstirnigkeit verkörpern und dem Film etwas Surreales verleihen.
Der eigenwillige Erzählstil ist gewöhnungsbedürftig – einen gradlinigen Plot darf man hier nicht erwarten. Der Film lässt sich Zeit damit, die Fassade bröckeln zu lassen und Schicht für Schicht diverse Lügen und Geheimnisse offenzulegen. Nähere Aufmerksamkeit verdienen vor allem die Details und  Symbole – und natürlich das Setting, das in den 1950ern angesetzt ist, und durch starke Bildkompositionen die ideale Kulisse für das skurrile Dorfleben und die rundum schräge und wendungsreiche Dramedy bildet.
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Einsames Celebrity Girl

Könnt Ihr Euch einen Geschäftsmann vorstellen, an dessen Smartphone ein kitschiger Anhänger baumelt? Wahrscheinlich nicht, doch in Japan ist es gar nicht mal so ungewöhnlich. Paare tragen gern den gleichen Anhänger als Ausdruck ihrer Verbundenheit, andere pflegen auf die Weise schöne Erinnerungen.
Auch die sechsjährige Anne in der japanischen TV-Serie „Oh! My Girl!!“ hat einen Delfin als Stofftier an ihrem Handy hängen – ein Andenken an ihre Mutter, die Anne einfach bei ihrem Stiefbruder Kotaro zurücklässt, um in Hollywood als Schauspielerin Karriere zu machen. Beide sind „not so amused“. Kotaro hält sich als freier Journalist und ambitionierter Schriftsteller mehr schlecht als recht über Wasser und kann mit der frechen Göre gar nichts anfangen, zumal das Verhältnis zu seiner Stiefschwester schon immer desaströs war. Auch der verwöhnten Anne, die ein luxuriöses Leben gewöhnt ist, widerstrebt die Umstellung. Als die beiden zu dritt mit Annes Managerin unter einem Dach wohnen, ist Ärger vorprogrammiert.
Dass sich Nichte und Onkel trotz ihrer Gegensätze annähern, ist nicht schwer zu erraten. Doch die Story birgt erstaunlich viele Facetten, die nicht nur für großartige Unterhaltung sorgen, sondern auch tief berühren. Wie fühlt sich ein Mädchen wie Anne, das an seinem Versprechen ihrer Mutter gegenüber eisern festhält, eine erfolgreiche Schauspielerin zu werden, von dieser jedoch völlig vernachlässigt wird? Was macht sie durch, als sie erfährt, wer ihr wahrer Vater ist? Durch die unerwartete Begegnung mit Anne erweitert Kotaro in vielerlei Hinsicht seinen Erfahrungshorizont. Er zeigt immer mehr Mitgefühl für Anne, die nicht nur auf der Bühne, sondern unter dem Druck der Produktionsfirma auch privat die Rolle einer glücklichen Tochter spielt und damit nur ihre Einsamkeit kaschiert. Er begreift auch, dass es mehrere Wege gibt, ein guter Vater zu sein. Mit viel Witz und Tiefgang zeigt die Serie das Aufeinanderprallen von Wertvorstellungen, Idealen und Erwartungen an eine Familie. 
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Eine Muse muss her

Als Modeschöpferin eine kreative Blockade zu haben, kann ziemlich hart sein. Noch härter kann es aber die Mitarbeiter des Modelabels treffen, die von ihren Ideen abhängig sind, wie Hélène und ihr Chef Alan Bergam in der französischen Komödie „Chic!“.
Alicia Ricosi, grandios gespielt von Fanny Ardant, wird von ihrem Freund verlassen und stürzt in ein künstlerisches Tief. Als sie zufällig in ein Gespräch mit Hélènes Landschaftsgärtner Julien verwickelt wird, ist sie wie verwandelt. Er scheint der Einzige zu sein, der Alicia zu einer Inspiration verhelfen und die geplante Kollektion doch noch retten kann. Und so nehmen die Dinge ihren verrückten Lauf. Hélène soll den Gärtner als Muse für die Künstlerin gewinnen. „Tic-tac, tic-tac!“, so treibt der herzlose Chef Hélène an, denn der Präsentationstermin rückt immer näher.
Dummerweise hat Hélène aus einer Laune heraus ausgerechnet jenen Gärtner gefeuert, doch für ihre Karriere ist sie bereit, über ihren Schatten zu springen und zur Not auch eine skrupellose Tat zu begehen, wie zum Beispiel eine Yacht zu versenken. Tyrannisch und manipulativ zu handeln, hat sie schließlich von Alicia gelernt. So gelingt es ihr schließlich, Julien zu seiner neuen Rolle und Aufgabe zu überreden. Dass sich die beiden näher kommen, ist zwar vorhersehbar, doch charmant umgesetzt. Erst Alicia ihre extravaganten Aktionen auf die Spitze treibt, um in der Nähe ihrer Muse zu sein, erkennt Hélène den Wahnsinn, den sie Tag für Tag durchlebt. Vermutlich betrachtet sie den verrückten Zirkus zum ersten Mal mit den Augen eines Außenstehen, und zwar Juliens, und hinterfragt ihre Arbeit und ihre Lebensziele.
„Chic!“ ist ein Filmgenuss vom Feinsten mit viel Situationskomik. Wie Hélène potentielle Musen für Alicia rekrutiert, aus lauter Verzweiflung in ihre Sauna einzieht oder ihr Chef das Team antreibt wie Napoleon sein Heer, da bleibt kein Auge trocken. Mit typisch französische Charme, Esprit und Selbstironie nimmt der Film von Jérôme Cornuau die Modewelt, Diven und Starallüren auf die Schippe. Die Schauspieler Marina Hands und Eric Elmosnino sind für mich eine echte Neuentdeckung. 
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Das Gesetz des Dschungels

Dass es in musikalischen Ensembles lange nicht so harmonisch zugeht, wie die Darbietung auf der Bühne vermuten lässt, bekomme ich aus Erzählungen meiner Mutter hautnah mit. Zickenkrieg im japanischen Frauenchor ist ganz und gar keine Seltenheit. Von Hauen und Stechen handelt auch die verrückte Serie „Mozart in the Jungle“ – allerdings nicht im Chor, sondern in einer fiktiven New York Symphony. 
Rodrigo De Souza, neuer Stardirigent aus Mexiko, hat das Zepter übernommen und soll der Truppe neuen Glanz verleihen. Für die junge Oboistin Hailey Rutledge ist es die langersehnte Chance, bei den New Yorker Symphonikern Fuß zu fassen. Für einen festen Platz reicht es anfangs noch nicht, doch sie nimmt fleißig Unterricht bei der tyrannischen ersten Oboistin und darf derweil als persönliche Assistentin Rodrigos wertvolle Erfahrungen hinter den Kulissen sammeln und so wichtigen Tätigkeiten nachgehen wie den perfekten Mate-Tee für ihren exzentrischen Chef zu kochen. 
Die von Amazon produzierte Serie basiert auf dem Buch „Mozart in the Jungle: Sex, Drugs, and Classical Music“. Darin beschrieb die Oboistin Blair Tindall 2005 ihr Leben als Profimusikerin in New York. Ob sie tatsächlich so vielen durchgeknallten Musikern begegnet ist wie dem Pauker und Drogendealer des Orchesters, der Cellistin und Verführerin Cynthia oder Haileys Mitbewohnerin Elizabeth, die eine WG-Party nach der anderen schmeißt und ihr ganzes Erbe auf einer Reise verprasst? Am überzeugendsten und authentischsten wirkt die Figur der Gloria. Als Treuhänderin steckt sie ihre ganze Energie in Gesellschaftsgalas und treibt mit großem Eifer Spenden ein. 
In der zweiten Staffel begleiten wir die Truppe auf eine Tournee nach Lateinamerika und begegnen auch prominenten Künstlern wie Lang Lang. Ich bin gespannt, mit welchen unkonventionellen Ideen uns Rodrigo noch überrascht in dieser Serie, die den Golden Globe als beste Comedyserie erhielt. 
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Die Sakurai-Brüder

Ich hätte nicht gedacht, dass mir eine TV-Serie gefallen würde, die von einer alleinerziehenden Mutter und ihren drei Söhnen handelt. Das Einzige, was ich mit den Figuren gemein habe, ist der Nachname der Hauptdarstellerin. Die japanische Produktion „Brother Beat“ zeigt in einer tollen Balance aus Comedy und Drama, welche entscheidende Rolle die Familientradition in Japan spielt.
Die drei Brüder, die ihren Vater früh verloren haben, könnten unterschiedlicher nicht sein. Tatsuya arbeitet in einer Werbeagentur, fühlt sich als Ältester verantwortlich für die Familie und versucht stets, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Kein Wunder, dass er sich ständig mit seinem jüngeren Bruder Riku in die Haare kriegt, der das Leben lockerer sieht, sich ausgiebig vergnügt und eher impulsiv handelt. Junpei, der Jüngste, ist feinfühlig, fürsorglich und manchmal sehr naiv, was ihm eine Menge Probleme beschert. Amüsiert habe ich mich vor allem über die Mutter, die als Teilzeitkraft in einem Supermarkt arbeitet, die lästigen Haushaltspflichten gern ihren drei Söhnen überlasst und kein Blatt vor den Mund nimmt.
Der Charakter jeder einzelnen Figur ist konsequent, aber auch liebevoll ausgearbeitet, dass die Familie und ihr turbulenter Alltag sehr authentisch rüberkommen. Auch wenn sich die Brüder ständig fetzen, halten sie in ihren Krisen – und davon gibt’s nicht wenige – zusammen, ja sie lernen sogar voneinander. Der Titel ‚Brother Beat’ trifft’s genau, denn trotz gelegentlicher Dissonanzen schlagen ihre Herzen im gleichen Beat. 
Neben dem Zusammenhalt geht es auch um den Wunsch der Väter, die Familientradition weiterzuführen. Rührend fand ich, mit welcher bedeutungsschwangeren Geste ein Konditor, der mich mit seinen konservativen und strengen Ansichten an meinen Vater erinnerte, schließlich doch in die Heirat seiner Tochter einwilligt, auch wenn er sich ihre Zukunft ganz anders vorgestellt hatte. Die Serie zeigt den typischen Traum der jungen Generation, die das Elternhaus auf dem Land verlässt und nach Tokio zieht, um sich beruflich und persönlich zu verwirklichen.
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Systematisch vertuscht

Der amerikanische Film „Spotlight“ von 2015 beginnt mit einem Personalwechsel. Marty Baron ist neu in Boston und tritt seine neue Stelle als Chefredakteur bei der Boston Globe an. Die Mitarbeiter, darunter das Investigativteam namens ‚Spotlight‘ befürchtet personelle Kürzungen. Baron hat jedoch ganz anderes im Sinn. Er setzt das Team darauf an, Fälle des Kindesmissbrauchs in der Erzdiözese Boston aufzudecken.
Was die Journalisten durch intensive Recherchearbeit nach und nach aufdecken, versetzt den Zuschauer in eine Mischung aus höchster Anspannung, Entsetzen und Sprachlosigkeit, zumal die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht. Es wird deutlich, dass es sich beim Kindesmissbrauch keineswegs um Einzelfälle, sondern um eine ganze Serie handelt. Die Zahl der verdächtigen Priester und der Opfer steigt stetig und der Gipfel ist, dass die Kirche davon wusste, die Verbrechen jedoch vertuschte. Die Reporter arbeiten akribisch Tag und Nacht, stoßen auf Schweigen und Widerstand, schaffen aber durch ihre Hartnäckigkeit Stück für Stück einen Durchbruch. Dabei stellt sich die Frage, wann der richtige Zeitpunkt ist, um mit den bisher ermittelten Fakten an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Zeitdruck ist groß, da auch andere Medien eine Story wittern; andererseits will der Herausgeber nicht die Priester, sondern in erster Linie das System, das dahintersteckt, bloßlegen. Für ihre umfassende Berichterstattung von 2001 bis 2003 erhielten die Journalisten damals den Pulitzer Preis. 
Ich fand es bemerkenswert, wie sensibel und differenziert der Film mit dem Thema umgeht und von reiner Schwarz-Weiß-Malerei absieht. Nicht nur die Kirche trifft die Schuld – auch die Medien tragen ihre Verantwortung, da sie zwar hier und da von Einzelfällen berichteten, aber nicht gründlich genug recherchiert und die Zusammenhänge nicht erkannt hatten. Die Interviews mit Opfern und Selbsthilfegruppen zeigen, auf welch grausame Weise ein Leben für immer zerstört wird und welch zwielichtige Arbeit die Anwälte der Gegenseite verrichten – Vertreter des katholischen Establishments dagegen berufen sich auf ihren Glauben, dass die Menschen die Kirche bräuchten, weil sie auch Gutes und Wichtiges leiste. Der Film war für sechs Oscars nominiert und hat verdientermaßen den Preis für den „Besten Film“ und das „Beste Drehbuch“ eingeheimst.
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Seinen Ozean finden

Kein Ziel festlegen, kein Hotel reservieren, sondern einfach Richtung Meer fahren und bleiben, wo es einem gefällt. Kann es einen besseren Sommerurlaub geben? Für Hiromi Sakurai in der Serie „Beach Boys“ jedenfalls nicht. Der ehemalige Schwimmathlet, der kurz davor war, für Japan eine Medaille zu holen, musste wegen einer Verletzung seine Karriere hinschmeißen. Seitdem sandelt er vor sich hin, hat sich gerade von seiner Freundin getrennt und will einfach den bevorstehenden Sommer am Meer genießen. Unterwegs lernt er Kaito kennen, einen zurückhaltenden ernsten Geschäftsmann aus Tokio, der ihm bei einer Autopanne hilft.
Zusammen landen sie in der Pension Diamond Head direkt am Meer. Hiromi ist sofort begeistert und nimmt einen Aushilfsjob an, während Kaito dem redseligen und nervigen Kerl möglichst aus dem Weg geht und seine Ruhe haben will. Trotz oder gerade wegen ihres gegensätzlichen Charakters freunden sie sich an und werden während der Sommerferien zum festen Inventar der Pension – zur großen Freude von Makoto, der 17-jährigen Schülerin und Enkelin des Besitzers Masaru. Sie freut sich über die Gesellschaft der zwei gut gelaunten, attraktiven Jungs und tauft  sie „Beach Boys“. Die sympathischen Darsteller Yutaka Takenouchi und Takashi Sorimachi schafften mit der Serie ihren großen Durchbruch und zählen seitdem zu den beliebtesten Schauspielern Japans. 
Auf den ersten Blick ist es eine in 12 Episoden erzählte Feel-Good-Serie und eine Hommage an den Sommer, das Meer und das Urlaubsfeeling. Gedreht wurde an den schönen Stränden von Saipan. Die Geschichte handelt aber auch von Lebensträumen und Sehnsüchten, die tiefer gehen. Was passiert, wenn für Hiromi die Ferien, für Kaito die Auszeit vorbei ist? Sich einfach dort niederzulassen und ein Happy End zu erwarten, wäre zu einfach, zumal der Schein oft trügt. So sitzt der Schock tief, als die Jungs erfahren, dass sich der Ex-Surfer Masaru mit der Pension keineswegs einen Traum erfüllt hat, sondern durch äußere Umstände gezwungen war, dort zu bleiben und hängengeblieben ist. 
Genügt das einfache Leben, um glücklich zu sein oder macht man sich nur etwas vor und wird zu bequem, um anspruchsvollere Ziele anzusteuern? Viele Dialoge stimmen einen nachdenklich, zum Beispiel Masarus Botschaft, dass der Ort sein Revier, „sein Ozean“, sei, und die Beach Boys weiterziehen und ihren eigenen Ozean finden müssen. 
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Klassik trifft Comic

Wofür können sich Japaner am meisten begeistern? Genau, für klassische Musik und Anime. Warum sonst gibt es so viele Verfilmungen von Comics, die von Komponisten, Dirigenten oder Pianisten handeln? Bestes Beispiel dafür ist die erfolgreiche japanische Produktion „Nodame Cantabile“. Sie basiert auf einer preisgekrönten Manga-Serie der japanischen Zeichnerin Tomoko Ninomiya, die von 2001 bis 2009 in einer Manga-Zeitschrift und 23 Sammelbänden veröffentlicht wurde. Aus dieser Idee entstand sowohl eine Serie mit zwei Staffeln als auch ein zweiteiliger Spielfilm.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Musterstudent Shinichi Chiaki, der als Kind mit seinen Eltern Europa bereiste und die klassische Musik kennen und lieben lernte. Geprägt hat ihn vor allem die Begegnung mit dem Dirigenten Sebastiano Viera. Nun studiert er an der Musikakademie Momogaoka in Tokio Klavier, träumt aber davon, Dirigent und Komponist zu werden. 
Durch Zufall lernt er Megumi Noda mit dem Spitznamen Nodame kennen, die nicht nur seine Kommilitonin, sondern auch Nachbarin ist. Ihr einzigartiges Klavierspiel beeindruckt ihn, doch alles andere löst nur Entsetzen aus: sie ist ein Messie, chaotisch und jagt ihm auch noch hinterher. Ihr verdankt er allerdings die Chance, ein Studentenorchester zu leiten und zu lernen, die musikalischen Fähigkeiten jedes Einzelnen zu schätzen. In der zweiten Staffel ziehen sie gemeinsam nach Paris, wo Nodame ihr Studium an der Conservatoire de Musique aufnimmt, während Chiaki sich als Dirigent des Roux-Marlet-Orchesters bewähren muss. 
Witzig ist vor allem die Machart der Serie: Aufkochende Emotionen und hitzige Wortgefechte werden mit visuellen Effekten untermalt, dass man meint, man lese einen Comic. Sehenswert ist die Serie aber vor allem wegen der wunderbaren musikalischen Darbietungen unter anderem von folgenden bekannten Werken:
Adagio cantabile von Beethoven
Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 90 von Brahms
Fantaisie-Impromptu in cis-Moll, op. 66 von Chopin
L’Isle Joyeuse von Claude Debussy
Danse russe aus Stravinskys Petruschka
Miroirs von Maurice Ravel
Klaviersonate Nr. 18 von Mozart
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Studiochef und Troubleshooter

Im Flieger nach New York hatte ich die Gelegenheit, einen Film anzusehen, der gerade auf DVD erschienen ist: „Hail, Caesar!“ von den Coen-Brüdern, der den Wettbewerb der 66. Berlinale im Februar eröffnete. Viel logische Handlung darf man in diesem Film nicht erwarten, doch man kann in die wunderbar bunten Studiokulissen der Fünfziger Jahre eintauchen, mitten ins Goldene Zeitalter von Hollywood.
Hauptfigur Eddie Mannix leitet das Filmprojekt „Hail, Caesar!“ – ein im alten Rom angesiedelten monumentalen Sandalenfilm. Kurz vor Drehschluss wird jedoch der Hauptdarsteller von einer Gruppe kommunistischer Drehbuchautoren entführt, die sich „Die Zukunft“ nennt. Dass eine Summe von 100.000 Dollar als Lösegeld gefordert wird, ist nur eines von vielen kleinen und großen Problemen, mit denen sich der Studiochef herumschlagen muss. Er ist Mädchen für alles oder ‚Fixer‘, wie man die Arbeit damals nannte.
So erleben wir einen Käfig voller verrückter Künstler und Diven wie eine launische Wasserballetttänzerin, Cowboyhelden, steppende Matrosen und nervige Klatschreporter. Schauspieler wie George Clooney und Scarlett Johansson sind sich nicht zu schade, sich zum Narren zu machen – im Gegenteil, sie haben sichtlich Spaß an ihren Rollen und der überträgt sich ganz schnell auf das Publikum. Typisch für die Coen-Brüder ist wieder das Thema Kunst versus Kommerz, doch in erster Linie ist der Gute-Laune-Film eine Huldigung der einstigen Magie von Hollywood.
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Master of Suspense

In letzter Zeit habe ich einige Bücher über Künstlerpaare gelesen, die sich gegenseitig kreativ beflügelten, wie Clara Westhoff und Rainer Maria Rilke, Sonia und Robert Delaunay oder Leonora Carrington und Max Ernst. Dass Alfred Hitchcock und Alma Neville ebenfalls dazu zählten, erfuhr ich erst durch den Film "Hitchcock" von Sacha Gervasi aus dem Jahr 2013. Das Biopic bildet einen kleinen Ausschnitt aus seinem Leben ab und zwar die Phase der Konzeption und Produktion seines Horrorklassikers „Psycho". Und doch erfährt man in komprimierter Form sehr viel über Hitchcocks Charakter, seine Willenskraft, Selbstzweifel, seine Allüren am Set und vor allem die starke Bindung zu seiner Frau Alma. Wer hätte gedacht, dass Hitchcock seinen Welterfolg auch seiner Frau zu verdanken hat.
Alma ist die einzige, die an ihren Ehemann glaubt, als dieser sich in den Kopf setzt, eine grausige Mordgeschichte zu verfilmen. Er möchte noch einmal seine ganze Schaffenskraft in ein experimentelles Filmprojekt setzen, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Nachdem sein vergangener Film "Vertigo" floppte, ist der Druck enorm. Hitchcocks Produktions- und Verleihgesellschaft Paramount wünscht sich einen Kassenschlager wie "North by Northwest" und will von Hitchcocks neuem Projekt nichts wissen. Um den Film dennoch zu realisieren, setzt das Ehepaar ihr Hab und Gut sowie ihren Ruf aufs Spiel. 
Hitchcocks Schwäche für kühle blonde Schönheiten wie Tippi Hedren oder Grace Kelly, die er bevorzugt als Hauptdarstellerinnen auswählte, ist allgemein bekannt. Wie sehr Alma unter seinen Frauenfantasien litt und ihm trotzdem auch in schwierigsten Zeiten zur Seite stand, wird nicht zuletzt durch die schauspielerische Leistung von Helen Mirren sehr überzeugend vermittelt. Hitchcocks wiederholte Alpträume von einem Serienmörder und Kannibalen sind etwas verwirrend, doch das gelungene Setting aus den 50er Jahren, das Design, die Klamotten und die bissigen Dialoge zwischen Alma und Alfred machen einige Schwachstellen im Drehbuch wieder wett.
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Im Single-Großstadtdschungel

Die Komödie „How to be Single“ hätten wir auf dem Hinflug nach New York und nicht auf dem Rückflug sehen sollen. Wenn ein Film Lust auf Manhattan macht, dann dieser! Das Entertain-Programm von Lufthansa hatte so viel zu bieten, dass ich eigentlich schon vier andere Filme ausgewählt hatte, unter anderem „Hail, Caesar“, „Meine geliebte Schwester“ und „The Revenant“. Doch nachdem Harry neben mir einen Lachanfall nach dem anderen hatte, wurde ich doch neugierig und verbrachte 110 höchst vergnügliche Flugminuten. 
Der Film handelt von vier Frauen, die ihr Single-Dasein völlig unterschiedlich erleben. Alice zum Beispiel gönnt sich eine Beziehungspause von ihrem Collegefreund, um zu sich selbst zu finden, bereut aber kurze Zeit später ihre Trennung. Gut, dass sie in ihrer neuen Stelle die Partylöwin Robin kennenlernt, die ihr Nachhilfe gibt, wie man sich als Single zu verhalten hat. Gemeinsam stürzen sie sich in die New Yorker Bar- und Nachtclubszene und erleben haarsträubende Situationen. 
Man könnte meinen, dass eine Komödie über Singles in New York kaum Überraschendes bieten kann, doch dieser Film hebt sich angenehm von der Massenware ab. Die Dialoge sind spritzig, die Figuren gut ausgearbeitet und die Handlung verläuft keineswegs so wie erwartet. Dem Münchner Regisseur Christian Ditter ist ein amüsantes Hollywood-Debüt gelungen, das die Freuden und Leiden eines Singles – von Einsamkeit, Zweifel, Ablenkungsversuchen bis hin zur Euphorie – nuancenreich ausleuchtet und uns mit tollen Aufnahmen von Manhattan beglückt.
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Standhafter Mann

Der Film „Bridge of Spies“ von Steven Spielberg, der letzten Monat auf DVD erschienen ist, hat so einiges gemeinsam mit dem Thriller "Captain Phillips". Beide sind mit Tom Hanks in der Hauptrolle ideal besetzt, bauen trotz Überlänge eine Wahnsinns-Spannung auf und beruhen auf wahren Begebenheiten. 
Schauplatz des Spionagethrillers ist zunächst ein New Yorker Hotel in Brooklyn, wo Anfang der Sechzigerjahre der russische Spion Rudolf Iwanowitsch Abel vom FBI festgenommen wird. Der Formalität halber soll er von dem renommierten amerikanischen Anwalt James B. Donovan vertreten werden, doch die Öffentlichkeit rechnet sowieso fest mit der Todesstrafe. Donovan nimmt den Fall allerdings genauso ernst wie jeden anderen und besteht auf einen fairen Prozess. Hat ihn möglicherweise auch ein klein wenig Abels Geschichte von einem Freund seines Vaters beeindruckt, der sich in noch so hoffnungsloser Lage bis zum Schluss als standhafter Mann erwies? Der Anwalt entwickelt jedenfalls eine bemerkenswerte Hartnäckigkeit und kann Abel tatsächlich vor der Todesstrafe bewahren. Sein Argument: Abel könnte als Tauschobjekt noch von Nutzen sein. Mit dieser Vermutung liegt er richtig, denn als ein amerikanisches Flugzeug auf sowjetischem Boden abgeschossen und der Pilot Gary Powers verhaftet wird, soll Donovan in Ost-Berlin einen Geiseltausch verhandeln.
Komplexer wird die Geschichte, als Donovan in dem Zuge nicht nur den Piloten, sondern auch einen amerikanischen Wirtschaftsstudenten befreien will. Dabei wächst er immer mehr in die Rolle des Unterhändlers hinein, pokert hoch und setzt sogar sein Leben aufs Spiel. Der trockene Humor in den knappen Dialogen und die ästhetischen und kontrastreichen Bilder – zum Beispiel das karge Ost-Berlin in kalten Blau-Grautönen und das üppige amerikanische Frühstück in einem Nobelhotel – sorgen dafür, dass die 140 Spielminuten wie im Fluge vergehen. Hut ab vor Steven Spielberg, der wieder einmal eindrucksvoll einen historischen Stoff in Szene gesetzt hat, in dem Menschen nur als Marionetten für diplomatische Schachzüge und Machtspiele dienen und trotzdem durch Mut und Menschlichkeit ein Zeichen setzen können.
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Talentloser Aufsteiger

Von einem Entwicklungsroman bin ich es gewohnt, dass der Protagonist sich charakterlich verändert und am Ende nicht der Gleiche ist wie am Anfang. Auf den Helden des französischen Literaturklassikers "Bel Ami" von Maupassant trifft das nicht gerade zu. Georges Duroy verfolgt von Anfang an das Ziel, in die oberste Liga der elitären Gesellschaft zu gelangen, räumt alle Hindernisse aus dem Weg und erreicht sein Ziel ohne jegliche Sanktionen.
Solch eine Geschichte könnte sich jederzeit und überall abspielen. Eine Stadt, die Ende des 20. Jahrhunderts die besten Voraussetzungen für ehrgeizige Aufsteiger bot, war Paris. Kürzlich hatte ich durch die – sage und schreibe – vierzehnte Verfilmung von "Bel Ami" aus dem Jahr 2012 das Vergnügen, in die damalige Zeit einzutauchen, in der für viele Emporkömmlinge der schnelle Aufstieg und das große Geld zum Greifen nahe erschien. Duroy wählte die für ihn als Charmeur am erfolgsversprechendste Methode: Er verführte die Ehefrauen der mächtigen Gentlemen. Interessant wird die Geschichte, wenn diese Frauen so unterschiedlich sind wie Madeleine Forestier, Clotilde de Marille und Madame Rousset, gespielt von Uma Thurman, Christina Ricci und Kristin Scott Thomas. Rob Pattinson, der in die Rolle des Schwerenöters schlüpfte, sagte in einem Interview, dass die Schauspielerinnen derart unterschiedlich waren, dass er sich bei jedem Dreh komplett neu orientieren musste.
Auch wenn die Story nicht sehr einfallsreich umgesetzt wurde, verfolgt man mit einer gewissen Faszination, wie ein mittelloser Mann ohne Talent allein durch seine Verführungskünste an die Spitze der Gesellschaft gelangt. Ein Augenschmaus sind die opulenten Kostüme und das authentische Setting wie die Arbeitsatmosphäre bei der Zeitung "La Vie Française", der Blumenstand auf einem Pariser Boulevard oder das Treiben in einer Kneipe, wo man meint, in jedem Augenblick könnte Toulouse-Lautrec um die Ecke auftauchen. Im Vergleich zu der Romanfigur, die von Lebensgier und Wunsch nach Anerkennung getrieben wird, bleibt die Filmfigur bis zum Schluss recht farblos.
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Lehrling überholt Meister

Manche TV-Serien brauchen eine Weile, bis die Handlung in Fahrt kommt. Bei der japanischen Produktion „Concerto“ wäre ich beinahe nach zwei Folgen ausgestiegen, bin aber zum Glück drangeblieben. Was als eine simple Dreiecksgeschichte beginnt, entwickelt sich zu einem hochspannenden Duell zwischen zwei Architekten. 
Im Mittelpunkt steht der junge Mann Kakeru, der davon träumt, eine imposante Kirche in Kamakura zu erbauen. Seit vier Jahren arbeitet er an seinen Entwürfen, sandelt vor sich hin und kann seiner unzufriedenen Freundin Hana keine Zukunftsperspektiven bieten. Sein großes Vorbild ist der berühmte Architekt Kosuke Ebisawa, deren Bauwerke er regelmäßig aufsucht, um sich inspirieren zu lassen.
Die Überraschung ist groß, als just dieser erfolgreiche Künstler durch einen Zufall auf der Bildfläche erscheint und ihr Leben komplett umkrempelt. Kakeru bietet er eine Stelle in seinem Architekturbüro in Tokio an – so weit so gut –, doch die Freundin spannt er ihm aus. Es beginnt eine höchst ungewöhnliche Dreiecksbeziehung, die man kaum in Worte fassen kann, da ihre Entwicklung und Dynamik mindestens so nuancenreich sind wie die Höflichkeitsformeln im Japanischen. Der Lehrling lernt zunächst vom Meister, doch bald fühlt er sich von ihm ausgenutzt, will seine eigenen Träume verwirklichen, statt sein Talent für die Selbstverwirklichung seines Chefs zu opfern. Sie werden zu Rivalen und haben doch den höchsten Respekt voreinander. Hanas Traum ist nur scheinbar in Erfüllung gegangen – sie lebt mit Kosuke in einer Luxuswohnung, hat keine materiellen Sorgen mehr und ist dennoch unglücklich. 
Mit jeder Folge kommt eine unerwartete Wendung und eine neue Thematik ins Spiel: der Wunsch nach künstlerischer Selbstverwirklichung, Prinzipientreue, Klüngeleien von mächtigen Unternehmen und der Zwang zum Konformismus. Gemeinsam mit den drei Charakteren erleben wir extreme Höhen und Tiefen ihres Lebens sowie die Bedeutung von wahrer Freundschaft und Liebe.
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Am Rande des Irrsinns

Kann eine Serie ohne die Hauptfigur weitergehen? Ja, sie kann, wie die US-Serie „Homeland“ beweist. Am Ende der dritten Staffel ließ Drehbuchautor Alex Gansa den Protagonisten Nicholas Brody, gespielt von Damian Lewis, erhängen. Der Marine, der in Afghanistan nach acht Jahren Gefangenschaft befreit wurde und als vermeintlicher Kriegsheld zurückkehrte, entpuppte sich nämlich als Terrorist, der zum Feind übergelaufen war. 
Erkannt hatte dies einzig und allein Carrie, eine bipolare CIA-Agentin, die ständig Gefahren wittert und das mit einer unglaublichen Treffsicherheit. Dass sie sich in Brody verliebte und ein Kind von ihm bekam, machte ihre Mission nicht gerade leichter. Doch was ist schon leicht in Carries Leben? Sie ist psychisch labil, leidet unter extremen Stimmungsschwankungen und putscht sich mit Medikamenten auf. Ihr irrer Blick kann einen noch tagelang verfolgen. Ihre variantenreiche Mimik, die in Sekundenschnelle ein strahlendes Lächeln in ein vor Wut und Verzweiflung verzerrtes Gesicht verwandelt, bringt wohl nur eine so einzigartige Schauspielerin wie Claire Danes zustande. 
In der vierten Staffel übernahm sie die schwere Verantwortung, abzuwägen, wann und wie Ziele in Afghanistan angegriffen werden und die Collateralschäden dabei zu minimieren. Was ihr fatalerweise misslang und schwere Konsequenzen mit sich zog. In „Homeland“ passiert es nicht selten, dass man entsetzt ausruft „Das ist doch jetzt nicht wahr! Das können die doch echt nicht bringen?!“ Und ob sie können.
Aktuell ist auf Sat1 die fünfte Staffel zu sehen. Zum ersten Mal wurde dort gedreht, wo auch die Handlung spielt: in Berlin, und zwar an mehr als hundert verschiedenen Orten unter anderem in Potsdam, Nauen und Schönefeld. Als Kulisse dienten auch der Hauptbahnhof, das Rote Rathaus und das Kaffeehaus Grosz am Kurfürstendamm, was Erinnerungen an unsere Städtetour Anfang des Jahres weckt. 
Ein Muster wiederholt sich auf markante Weise: Carrie will immer wieder aussteigen, doch dann passiert etwas Unfassbares und sie kann nicht anders, als der Sache nachzugehen. Gut so, denn die spannende Serie, die uns mit einem Cliffhanger nach dem anderen ködert, soll schließlich weitergehen.
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Enjoy your flight

Mein Onkel wollte schon als Kind unbedingt Pilot werden. Und ist es auch geworden. Nachdem ich die japanische Serie „Good Luck“ gesehen habe, konnte ich mich ein wenig in ihn hineinversetzen. Die Serie handelt von einem jungen Mann, der gerade seine Pilot-Ausbildung abgeschlossen hat und sich zunächst als Co-Pilot bewähren darf. Eine seiner häufigsten Routen führt vom Narita Flughafen in Tokio nach Honolulu. Er liebt das Fliegen und kann sich keinen anderen Beruf vorstellen – auch dann nicht, als ein schwerer Unfall seine Laufbahn in Frage stellt. Die Serie mag sich mancher Klischees bedienen, doch ich war überrascht, welch umfassenden Einblick ich in die Arbeit einer Fluggesellschaft bekam.
Wann kann man schon einem Piloten so genau über die Schulter schauen, jeden Handgriff beim Abflug und der Landung verfolgen und lernen, warum der Pilot bei einer Notlandung gerade die Entscheidung von mehreren Optionen getroffen hat und nicht eine andere. Vom Cockpit über die Cabin Crew, von der Flugaufsicht bis hin zur Sicherheitskontrolle – jeder Arbeitsbereich wird näher unter die Lupe genommen und zeigt anhand verschiedener Charaktere sowohl typische als auch ungewöhnliche Herausforderungen im Berufsalltag.
Auch das ausgeprägte Hierarchiedenken in japanischen Unternehmen und die typische Rollenverteilung zwischen dem untergebenen Kôhai und dem berufserfahrenen Senpai wird verdeutlicht. Nun kann ich mir auch vorstellen, wie der Arbeitsalltag meiner Muter aussah, als sie eine Zeit lang beim Bodenpersonal der Cathay Pacific Airline arbeitete. Inwieweit die Serie die Realität widerspiegelt, kann ich schwer beurteilen, doch den nächsten Flug werde ich sicher anders – vielleicht bewusster – erleben als zuvor. 
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Abendprogramm auf japanisch

Mit dem Fire TV-Gerät tun sich ständig neue Nutzungsmöglichkeiten auf: erst das Videoangebot von Amazon Prime, dann die Apps für TV Mediatheken. Mein neuester Fund sind japanische Serien, ‚Dorama’ genannt, die ich von YouTube mittels Airplay auf den Fernseher übertragen kann. 
Wenn ich schon nie die Gelegenheit hatte, längere Zeit in Japan zu leben, kann ich wenigstens auf die Weise in das Office- und Freizeitleben dort hineinschnuppern und sehen, was die Japaner in ihrem Alltag so beschäftigt. Zwei in Japan sehr erfolgreiche Serien haben mir besonders gut gefallen. 
Fangen wir mit der tragischen an: „A beautiful life“ aus dem Jahr 2000, die damals in Japan eine Einschaltquote von knapp 38 % erreichte, erzählt von der Bibliothekarin Kyoko im Rollstuhl, die sich in den Haarstylisten Shuji verliebt. Man könnte die Handlung als rührselige Romanze abtun, aber mich hat sie sehr berührt, weil sie auf sensible und vielschichtige Weise vermittelt, was ein Handicap für eine Beziehung bedeuten kann. Die Chemie zwischen den glänzenden Hauptdarstellern Takuya Kimura und Takako Tokiwa stimmt perfekt. Ihre Liebe wird durch banale praktische Aspekte im Alltag und die Sorgen um eine gemeinsame Zukunft auf die Probe gestellt. Kyokos konservatives Elternhaus steht im starken Kontrast zur jungen hippen Szene, in der Shuji verkehrt. 
Weitaus heiterer ist die Serie „Long Vacation“, die in Tokio spielt – vor allem wegen der schrägen Darstellerin Tomoko Yamaguchi. Sie schlüpft in die Rolle der 31-jährigen Minami, die von ihrem Bräutigam kurz vor der Hochzeitszeremonie sitzen gelassen wurde. Auf der Suche nach einer Bleibe nistet sie sich bei dessen ehemaligem Zimmergenossen Sena ein. Die temperamentvolle Minami, die kein Blatt vor den Mund nimmt, und der introvertierte Möchte-Gern-Pianist Sena bilden ein explosives Gespann, dass mitunter die Fetzen fliegen. Die Story rutscht dabei nie ins Seichte ab und hat besonders dann ihre Momente, wenn die Protagonisten versuchen, Enttäuschungen zu verarbeiten, sich von Konventionen und Abhängigkeiten zu befreien, um ihre wahren Lebensträume zu verfolgen.
Das 4:3 Format wirft einen zwar technologisch zurück, doch die Qualität ist erstaunlich gut. Japanisch-Kenntnisse sind nicht unbedingt erforderlich, denn die Serien sind mit englischen Untertiteln versehen. 
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In den Klauen der bulgarischen Mafia

Spannende Krimis ohne blutrünstige Szenen sind immer schwerer zu finden. Auch die kürzlich entdeckte Serie „Undercover“ kommt nicht ohne Gewalt und Brutalität aus, doch sie beschränkt sich auf wenige (dafür allerdings umso heftigere) Szenen und sorgt mit viel subtileren Mitteln für Nervenkitzel. Es handelt sich weder um eine amerikanische noch eine skandinavische, sondern – man staune – eine bulgarische Produktion. Sie wurde ursprünglich für den kleinen staatlichen bulgarischen Sender BNT geschrieben und realisiert und ist mittlerweile in rund 120 Ländern zu sehen.
‚Undercover’ arbeitet Martin, der in einem Heim für schwererziehbare Kinder aufwuchs und Boxer wurde. Von seinem Mentor und Polizeikommissar Popov wird er als Agent in die bulgarische Mafia eingeschleust, um Beweismaterial gegen den mächtigen Drahtzieher Djaro zu sammeln. Dass es hierbei auch um eine persönliche Abrechnung geht, macht das Feuerzeug deutlich, mit dem Popov ständig rumhantiert. 
Durch seine Intelligenz und Waghalsigkeit gelingt es Martin, alle Bewährungsproben zu bestehen und die Anerkennung Djaros zu gewinnen. Eine falsche Mimik oder Gestik kann für Martin fatal enden und ihn auffliegen lassen. Während ich in anderen Serien vergeblich darauf warte, dass die Handlung in Schwung kommt, erlebe ich ‚Undercover’ in einem Zustand permanenter und fast unerträglicher Anspannung, als wäre ich selbst der Willkür des menschenverachtenden Mafiabosses ausgeliefert. Wie kann man jemandem wie ihm das Handwerk legen? Was erschwerend hinzukommt: Martin ist nicht der einzige, der Undercover arbeitet. Seine ohnehin riskante Mission wird durch einen Maulwurf auf der Gegenseite sabotiert. 
Die rasante Machart, die auf überflüssige Nebenhandlungen und ausschweifende Dialoge verzichtet, die komplexe Figurenzeichnung und Sofia als hipper und moderner Schauplatz machen die Serie zu einem besonderen Leckerbissen. 
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In den Hügeln von Hollywood

Der bekannte Krimiautor Michael Connelly ließ sich von dem holländischen Maler Hieronymus Bosch inspirieren, als er einen Namen für seine Romanfigur suchte. „Bosch“ – so heißt auch die Krimiserie, die nach Connellys Literaturvorlage entstand. Der Autor hat selbst als Polizeireporter gearbeitet und war an der Entwicklung der Serie beteiligt.
Ich frage mich, warum Ermittler immer eine düstere Vergangenheit haben müssen. Ich denke da nur an die fast psychopathische Kommissarin in der Serie „Belfast“ oder den cholerischen Kriminalbeamten in der isländischen Serie „Lava“. Kann zur Abwechslung nicht mal ein Cop aus einem glücklichen Elternhaus mit unbeschwerter Kindheit Fälle lösen?
Auch Bosch, Detective in der Hollywood-Division vom LAPD, ist alles andere als eine Frohnatur. Er hat allerdings auch wenig Grund zum Lachen: Er muss sich vor Gericht verantworten, nachdem er einen mutmaßlichen Serienmörder erschossen hat. Mit diesem heiklen Fall stimmt die Serie bereits auf den Grundtenor ein: Wieweit darf sich ein Ermittler über Regeln hinwegsetzen, um einen Schwerverbrecher hinter Gittern zu bringen? Zum Beispiel jemanden, der in den Hügeln um Hollywood eine Kinderleiche vergraben hat. 
Weitere Pluspunkte sind das gutdosierte Tempo und prägnante Dialoge. Nach „Deutschland 83“ und „Belfast“, bei denen ich das Gefühl hatte, ein Drittel hätte man locker straffen können, tut „Bosch“, in der keine Bemerkung zu viel ist, richtig gut. Hinzu kommen Kameraeinstellungen mit fast künstlerischem Anspruch. Wenn Bosch beispielsweise an der Glasfront seines Appartments steht mit fantastischer Aussicht auf das nächtliche Los Angeles, spricht sein Blick Bände: Er ist ein getriebener Workaholic, der sich Gerechtigkeit auf die Fahne geschrieben hat. Er liefert sich ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel mit dem Mörder, dessen Kaltblütigkeit und kranke Psyche einem einen Schauer über den Rücken jagt. 
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Dreidimensionaler Kunstgenuss

Es gibt viele Möglichkeiten, sich mit einem bedeutenden Gemälde auseinanderzusetzen. Man kann es sich live im Museum ansehen, eine Biografie über den Künstler lesen, in einem Bildband schmökern oder sich im Internet informieren. Eine Variante, die mir besonders gut gefällt, bietet das Fernsehprogramm arte mit Sendungen wie „Hundert Meisterwerke“.
In knapp 30 Minuten wir die Geschichte eines herausragenden Werks der Kunstgeschichte erzählt, zum Beispiel „Ein buntes Leben“ von Wassily Kandinsky. Zunächst wird man in die Zeit der Entstehung hineinversetzt. Archivmaterial kombiniert mit dreidimensionalen Animationen zeigen die historischen Hintergründe, wichtige Ereignisse sowie Sitten und Bräuche dieser Zeit. Dann wird ein Bogen zum Künstler und seinem Werk gespannt. 
Mich faszinieren vor allem die visuellen Techniken, die bei der detaillierten Bildanalyse zum Einsatz kommen. Bestimmte Partien werden ausgeblendet oder herangezoomt, das Bild in mehrere Teile zerlegt, um die Komposition oder Proportionen zu erläutern oder vergleichbare Werke gegenübergestellt. So aufmerksam wie in dieser Sendung sehe ich mir ein Bild im Museum normalerweise nicht an. Da lasse ich es eher als Ganzes auf mich wirken. 
Auf die Weise wurde ich beispielsweise auf die wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen aufmerksam gemacht, die sich hinter der scheinbar heiteren idylle des Bildes „Die Badenden in Asnières“ von Georges Seurat verbergen. Und ich erfuhr,  wie viele langwierige Diskussionen und Staatkosten investiert wurden, damit Elisabeth Vigée-Lebrun im Jahr 1787 das Porträt „Marie Antoinette mit ihren Kindern“ fertigstellen konnte – mit dem alleinigen Ziel die umstrittene Königin als liebende Mutter zu inszenieren und ihr Image beim Volk zu verbessern. Ich hoffe, dass in dieser Reihe noch viele weitere Meisterwerke folgen werden.  
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Es begann in Montmartre

Was ich zurzeit weitaus mehr nutze als das Videoangebot von Amazon Prime ist das Fernsehprogramm von arte. Dank dem Kindle TV kann ich bequem in der App surfen und finde besonders im Genre ‚Film und Kunst’ jede Menge interessanter Dokumentationen, die man sich zudem in der Originalversion ansehen kann. Dazu zählt zum Beispiel „Les Aventuriers de l’Art Moderne“. Die sechsteilige Dokureihe erzählt die Geschichte der Künstler und Intellektuellen von den Anfängen der modernen Kunst bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts zieht es Maler, Dichter und Literaten in die Künstlermetropole Paris, darunter Max Jacob, ein mittelloser Dichter. Beim Kunsthändler Ambroise Vollard stößt er auf Arbeiten eines noch unbekannten Pablo Picasso und ist fasziniert. Die beiden freunden sich an und lassen sich mit dem Dichter Apollinaire im Bateau-Lavoir, einer ehemaligen Klavier-Manufaktur, nieder.
Die Machart der Dokumentation gefällt mir besonders gut. Authentisches Archivmaterial wird durch fantasievolle Illustrationen, Spielszenen und Animationen ergänzt. Man fühlt sich in die damalige Zeit zurückversetzt und erlebt die Geburtsstunde des Fauvismus, des Kubismus und des Dadaismus mit. Man erfährt, auf welche Weise sich die Maler und Literaten wie Chagall, Modigliani, Aragon und Breton gegenseitig beeinflussten. In den je 50-minütigen Folgen wird vor den Augen des Zuschauers die Welt des Pariser Kunstlebens entfaltet, von der beflügelnden Zeit in Montmartre bis zu den zerstörerischen Folgen des Ersten und Zweiten Weltkrieges.
Als nächstes steht für mich die vierteilige Reihe "Epochen der Musikgeschichte" auf dem Programm.
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Lesen, streamen, bestellen

Nach einem Jahr Amazon Prime Mitgliedschaft kann ich ein erstes Fazit ziehen. Das Film- und Serienangebot, das im Jahresbeitrag von 54 € inbegriffen ist, fällt im Vergleich zu Lovefilm mager aus – hier musste ich deutlich Abstriche machen. Erfreulich ist aber, dass die Auswahl an Serien in der Originalversion merklich zunimmt. Allein durch die Entdeckung der witzigen Krimiserie „Castle“ mit ihren 5 Staffeln, die letztes Jahr noch im Prime inbegriffen waren, hat sich für mich die Flatrate rentiert. Auch bei den Eigenproduktionen wird man fündig. Zurzeit bin ich von der amerikanischen Serie „Bosch“ recht angetan.
In der Leihbücherei tat ich mich zunächst schwer, etwas Interessantes zu finden. Die Empfehlungen von Kindlepost, die jeden Freitag erscheinen, sind ganz hilfreich, um auf nützliche Ratgeber oder Romane von weniger bekannten Autoren zu stoßen.
Bleiben noch die versandkostenfreien Lieferungen zu erwähnen, die sich bei mir auf jeden Fall rechnen. Obwohl mir bewusst ist, dass die Existenz vieler Buchhandlungen auf dem Spiel steht, muss ich gestehen, dass ich von der Bequemlichkeit und den vielfältigen Möglichkeiten, die Amazon nicht nur Käufern, sondern auch Autoren bietet, schwer loskomme. So werde ich wohl meine Mitgliedschaft verlängern.
Hier eine Auswahl an sehens- und lesenswerten Titeln:
Serien:
The Good Wife
The Bletchley Circle
Grace and Frankie
Fleming – The Man who would be Bond
Revenge
Bones
Leihbücherei:
Alex Capus, Fast ein bisschen Frühling
Heike Fröhling, Als Träume fliegen lernten
Tim Leffel, Travel Writing 2.0
Thomas Mangold, Evernote – Mein Life-Management-Tool
Matt Morris, Simplify: 26 Smart Habits of Highly Successful People
Larry Keltto; The Solopreneur Life
Und nicht zu vergessen: „Glückliche Zukunft“, ein Gegenwartsroman, den ich Euch uneingeschränkt empfehlen kann :-)
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Zartbittere Romanze

Wer nach den Feiertagen immer noch nicht genug hat von Süßem (gerade muss ich an die köstlichen Pralinen von Fassbender & Rausch in Berlin denken), kann in dem Film „Die anonymen Romantiker“ (Originaltitel: „Les émotifs anonymes“) weiterschwelgen. Darin geht es um zwei schüchterne Schokoliebhaber, die nach langem Hin und Her endlich zueinander finden.
Angélique, begabteste Pralinen-Designerin in ganz Frankreich, tritt als Vertriebskraft in Jean-Renés Pralinenmanufaktur ein, die vom Bankrott bedroht ist. Die beiden teilen nicht nur ihr Faible für Schokolade, sondern leiden unter Hochempfindsamkeit und sind deswegen in Therapie. Angélique besucht eine Selbsthilfegruppe, während Jean-Pierre durch Einzelsitzungen versucht, seine Schüchternheit zu überwinden. Das verliebte Paar verabredet sich zu romantischen Dates, die jedoch völlig anders verlaufen, als wir es gewohnt sind. Bei einem Abendessen muss der schweißgebadete Jean-René mehrmals sein Hemd wechseln, während Angélique dazu neigt, bei der kleinsten Aufregung mitten im Gespräch in Ohnmacht zu fallen.
Ich wusste bisher wenig über hochsensible Menschen und konnte dank Jean-Pierre Améris Film sehr viel über ihr Leiden erfahren. Sie zeigen extreme Gefühlsreaktionen und sind voller Wünsche, die sie nicht ausleben können. Schon der einfachste soziale Umgang fällt ihnen schwer. Der Regisseur ist selbst betroffen und weiß, wovon er spricht. Während seiner langen Sitzungen bei den Anonymen Hochsensiblen konnte er viele Fakten und Details sammeln, bis er schließlich in der Lage war, einen Film über die Thematik zu drehen. In einem Interview sagte er einmal, dass er das Filmdrehen braucht, um auf Menschen zuzugehen. Das Drehbuch schrieb er mit seinem Co-Autor Philippe Blasband in einer Konditorei in Brüssel.
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Das Weltraumspektakel geht weiter

„Raumschiff Enterprise“ zählt zu den wenigen Science-Fiction-Serien, dir mir aus der Kindheit vertraut sind. „Star Wars“ dagegen ist völlig an mir vorbei gegangen. Seit einigen Wochen bekomme ich den ganzen Hype um die Fortsetzung mit und das einzige, was ich über die Story weiß, ist, dass Figuren mit witzigen Namen wie Luke Skywalker und Obi Wan Kenobi mitspielen.
Als wir in Berlin einige Regenstunden zu überbrücken hatten, wäre ich daher lieber in eine Kunstausstellung gegangen, doch meinem Freund zuliebe entschieden wir uns für "Star Wars: Das Erwachen der Macht“ in 3D. Wenn schon ein Kinobesuch, dann soll es das CineStar IMAX im Sony Center sein mit der größten Leinwand Berlins sein. Ich war neugierig auf den Streifen, der ein Budget von circa 200 Millionen verschlungen, vor dem Start am 17. Dezember aber ein Viertel davon schon wieder eingespielt hat. Ein beträchtlicher Anteil ging sicher an die ‚Visual Effects Artists’, deren Auflistung im Abspann kein Ende nahm.
Zu schade, dass ausgerechnet in dieser Folge besagter Luke Skywalker gar nicht mitspielt, da er als verschollen gilt. Während dessen haben die Bösen – die Erste Ordnung – die Herrschaft an sich gerissen und sind auf der Suche nach dem untergetauchten Jedi-Ritter – genauso wie eine Gruppe von Rebellen, darunter Han Solo, gespielt von einem sehr überzeugenden Harrison Ford. Wie befürchtet, verstand ich viele Anspielungen auf frühere Episoden nicht. Auch die chaotischen Schlachten, Laserschwertduelle und hektischen Jagdszenen sowie der fast ohrenbetäubende Sound waren für mein Gemüt zu anstrengend. Immer wieder war ich versucht, Raumschiffen, die auf mich zurasten, oder Schwertern, die vor meiner Nase hin und her gefuchtelt wurden, auszuweichen. Ein Dozent hatte uns einmal in einem Führungskräfteseminar die Star Wars Filme mehrmals ans Herz gelegt, weil man von ihnen viel über Autorität und Menschenführung lernen könne. Das kann ich nicht unbedingt nachvollziehen. Die Konfrontation zwischen Gut und Böse finde ich sehr plakativ, da fehlen mir die feinen Nuancen.
Wirklich sehenswert fand ich dagegen die phänomenalen Landschaftsbilder, darunter karge Wüsten, glitzernde Gletscher und saftgrüne Wälder. Kaum zu glauben, dass die Drehorte gar nicht so weit weg liegen, nämlich in der Schweiz oder in Italien. Wer sie näher erkunden möchte, kann bei spezialisierten Reiseveranstaltern Star Wars Reisetouren buchen. Nun würde ich zu gern einen wahren Fan befragen, ob seine Erwartungen an die Fortsetzung der Weltraumsaga erfüllt wurden.
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Schleichender Freiheitsverlust

Nach „Borgen“ gibt es nun wieder eine skandinavische Serie, in der politische und journalistische Ambitionen eine zentrale Rolle spielen. „Occupied“ basiert auf einer Idee des Thriller-Autors Jo Nesbo, und zeigt uns ein beängstigendes Zukunftsszenario: Jesper Berg setzt auf das Mineral Thorium, um die norwegische Öl- und Gasförderung einzustellen und den Energiemarkt umzukrempeln. Sein ökologisches Programm stößt auf viel Zuspruch – er wird zum Premierminister gewählt. Kurz darauf wird er jedoch von russischen Spezialeinheiten entführt und gezwungen, seinen Kurs radikal zu ändern. Dabei wird er von dem Journalisten Thomas Eriksen beobachtet, der eine Sensationsstory wittert.
Unter dem Druck Russlands und der EU, die von Norwegens Gas- und Ölproduktion abhängig sind, kündigt Berg überraschend an, dass die Förderung von Öl und Gas wieder auf das ursprüngliche Niveau hochgefahren wird. Die Partei und Bevölkerung fühlen sich verraten. Sie ahnen ja nicht, dass Berg keine andere Wahl hat, wenn er einen Krieg vermeiden will.
Spannend an dieser Serie ist vor allem zu beobachten, welche Auswirkung die schleichende Invasion auf die einzelnen Figuren hat. Die Gastronomin Bente hat kein Problem damit, solange sie durch die spendablen Russen ihr Restaurant vor dem Bankrott retten kann. Ihr Freund Thomas erhofft sich als Journalist einen Karrieresprung, der Bodyguard des Premierministers wird Vertrauter der Russen und steigt zum leitenden Ermittler auf. Bei allen anderen wächst die Angst davor, ihre politischen und gesellschaftlichen Rechte zu verlieren. Eine temporeiche und vielschichtige Serie, die bis letzten Donnerstag auf arte ausgestrahlt wurde.
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Die Geschichte der Goldenen Statue

Es gibt wohl kaum einen Anlass, bei dem so viele Freudentränen vergossen und so lange Dankesreden gehalten werden wie bei der alljährlichen Oscarverleihung. Einen interessanten Einblick in die Geschichte des begehrten Filmpreises gibt der Dokumentarfilm „And the Oscar goes to“.
Das erste Mal wurde der Satz „The winner is ... „ am 26. Mai 1929 im Roosevelt Hotel ausgesprochen, als der deutsche Schauspieler und Weltstar Emil Jannings den ‚Academy Award of Merit’ erhielt. Douglas Fairbanks wickelte die Verleihung in der Rekordzeit von vier Minuten und 22 Sekunden ab – heute undenkbar!
Man erfährt, wie Hollywood-Insider wie Tom Hanks, Whoopi Goldberg oder George Clooney die Entwicklung der Oscarverleihung erlebt haben. Auch ein dunkles Kapitel in der McCarthy-Zeit bleibt nicht unerwähnt: als „kommunistisch" gebrandmarkte Schauspieler und Regisseure standen auf schwarzen Listen und durften keinen Oscar gewinnen.
Besonders interessant fand ich das Interview mit Helen Mirren, die den Oscar als beste Darstellerin für die Rolle der Queen gewann. Sie sagt, es sei ein komisches Gefühl, in einem maßgeschneiderten wunderschönen Kleid im Publikum zu sitzen, umgeben von Menschen mit völlig gegensätzlichen Haltungen – arrogant und stolz die einen, unsicher und demütig die anderen. Wie im Slow Motion erlebe man die Öffnung des Umschlages und die Nennung des Gewinners. Wie muss es da der Filmcrew von „Die Farbe Lila“ ergangen sein? In 11 Kategorien war der Film von Steven Spielberg nominiert und ging völlig leer aus.
Auch wenn man über Sinn und Unsinn der Oscarverleihung streiten kann, so macht sie einem doch bewusst, wie viele verschiedenen Elemente wie Sound, Maskenbild, Technik, Kostümdesign, Regie etc. aufeinander abzustimmen sind, um ein Gesamtkunstwerk zu schaffen.
Ich erinnere mich, wie ich bei einer Oscarnacht besonders mitgefiebert habe: Es war 1986, als „Jenseits von Afrika“ von Sydney Pollack für 11 Oscars nominiert wurde und 7 davon gewann.
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Verhängnisvolle Begegnung

Meine Eltern waren ziemliche Filmfreaks und das hat sicher auf mich abgefärbt. Während bei meinen Freunden der Fernsehkonsum deutlich eingeschränkt war, zeigten sich meine Eltern in der Hinsicht sehr großzügig. Schon als Kind ließen sie mich einen Hollywood-Klassiker nach dem anderen mit ihnen ansehen, vielleicht in der Annahme, dass der eine oder andere Film durchaus pädagogisch wertvoll sein könnte.
Wenn ich meine Mutter besuche, kramen wir auch heute noch hin und wieder ein paar alte Schinken aus und bewundern die großen Leinwandstars wie Gregory Peck, James Stewart und Ingrid Bergmann. Zuletzt haben wir in der Tragödie „Waterloo Bridge“ von Mervyn LeRoy mit Robert Taylor und Vivien Leigh mitgelitten. Er handelt von dem britischen Offizier Roy Cronin und der Balletttänzerin Myra Lester. Sie begegnen sich bei einem Bombenangriff während des Ersten Weltkrieges und verlieben sich ineinander. Als Roy unerwartet abgezogen wird und Myra seinetwegen eine Vorstellung verpasst und ihren Job verliert, beginnt ihr sozialer Abstieg. 
Obwohl nicht alle Details der Geschichte glaubwürdig erscheinen, finde ich die Mischung der großen Themen des Lebens gelungen. Es geht um die große Liebe, eine Begegnung, die das Leben komplett umkrempeln kann, Klassenunterschiede und die Wahl zwischen einem sicheren Job und der Mut zur Selbstständigkeit. Ein Film, der auch heute noch starke Emotionen hervorruft und mit seinen düsteren Bildern von London lange nachwirkt.
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Wer nicht hört, muss fühlen

Als pädagogisch äußerst bedenklich ist die Serie "Lillyhammer" zu betrachten, die auf Netflix zu sehen ist. Sie handelt von Frank Tagliano, einem ehemaligen New Yorker Mafiosi, der im Rahmen des Zeugenschutzprogramms ausgerechnet im beschaulichen Lillehammer ein neues Leben anfangen will. Mit dem neuen Namen Giovanni Hendriksen und seinen neu gewonnenen Freunden gründet er die Bar Flamingo, die sich bald zum beliebtesten Hotspot entwickelt. Sowohl beruflich als auch privat stößt er immer wieder auf Hürden, die ihm gar nicht in den Kram passen, doch nach dem Motto "Eine Hand wäscht die andere" bekommt Giovanni immer seinen Willen – wenn nicht legal dann eben illegal. Gäbe es ein Handbuch für seine typische Vorgehensweise, hätte es den Titel "Wer nicht hört, muss fühlen".
Und trotzdem hat man ihn als Zuschauer einfach gern, diesen Giovanni, der trotz seiner fragwürdigen Moral viel Herz hat, genauso wie sein Freund Torgeir, den er zum Geschäftsführer von Flamingo ernennt. Leider kann sich Giovanni auch in der zweiten Staffel nicht voll und ganz seinen neuen Aufgaben widmen, denn seine Vergangenheit holt ihn immer wieder ein und sorgt für witzige und spannende Szenen in Manhattan. Hut ab vor dem Casting Team. So viele skurrile, teilweise hässliche und abgefahrene Charaktere in geballter Form habe ich selten erlebt. Ich habe ein wenig gebraucht, um mit der Serie warmzuwerden, doch mittlerweile bin ich von den exzellenten Darstellern, dem subtilen Humor und den tollen Landschaftsaufnahmen begeistert.
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Memory Detectives

Ähnlich wie in „Die Unfassbaren“ geht es auch in dem Film „Mindscape“ um Täuschung und Manipulation von Gedanken. Diesmal wird diese Fähigkeit jedoch nicht gegen die Polizei, sondern zur Aufklärung eines Mordfalls genutzt. John Washington spielt in diesem Thriller, der in Madrid gedreht wurde, einen sogenannten „Memory Detective“, der sich in die Erinnerung eines Menschen einklinken kann. In seinem aktuellen Auftrag soll er herausfinden, ob die 16-jährige Anna, die aus einer sehr vermögenden Familie stammt und in den Hungerstreik getreten ist, Opfer oder Täter in einem Mordfall ist.
Als John in Annas Gedankenwelt eindringt, kommen immer mehr Details aus Annas Vergangenheit ans Licht, die den Verdacht nicht nur auf Anna, sondern auch auf Menschen in ihrem nahen Umfeld lenken. Auch Johns eigene Ermittlungen werfen immer mehr Rätsel auf. Die Mindscape-Sitzungen und die Dialoge zwischen dem gebrochenen Kriminalpsychologen, der seine Frau verloren hat, und der hochintelligenten Anna  sind spannend inszeniert. Bald ist man sich allerdings nicht mehr sicher, wer die Fäden in der Hand hält. Das Ende hält eine überraschende Wende bereit, wirkt allerdings ein wenig überstürzt. 
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Gezielte Ablenkung

Vielleicht haben die vier Zauberer, die sich „Four Horsemen“ nennen, Harry Houdini einiges abgeguckt, als sie ihre Entfesselungs- und Täuschungsnummern einstudierten. In dem Film „Die Unfassbaren – Now you see me“ von Louis Leterrier lösen sie auf ihren Tourneen durch Chicago, New York und Paris jedenfalls mindestens so viel Begeisterung aus wie einst der Entfesselungsmeister. Dabei ist die Magie oft nichts anderes als gezielte Ablenkung.
In Las Vegas lässt das Quartett nicht nur Tiere und Menschen verschwinden, sondern raubt sogar vor den Augen des Publikums eine Bank aus – zumindest glaubt man als Zuschauer, es mit eigenen Augen gesehen zu haben. Das ruft FBI-Agent Dylan und eine Interpol-Beamtin auf den Plan. Gemeinsam begeben sie sich auf die Jagd nach den vier Reitern, die anscheinend nicht in Eigenregie handeln.
An rasanten Verfolgungsjagden, Glitzer und Lichteffekten mangelt es dem Film nicht – auch nicht an namhaften Stars wie Morgan Freeman, Michael Caine und Mark Ruffalo. Immer wieder erliegt man nicht nur den Täuschungen der Zauberer, sondern auch des Drehbuchautors, der falsche Fährten legt. Auch wenn einiges in der Handlung nicht schlüssig oder glaubwürdig erscheint, wird man von den spektakulären Tricks und Bildern glänzend unterhalten – wie in einer wahren Bühnenshow.
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Dreistigkeit siegt

In letzter Zeit stoße ich gehäuft auf Bücher und Filme, in denen es um Täuschung geht. Einer von ihnen ist der deutsche Thriller „Who am I – Kein System ist sicher“. Ein junger Mann namens Benjamin hat seit seiner Kindheit nur einen Wunsch: von seinen Mitmenschen wahrgenommen zu werden. Ein Held zu sein. So weit klingt die Handlung des Films  nicht außergewöhnlich.
Erst als Benjamin die Bekanntschaft mit Max, einem typischen Gewinnertypen, macht,  verändert sich sein Leben grundlegend, denn dieser schenkt ihm die lang ersehnte Beachtung. Nicht ganz uneigennützig, denn Max ist äußerst interessiert an Benjamins Fähigkeiten als Computer-Hacker.
Nach dem Motto „Dreistigkeit siegt“ bringt er dem schüchternen Typen bei, sich in dieser Welt Gehör zu verschaffen. Mit zwei weiteren Freunden gründen sie die Gruppe CLAY, sabotieren eine Veranstaltung von Neonazis und mischen als Spaßhacker die Konzerne auf. Das Gefühl der Macht und die Gier nach Anerkennung werden von den vier Figuren überzeugend vermittelt. Max hat allerdings Größeres vor: Er will sein großes Vorbild im Darknet MRX mit seinen Taten beeindrucken.
Der Film zeigt, dass Hacker selten wegen technischer Sicherheitslücken, sondern vielmehr durch menschliche Ignoranz und Nachlässigkeit in Systeme kommen. So sucht das Quartett im Müll nach Notizen und Korrespondenz von Mitarbeitern, die ihnen Zugang zu den vermeintlich sichersten Organisationen wie dem BND verschaffen. Sehr gelungen fand ich, wie die Kommunikation in den Internetforen visualisiert wird. Die virtuellen Gespräche in den U-Bahn-Wägen und die düsteren Bilder Berlins unterstreichen die bedrohliche Stimmung des wendungsreichen Thrillers.
Heute las ich in einer technischen Fachzeitschrift, dass Hackerangriffe und Cyber-Spionage die Menschen in Deutschland eher kalt lässt. Der Sicherheitsreport 2015 ergab, dass sich die Bürger kaum Sorgen über Cyber-Risiken machen. Die Allensbacher Meinungsforscher vermuten, dass Gewöhnungseffekte und das Empfinden, persönlich nicht betroffen zu sein, dahinter stecken. 
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Spätes Coming-out

Dieses Wochenende wird's wieder bunt in München. Unter dem Motto "Familie ist, was wir draus machen", zieht ab 12 Uhr die CSD-Politparade durch die Innenstadt. Anschließend gibt's ein großes Open-Air-Straßenfest rund um den Marienplatz.
Da muss ich gleich an eine amerikanische Serie denken, die ich neulich auf Netflix gesehen habe. "Grace und  Frankie", ist leider gar nicht zum Feiern zumute. Ihre Ehemänner haben sich nicht etwa eine jüngere Geliebte zugelegt, sondern sind ineinander verliebt und wollen heiraten. Zwanzig Jahre haben Robert und Sol, die gemeinsam eine Anwaltskanzlei führen, ihre Beziehung geheim gehalten. 
Die entsetzten Ehefrauen, beide über 70, ziehen gezwungenermaßen in das gemeinsame Strandhaus. Die einstigen Rivalinnen teilen nun das gleiche Schicksal und raufen sich zusammen, um mit der neuen Situation klarzukommen. Ihr völlig unterschiedlicher Lebensstil macht das Zusammenleben nicht einfach und sorgt für viel Komik. Wenn ich die beiden Figuren so vergleiche – Grace, die ihrer Tochter ein erfolgreiches Kosmetikunternehmen vererbt, sich privat jedoch nur über ihre Ehe definiert hat, und die leicht esoterisch angehauchte Frankie, die gern philosophiert und sich in ihrem Malatelier austobt – bietet Letztere für mich mehr Identifikationspozenzial. Am besten gefällt mir Frankies trockener Humor. 
Man sieht den Schauspielerinnen Jane Fonda und Lily Tomlin an, wie viel Spaß sie in dieser Serie haben. Da soll noch einer behaupten, ältere Darstellerinnen würden keine interessanten Rollen mehr bekommen. Und dass Martin Sheen, den ich zuletzt in der Rolle des amerikanischen Präsidenten in der Serie "West Wing" gesehen habe, einen schwulen Ehemann mimen würde, hätte ich nicht erwartet.
 
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Alles im Griff

Mindestens soviel Grund zur Verzweiflung wie die bekannten "Desperate Housewives" haben die "House Husbands" in der gleichnamigen australischen Serie, die auf Netflix zu sehen ist. Sie handelt von vier gestressten Vätern, die sich um ihre fünfjährigen Kinder kümmern und sich als Hausmann durch den Alltag schlagen. 
Die Serie lebt vor allem davon, wie unterschiedlich die Charaktere sind. Jeder hat seine Schwächen und Macken, doch wenn es hart auf hart kommt, halten sie zusammen und helfen einnander, was irgendwie rührend ist. Am witzigsten ist Lewis, der sich einerseits gern aufspielt und ganz schön auf die Nerven gehen kann, andererseits die Truppe zusammenhält, wenn alles den Bach runterzugehen droht. Schmunzeln muss man auch über seine Ehefrau, eine gestresste Krankenschwester, die mit dem größten Chaos zu Hause fertig werden muss und doch in jeder Lebenslage ihren trockenen Humor behält. Mark nimmt ausgerechnet einen Teilzeitjob in einer Werbeagentur an und erfährt täglich aufs Neue, was es heißt, zwischen anspruchsvollem Beruf, Kind und Haushalt zu jonglieren. Währenddessen kämpft Footballer Justin nach der Trennung von seiner Frau um das Sorgerecht für seine drei Kinder.
Erstaunlich, wie stark die Eltern in Australien in schulische Aktivitäten eingebunden werden, sei es Geldspenden für eine guten Zweck sammeln, Sportwettbewerbe oder Vorträge über ihren Beruf. Entsprechend sind die House Husbands ziemlich gefordert. Mit jeder Folge gewinnen die Figuren an Tiefe und haben sich wiederholt einer neuen Wende im Leben zu stellen. Ich bin gespannt, wie der ganz normale Alltagswahnsinn des Männerquartetts in der dritten Staffel weitergeht.
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Der Schöpfer von 007

Aktuell laufen die Dreharbeiten für den 24. Bond-Film "Spectre", der Ende des Jahres in die Kinos kommen soll. Könnte dies der letzte Bondfilm mit Daniel Craig sein? Es kursiert das Gerücht, dass Ex-Homeland-Star Damian Lewis sein Nachfolger werden könnte. Der letzte Bond-Film "Skyfall", den ich mir sogar im Kino ansah, hat mich ziemlich enttäuscht. Seitdem sich Sean Connery und Roger Moore von der Rolle verabschiedet haben, kann ich der 007-Serie nichts mehr abgewinnen. Großen Respekt dagegen habe ich vor jenem Mann, der die erfolgreiche 007-Serie ins Leben gerufen hat und  in der Mini-Serie "Fleming – The man who would be Bond" porträtiert wird.
Der relativ unbekannte Darsteller Dominic Cooper spielt den Dandy und Frauenhelden Ian Fleming sehr überzeugend. Er ist erfolgloser Aktienhändler, lebt auf Kosten seiner reichen Familie und steht stets im Schatten seines Bruders und berühmten Reiseschriftstellers Peter Fleming. Ians vergnügungssüchtiges Leben findet ein jähes Ende, als er gezwungen wird, dem Marinegeheimdienst beizutreten. Ab 1943 führt er mit der speziell ausgebildeten Einheit der Royal Marines, dem No. 30 Commando, gefährliche Missionen gegen die Nazis durch. Seine Erfahrungen liefern ihm jede Menge Inspirationen und Stoff für seine Geschichten.
In den letzten Kriegsjahren verbrachte Fleming einige Zeit auf Jamaika bei Ocho Rios, wo er ein Strandhaus bauen ließ und es "Goldeneye" taufte. Dort verfasste er einen Großteil der zwölf Bond-Romane. Fleming war begeistert von der zauberhaften und blütenreichen Landschaft Jamaikas. Die Strände von Ocho Rios, die Küstenstraße bei Montego Bay oder die Reach Wasserfälle kann man beispielsweise in "Dr. No" und "Leben und sterben lassen" bewundern.
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Im Haus der Träume

Historische Serien wie „Luther“, „Sherlock“ und „Downton Abbey“ erfreuen sich großer Beliebtheit. Eine BBC-Produktion, die uns erneut ins Viktorianische Zeitalter versetzt, ist „The Paradise – Haus der Träume“. Sie erzählt die Geschichte von Großbritanniens erstem Kaufhaus und basiert auf dem Roman „Au Bonheur des Dames“ von Emile Zola. Gedreht wurde sie im Lambton Castle, einem Schloss in Durnham im Nordosten Englands, das seit 2011 gern für Hochzeiten und Konferenzen gemietet wird. 
Anfangs erschien mir die Serie wie ein fader Abklatsch von „Mr. Selfridge“. John Moray, Witwer und Besitzer des Kaufhauses, ist die britische Version von Harry Selfridge, zeigt aber lange nicht so viel Charisma, Esprit und Ideenreichtum wie der amerikanische Kaufhausmogul. Interessanter sind da schon die Angestellten wie die frisch eingestellte Verkäuferin Denise Lovett, die mit ihren Marketingideen Schwung in die Damenabteilung bringt, und ihre intrigierenden Kontrahentinnen. Im starken Kontrast zu dem strebsamen Personal stehen die reichen Adligen, die von Katherine Glendenning, Morays Verlobte, treffend verkörpert werden. Ihr Lebensinhalt besteht hauptsächlich darin, sich mit Luxusgütern einzudecken und Männerherzen zu erobern.
Auch die Besitzer der kleinen Geschäfte in der High Street, die ihre handwerklichen Qualitäten anpreisen und ums Überleben kämpfen, lassen einen nicht kalt. Ihre Probleme sind auch heute noch aktuell, nur hat sich dem Wettbewerb zwischen Fachgeschäften, Kaufhäusern und Einkaufstempeln auch noch der Onlinehandel dazugesellt.
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Gewagter Psycho-Poker

Falls Ihr demnächst eine Reise nach Südafrika oder Indien plant, solltet Ihr Euch nicht unbedingt die Mini-TV-Serie „Der Jäger – Geld oder Leben“ ansehen. Alle anderen könnten aber Gefallen finden an dem spannenden Krimi, der kürzlich auf arte ausgestrahlt wurde. 
Die Hauptfigur Dominic King arbeitet bei der Sicherheitsfirma „Kidnap & Ransom“. Sein Job besteht darin, ohne Einschaltung der Polizei mit Entführern zu verhandeln, das Lösegeld auszuliefern und die Geiseln heil nach Hause zu bringen. Ein gewöhnlicher Fall wäre sicher in einer 45-minütigen Folge abgehandelt, doch hier ist die Handlung weitaus komplexer und erstreckt sich über je drei Folgen.
Im ersten Entführungsfall wird eine britische Botanikerin in der Kap-Region entführt. Es gelingt Dominic, sie zu befreien, doch erst da beginnt die eigentliche Handlung und man erfährt, worauf es die Entführer in Wirklichkeit abgesehen haben. Der zweite Auftrag führt den Unterhändler nach Kaschmir in die Stadt Srinagar, wo gleich ein ganzer Reisebus gekapert wird. Was die Entführer nicht wissen und ihrer Tat große Brisanz verleiht: Es befindet sich hohe Prominenz an Bord.
In Dominics Haut möchte man weiß Gott nicht stecken. Jedes noch so kurze Telefonat mit den Kidnappern entscheidet über Leben und Tod der Geiseln. Die Verhandlungen und seine riskante Vorgehensweise sind schon nervenaufreibend genug, doch die Spannung wird durch unerwartete Wendungen und Komplikationen nochmals gesteigert. Oft trügt der Schein und es steckt weitaus mehr dahinter als eine simple Geldforderung. Gut integriert in die Handlung sind die malerischen exotischen Schauplätze. Nach „Broadchurch“ wieder eine anspruchsvolle britische Serie, die mich beeindruckt hat.
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Zerbrechlicher Mikrokosmos

Wir befinden uns in Broadchurch, einer fiktiven Kleinstadt an der Südküste Englands. Ein Klempner und Familienvater radelt zur Arbeit und scheint jeden im Dorf zu kennen. Gut gelaunt wirft er Nachbarn und Ladenbesitzern einen freundlichen Gruß zu. So familiär kann das Leben in einer Kleinstadt sein.
Doch was passiert, wenn der elfjährige Sohn desselben tot aufgefunden wird? Vorbei ist es mit der scheinbaren  Idylle. Vertrauen unter den Bewohnern schlägt in Misstrauen und Gewaltbereitschaft um, zumal im Laufe der Ermittlungen immer Menschen für die Tat in Frage kommen.
Die britische Miniserie „Broadchurch“ fängt etwas schleppend an und zieht das Drama, das der Tod des kleinen Jungen in der Familie auslöst, in die Länge. Doch später begreift man, dass dies Teil der Dramaturgie ist. Die Serie folgt nicht dem Schema F eines Krimis, der mit einem Verbrechen beginnt und mit der Verhaftung des Täters endet. Der Fall ist nur der Auslöser für den Zusammenbruch einer vermeintlich harmonischen Dorfgemeinschaft. Immer mehr dunkle Geheimnisse einzelner Dorfbewohner werden enthüllt und lässt sie nicht gerade in einem guten Licht dastehen. Dies geschieht zunächst weniger durch geschickte Polizeiarbeit, sondern vielmehr durch den Ehrgeiz zweier Journalisten, die eine heiße Story wittern.
Zu den Verdächtigen zählt auch der Pfarrer, dessen Predigten über Nächstenliebe und Zusammenhalt einen krassen Gegensatz bilden zu dem, was sich in der Realität abspielt. Mit der Solidarität ist es nicht weit her, sobald die eigene Sicherheit bedroht wird. So bekommen die Bewohner von Broadchurch zu spüren, was es heißt, wenn sich alle gegen einen verschwören.
Neben den vielschichtigen Figuren trägt auch der Schauplatz rund um die schroffen Felsen zur düsteren Atmosphäre dieser brilliant erzählten Geschichte bei und wird immer wieder künstlerisch in Szene gesetzt. Kein Wunder, dass die Serie in England mit einer Einschaltquote von mehr als dreißig Prozent ein großer Erfolg war.
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Schräger Gangsterstreifen

Neulich beim Aufräumen fiel mir die DVD „Two Hands“ mit Heath Ledger in die Hände. An die Handlung konnte ich mich nur dunkel erinnern, aber ich wusste, dass mich der Film total begeistert hatte. Aus Neugier sah ich ihn mir vor ein paar Tagen noch einmal an und verstand warum.
Die Story ist schnell erzählt. Jimmy, gespielt vom jungen Heath Ledger, arbeitet als Türsteher einer Strip-Bar im Viertel Kings Cross von Sydney. Stets knapp bei Kasse nimmt er einen Auftrag von einem Gangsterboss als Geldkurier an. Das geht jedoch gehörig in die Hose und Jimmy muss einen Weg finden, das verlorene Geld wieder aufzutreiben. Dafür schreckt er auch vor einem Bankraub nicht zurück – der witzigste Banküberfall, den ich je in der Filmgeschichte gesehen habe!
Die Gaunerkomödie weicht völlig vom Mainstream-Kino ab und amüsiert durch seinen rabenschwarzen Humor und schräge Figuren. Auf komisch-tragische Weise erleiden wir mit Jimmy eine Pechsträhne nach der anderen. Trost findet er nur in einer Romanze mit der süßen Rosalie alias Rose Byrne, die sich in der Serie „Damages“ zu einer toughen Anwältin gemausert hat.
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Wie Shopping zum Erlebnis wurde

Kaufhäuser können heutzutage keinen mehr vor dem Ofen hervorlocken. Wie anders war das doch im 19. Jahrhundert, als Warenhäuser wie die "Galeries Lafayettes" in Paris oder "Bloomingdale's" in New York florierten. Sie verströmten Luxus, Eleganz, Aufbruchsgeist und standen für all die Verheißungen des Lebens.
Ein Roman, der den Mechanismus und die Versuchungen eines Warenhauses sehr treffend beschreibt, ist "Le Ventre de Paris" von Emile Zola. In ähnlicher Manier begeistert mich nun die britische Dramaserie "Mr. Selfridge". Sie handelt vom amerikanischen Unternehmer Harry Gordon Selfridge aus Chicago, der das Luxuskaufhaus 1909 in London eröffnete und etablierte. Seine Visionen, sein Tatendrang und einfallsreiches Marketing reißen den Zuschauer von der ersten Folge an mit. Ein Automobil im Schaufenster, eine Signierstunde mit Sir Arthur Conan Doyle, der Auftritt einer berühmten russischen Tänzerin ... nichts ist ihm zu extravagant. Als seine Idee, erstmals Parfüms als Auslagen im Eingangsbereich offen zu präsentieren, vom Personal mit großen Bedenken aufgenommen und umgesetzt wird, kann man nur schmunzeln, weil es für uns so selbstverständlich ist.
In dieser Serie findet sicher jeder seine Identifikationsfigur: entweder in der jungen Agnes, die lernbegierig ist und großes Talent als leitende Verkäuferin und Dekorateurin beweist. Oder Rose Selfridge, die von ihrem Mann vernachlässigt wird, ihre Leidenschaft zur Malerei wiederentdeckt und sich im Kreis von Bohémiens wohlfühlt; Im ehrgeizigen Koch Victor, der möglichst schnell ein eigenes Restaurant eröffnen will oder in der verwöhnten Tänzerin Ellen, die mehr sein will als das Gesicht des Kaufhauses. Mit welchen Ideen der Schaufensterdekorateur Henri Leclair die Passanten immer wieder überrascht, ist sehr inspirierend.
Es macht Spaß, all die Figuren in ihrem individuellen Schicksal zu begleiten und nebenbei zu erfahren, wie der Konsumtempel in der Oxford Street das Einkaufserlebnis revolutionierte. So haben wir die Sale-Aktionen und Wühltische Mr. Selfridge zu verdanken.
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Legen – wait for it – dary

Zeitsprünge werden als dramaturgisches Element immer wieder gern genommen, um Spannung zu erzeugen. Eine Serie, die dies auf die Spitze treibt, ist "How I met your mother" (HIMYM). Das beginnt bereits mit der Rahmenhandlung: Der Architekt Ted Mosby erzählt seinen Kindern im Jahr 2030, wie er deren Mutter kennenlernte. Dazu muss er weit ausholen – genau gesagt braucht es acht Staffeln, bis die Kinder und auch die Zuschauer endlich erfahren, wer die Frau mit dem mysteriösen gelben Regenschirm ist, für die er sich entschieden hat. Währenddessen erfährt man in aller Ausführlichkeit, welche Erlebnisse Ted, seinen Mitbewohnter Marshall, dessen Frau Lily und die Freunde Barney und Robin verbindet und wie sie in all den Jahren durch dick und dünn gehen.
Viele Szenen spielen im Diner "McLaren's", wo sich die Clique regelmäßig trifft. Sobald eine Figur anfängt zu erzählen, wartet man förmlich darauf, in die Zeit zurück katapuliert zu werden und die Szene live mitzuerleben. Das Spiel mit den Zeitebenen geht jedoch weiter und die Erzählstruktur wird noch experimenteller. In einer Folge wird geschildert, wie ein und dieselbe Situation von drei Figuren völlig unterschiedlich erlebt wird; in einer anderen Episode erleben wir Teds veränderte Situation in zwanzig Minuten, zwanzig Tagen und schließlich 20 Jahren in der Zukunft. Übergänge zwischen den Szenen leiten den Zuschauer mehrmals in die Irre.
Eigentlich mag ich Sitcoms nicht besonders, aber neben "King of Queens" mit dem urkomischen Ehepaar Doug und Carrie bildet HIMYM eine Ausnahme. Auch wenn die Comedy ihre Qualität und Originalität nicht durchgehend halten kann, wird man doch immer wieder mit gelungenen Überraschungen belohnt wie zum Beispiel dem spektakulären Heiratsantrag von Barney Stinson, der wahrlich unter die Haut geht. In der deutschen Synchronisation geht so viel Sprachwitz verloren, dass die Comedy meiner Meinung nach nur im Englischen Vergnügen bereiten kann. Dann ist sie, O-Ton Barney, "legen – wait for it – dary".
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Codebrecher auf Mörderjagd

Der englische Landsitz Bletchley Park diente im Zweiten Weltkrieg als Sitz einer militärischen Dienststelle. Kryptoanalytikerinnen wie Susan, Lucy, Jean und Millie in der TV-Miniserie „The Bletchley Circle“ entschlüsselten den deutschen Nachrichtenverkehr, trugen zur Überlistung der feindlichen Mächte bei und galten als Heldinnen. Ihre Arbeit unterlag jedoch stärkster Geheimhaltung – nicht einmal ihre Ehemänner durften von ihren Leistungen erfahren.
Die Handlung der Serie setzt 1952 ein, als die besonderen Fähigkeiten der Kolleginnen erneut gefragt sind – diesmal auf einem ganz anderen Gebiet. Susan entdeckt in einer Serie von ungelösten Morden ein Muster, wird jedoch von der Polizei nicht ernst genommen. Um weitere Morde zu verhindern, bittet sie ihre ehemaligen Kolleginnen um Hilfe und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln.
Noch spannender ist die zweite Staffel, in der eine weitere Kollegin von Bletchley Park, Lizzie, für einen Mord hingerichtet werden soll, den sie nicht verübt hat. Wieder begeben sich die vier Kolleginnen in Lebensgefahr, um Lizzie zu retten und decken ungeheuerliche Greueltaten auf.
Am Anfang fiel es mir schwer, mich in das patriarchalische England in der Nachkriegszeit und das altmodische Ambiente hineinzuversetzen. Doch die unkonventionelle Art der Ermittlung, die klugen Schlussfolgerungen und mutigen Taten der Frauen faszinierten mich immer mehr. Sehr schade, dass es keine dritte Staffel geben wird.
 
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Verschwörung im Cyberspace

In ihrer Machart erinnert die sechsteilige Miniserie "The Code" stark an skandinavische Serienproduktionen wie "Borgen". Der Schauplatz ist allerdings weit entfernt und wechselt zwischen rasant gedrehten Szenen in Canberra und Wüstenaufnahmen in der Nähe des Dorfes Lindara.
Im Mittelpunkt steht der Journalist Ned Banks, der ständig auf der Suche nach Sensationsstories ist, die er in Echtzeit in einem Webmagazin veröffentlicht. Eines Tages wird ihm heikles Material zugespielt. Mit Hilfe seines Bruders, einem gewieften Internethacker, deckt er dubiose Geschäfte rund um Biotechnologien auf. Sowohl die australische Regierung als auch internationale Drogendealer sind darin verwickelt.
"The Code" zeigt unser digitales Zeitalter und den technischen Fortschritt in all seinen Facetten. Die Figuren informieren und kommunizieren in einer Tour und laufen ständig Gefahr, ihre digitalen Werkzeuge gegen sich selbst zu richten. Die Serie erhielt im Januar sechs Australian Film Institute Awards in den Kategorien Drehbuch, schauspielerische Leistung, Regie, Kulisse, Musik und Schnitt. Die visuelle Umsetzung ist in der Tat gelungen, die Story für meinen Geschmack jedoch etwas zu klischeehaft und reißerisch.
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Krimiautor findet seine Muse

Nicht jeder Krimiautor hat das Glück, bei mysteriösen Verbrechen an Ort und Stelle zu sein und die Ermittlungen hautnah mitzuerleben. Außer man heißt Rick Castle wie in der amerikanischen Serie "Castle" und nutzt die Fälle und Figuren des New Yorker Police Departments als Inspirationsquelle. 
Der Bestsellerautor darf erstmals die toughe Ermittlungsbeamtin Kate Beckett begleiten, als zwei Morde nach dem gleichen Muster verübt werden wie in einem seiner Romane. Als sich seine Hilfe als äußerst nützlich erweist, wird er von der NYPD immer öfter bei der Aufklärung von Verbrechen zu Rate gezogen. Castle indes muss nun keine Schreibblockaden mehr fürchten und findet es weitaus spannender, über wahre statt fiktive Verbrechen zu schreiben. Er wählt Kate Beckett als Vorlage für seine nächste Romanfigur namens "Nikki Heat". Witzigerweise ist ergänzend zur Serie tatsächlich ein Roman mit dem Titel "Heat Wave" von Richard Castle erschienen. Ein gelungener PR-Gag, eine Serienfigur als Autor einer Krimireihe zu etablieren. 
Castle fühlt sich immer mehr als festes Mitglied des Ermittlerteams und schreckt auch vor gefährlichen Einsätzen nicht zurück. Nachdem ihm eine Schutzweste verweigert wird, schafft er sich kurzerhand seine eigene Ausführung mit der Aufschrift "WRITER" an. 
Mir gefallen die wendungsreichen Fälle und die mehrdimensionalen Haupt- und Nebenfiguren. Für viel Witz sorgen nicht nur die Wortgefechte zwischen Rick und Kate, sondern auch Ricks Privatleben. Seine Mutter, eine ehemalige Broadway-Diva und seine gescheite Tochter mit typischen Teenagerproblemen halten ihn ganz schön auf Trab. Trotzdem ist Castle nicht nur wegen seines Erfolges als Schriftsteller, sondern auch wegen des traumhaften New Yorker Appartments – eine wahrhaft schöne Kulisse – zu beneiden. 
Am besten gefiel mir bisher die Folge "The Lives of Others" in der fünften Staffel. Großer Applaus an die Drehbuchautoren, denen eine tolle Hommage an Hitchcocks "Das Fenster zum Hof" gelungen ist – mit viel Humor, Spannung und einem fulminanten Ende.
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Auf Knochenjagd

Ich kann kein Blut, geschweige denn das Herumstochern in lebendigen Organen sehen. In Arztserien wie „ER“, „Nip Tuck“ oder „Grey‘s Anatomy“ habe ich daher viele Szenen nur als „Hörspiel“ mitgekriegt. Die Gefahr besteht in der TV-Serie „Bones“ nicht. Der Anblick von menschlichen Überresten ist zwar nicht unbedingt appetitlicher, aber deutlich harmloser für mich. Außerdem nehme ich das gern in Kauf, wenn ich von einer guten Darstellerriege unterhalten werde. 
Einzigartig finde ich den Charakter der Hauptfigur Temperance Brennan, die im Jeffersonian Institute arbeitet. Die forensische Anthropologin ist überdurchschnittlich intelligent und selbstsicher, ziemlich weltfremd und verfügt über eine beträchtliche Sammlung auffälliger Halsketten. Die Zusammenarbeit zwischen ihr und dem FBI-Agenten Seeley Booth, der gegesätzlicher kaum sein könnte, ist sehr amüsant und sorgt neben viel Wortwitz auch für eine Prise Romance. Die Serie hat große Ähnlichkeit mit "Castle", die ich Euch demnächst vorstellen werde. Beide weiblichen Hauptfiguren werden von vergangenen dunklen Ereignissen, die ihre Familie betreffen, verfolgt. Währenddessen knistert es ordentlich zwischen ihnen und ihren Partnern, bis aus der rein beruflichen Beziehung eine Liebesbeziehung wird.
Die Geschichten basieren auf den erfolgreichen Romanen der Anthropologin Kathy Reichs. Entstanden ist eine Serie, in der spannende und abwechslungsreiche Fälle, wissenschaftliches Hintergrundwissen und die persönliche Entwicklung der einzelnen Figuren gut harmonieren.
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Freiheit im sechsten Stock

Was passiert, wenn sich ein vermögender Bürger auf einmal für das Leben des Dienstpersonals interessiert? Das wird wohl nur selten vorkommen. Allenfalls in fiktiven Geschichten wie "Les femmes du 6ème étage" (Nur für Personal!), eine französische Filmkomödie von Philippe le Guay. 
In dem auf YukBook schon einmal vorgestellten Film "Molière auf dem Fahrrad" war ich auf den talentierten Schauspieler Fabrice Luchini aufmerksam geworden. Diesmal spielt er den anfangs arroganten Großbürger Jean-Louis Joubert, der mit seiner kühlen Ehefrau in einem vornehmen Stadthaus ein langweiliges Leben führt.
Erst als er Maria, ein hübsches spanisches Dienstmädchen einstellt, richtet sich seine Aufmerksamkeit nicht nur auf sie, sondern auch auf ihre temperamentvollen Berufskolleginnen, die in den Dachkammern des sechsten Stocks wohnen. Dienstpersonal aus Spanien zu engagieren ist im bourgeoisen Paris der frühen 1960er Jahre nämlich en vogue. Jean-Louis nimmt immer mehr Anteil an deren Sorgen und Nöten, möchte jeder einzelnen helfen und findet darin eine viel größere Erfüllung als in seinem Beruf als Börsenmakler. Auf einmal ist er ganz fasziniert von Spanien: der Kunst, der Sprache, den Traditionen. Maria weckt nicht nur seine Leidenschaft, sondern auch seine Lebenslust.
Amüsant fand ich die Szene, in der Jean-Louis voller Sehnsucht Maria zu Hause anruft und sie fragt, mit welchem Mittel sie das Silber poliere. Wegen eines Missverständnisses wirft seine Ehefrau ihn aus der Wohnung, so dass er eines der Dienstbotenzimmer bezieht und sich zum ersten Mal frei fühlt. 
Ein schönes Märchen mit typisch französischem Charme, Humor und gesellschaftskritischen Untertönen.
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Illusion einer perfekten Ehe - 1

Nach manchem Buch- oder Filmgenuss fragt man sich schon, wie seltsam man ticken muss, um sich so verstörende Geschichten auszudenken. So erging es mir das letzte Mal bei dem Film "Prisoners", den ich Euch letztes Jahr vorstellte. In die gleiche Kategorie würde ich "Gone Girl – Das perfekte Opfer" einordnen, der auf dem gleichnamigen Bestseller der Autorin Gillian Flynn basiert und nun auf DVD erschienen ist.
Die Geschichte beginnt mit dem Verschwinden von Amy Dunne an ihrem fünften Hochzeitstag. Merkwürdigerweise reagiert ihr Ehemann Nick Dunne nicht allzu betroffen. Im Gegenteil: Er verhält sich zunehmend verdächtig und man gewinnt den Eindruck, er habe seine Hände im Spiel. Die Handlung wird durch Rückblenden unterbrochen, die zeigen, wie sich das Paar kennenlernte. Eine Bilderbuchromanze, die schnell durch eine Heirat besiegelt wird und die man aus Amys Perspektive anhand ihrer Tagebucheinträge weiter verfolgt.  
Ihre Ehe erhält eine dramatische Wendung, als Nick seinen Job als Journalist verliert und mit Amy in das von ihr verhasste Missouri zu seiner Mutter zieht. Die Auseinandersetzungen eskalieren, es kommt zu Handgreiflichkeiten... Als nach Amys Verschwinden die Ermittler Kampf- und Blutspuren in der Wohnung entdecken, zieht man auch als Zuschauer entsprechende Schlüsse. Bis zum Ende bleiben jedoch Zuschauer und Ermittler gleichermaßen im Ungewissen, wer hier wen täuscht.
Thriller-Spezialist David Fincher, dem wir auch die Filme "Sieben" und "Fight Club" verdanken, hat sich wieder einmal seinem Lieblingsthema, dem völligen Kontrollverlust des Protagonisten, gewidmet und daraus nicht nur einen höchst spannenden Thriller, sondern auch eine psychologisch vielschichtige Analyse einer destruktiven Ehe gestrickt.
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Sozialkritische Culture-Clash-Komödie

Die Story des französischen Films „Les Invicibles“ ("Eine ganz ruhige Kugel") von Frédéric Berthe ist nichts Weltbewegendes. Doch die liebevoll und differenziert gezeichneten Charaktere und leisen Untertöne machen die Komödie durchaus sehenswert.
Es geht um Momo und Jacky, die auf Dorfplätzen ihrer südfranzösischen Heimat Boule-Spieler austricksen und sich mit Gaunereien durchs Leben schlagen. Als sie von einer internationalen Boule-Meisterschaft mit 500.000 Euro Preisgeld erfahren, wittern sie ihre große Chance. Jacky, gespielt von Gérard Depardieu, will Momos Talent nutzen und einen Champion aus ihm machen.
Momo fühlt sich wie ein Franzose, doch aufgrund seiner algerischen Wurzeln sehen ihn nicht alle so. Er schafft die Hürde ins französische Nationalteam, doch der Sponsor sabotiert sein Weiterkommen wegen seiner Herkunft. Zum Glück hat er trotz einiger Meinungsverschiedenheiten nicht nur Jacky, eine Art Ersatzvater, sondern auch die clevere Pressreferentin des Events auf seiner Seite.
Es ist ein warmherziges und amüsantes Feel-Good-Movie, das zeigt, was wahre Freundschaft und Toleranz bedeuten.
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Bücher, die das Leben versüßen

Odette Toulemonde in der gleichnamigen belgisch-französischen Komödie von Éric-Emmanuel Schmitt führt auf dem ersten Blick kein schönes Leben. Sie hat einen schlecht bezahlten Job in einem Kaufhaus im belgischen Charleroi und muss sich zu Hause mit einer ständig schlecht gelaunten Tochter herumschlagen. Doch trotzdem ist Odette glücklich und das hat sie dem Schriftsteller Baltasar zu verdanken. Seine Romane versüßen ihr den Alltag, bringen sie wortwörtlich zum Schweben und erlauben ihr, in einer Fantasiewelt zu leben.
Sie möchte Baltasar wissen lassen, wieviel ihr seine Romane bedeuten, und schreibt ihm einen Brief. Der Schriftsteller, der so viele Leserinnen beglückt, ist selbst alles andere als glücklich. Sein letztes Buch wurde von den Kritikern vernichtet, seine Frau betrügt ihn. Nach einem missglückten Selbstmordversuch findet er Odettes Brief in seiner Jackentasche und sucht sie auf.
Nun könnte daraus eine vorhersehbare kitschige Liebesgeschichte werden, doch die Figuren sind vielschichtiger. Odette, gespielt von Catherine Frot, ist zwar verträumt und fantasievoll, aber auch realistisch und bodenständig. Baltasar, der bisher eine abfällige Meinung von seinen ungebildeten Leserinnen hatte, entdeckt die verborgene Schönheit, die hinter jedem Menschen steckt, egal aus welcher Schicht.
Herrlich ist die Szene, in der Odette bei einer Signierstunde nicht mal ihren Namen richtig aussprechen kann. Dies hat der Schriftsteller und Drehbuchautor wohl tatsächlich so erlebt und ihn zu dieser Geschichte inspiriert.
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Märchenhafte Tragikomödie

Die Serie "Dicte" weckte bei mir die Lust, einen älteren Film mit Iben Hjelje in der Hauptrolle hervorzukramen: die dänisch-schottische Co-Produktion "Skagerrak". Darin spielt sie anfangs nicht gerade eine Sympathiefigur: Marie hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und ertränkt ihren Frust in Alkohol und Sex. 
Um an Geld zu kommen, lässt sich sich von einem reichen adligen Paar als Leihmutter engagieren. Als ihre Freundin Sofie bei einem Verkehrsunfall stirbt, packt sie jedoch die Panik. Auf der Flucht vor ihren Auftraggebern findet sie Unterschlupf in der Autowerkstatt 'Skagerrak', wo sich drei schräge Automechaniker rührend um sie kümmern. Von da an wendet sich das Blatt für Marie allmählich und die Story entwickelt fast schon märchenhafte Züge. Das überraschende Ende hat mich ziemlich vom Hocker gehauen. 
Wer schräge Komödien mag, die Sozialdrama, Tragödie und rabenschwarzen Humor geschickt miteinander verknüpfen, wird auf seine Kosten kommen.
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Neuer Krimistoff aus Dänemark

Sehr erfreulich, dass nach Sarah Lund und Anna Pihl wieder eine neue Ermittlerin aus Dänemark die TV-Serienlandschaft betritt: „Dicte“ ist eine Erfindung der Krimiautorin Elsebeth Egholm und arbeitet als Kriminalreporterin für das „Tageblatt“ in Aarhus, der zweitgrößten Stadt Dänemarks.
Frisch geschieden ist sie in ihre Heimatstadt zurückgekehrt und schreibt Reportagen über Verbrechen und gesellschaftspolitische Missstände. Das heißt, sie schreibt nicht nur, sondern mischt bei der Aufklärung ordentlich mit – sehr zum Missfallen des lokalen Chefermittlers John Wagner und seiner lesbischen Kollegin Linda Bendtsen. Durch ihre hartnäckige und unkonventionelle Art legt sie sich schnell mit Kriminalbeamten und Redaktionskollegen an.
Durch die fünf in sich geschlossenen Folgen zieht sich ein weiterer Handlungsstrang wie ein roter Faden: die Suche nach Dictes Sohn, den sie mit 16 Jahren zur Welt brachte und den ihre Eltern, strenggläubige Zeugen Jehovas, zur Adoption freigaben. Moralisch unterstützt wird sie von zwei engen Freundinnen und ihrer 17-jährigen Tochter.
Mag sein, dass mein Urteilsvermögen durch mein Faible für die Schauspielerin Iben Hjelje leicht getrübt ist, denn manche Themen wie Kindesmissbrauch und Menschenhandel mit Prostituierten sind nicht gerade originell. Trotzdem ist die Serie für mich persönlich durch das Spannungsfeld zwischen den Figuren und die pointierten Dialoge den deutschen Krimiformaten allemal vorzuziehen.
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Bye-bye LOVEFILM

Gestern habe ich meine letzte LOVEFILM DVD eingeworfen. Eine Ära geht zu Ende... Der DVD-Verleihservice und die günstige Flatrate haben mir unzählige Stunden Film- und Serien-Vergnügen beschert.
Der Versand der DVDs in den mitgelieferten Umschlägen war recht komfortabel und zuverlässig, aber sicher nicht mehr zeitgemäß. Daher beschäftigte ich mich zunehmend mit Alternativen wie Watchever, Netflix und Amazon Instant Video. Dank der Probemonate konnte ich mir einen ganz guten Überblick über die verschiedenen Streaming-Dienste verschaffen.
Schließlich entschied ich mich für Fire TV von Amazon und kündigte meinen bisherigen Vertrag. Der Testmonat läuft in wenigen Tagen ab und ich muss sagen, ich bin recht zufrieden. Ich werde das Gerät behalten. Die Auswahl an Neuerscheinungen könnte besser sein, aber immerhin finde ich Filme und Serien nach meinem Geschmack in der Originalversion. Außerdem kann ich jeden Monat ein Buch kostenlos ausleihen. Ich hoffe, dass sich das Filmangebot noch bessert. Und wenn nicht, bleibt zumindest mehr Zeit zum Lesen.
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Ungleiches Duo auf Spurensuche

Von der Suche nicht nach dem Vater, sondern nach dem eigenen Sohn handelt der britische Film „Philomena“ von Stephen Frears. Im Gegensatz zu Rosies Projekt basiert diese Story auf einer wahren Begebenheit. Die pensionierte Krankenschwester Philomena Lee erzählt ihrer Tochter Jane, dass sie vor genau 50 Jahren im streng katholischen Irland einen unehelichen Sohn geboren hat und ihn zur Adoption freigeben musste. Vier Jahre Zwangsarbeit leistete sie im Kloster Roscrea ab, bevor sie ein neues Leben anfangen konnte. Als ihre Tochter auf einer Party den ehemaligen BBC-Reporter Martin Sixsmith kennenlernt, erklärt sich dieser bereit, Philomena bei der Suche nach ihrem Sohn Anthony zu begleiten und über die Geschichte zu berichten.
Als Martin im Internet ein Foto von Anthony entdeckt, auf dem er eine Anstecknadel in Form einer irischen Harfe trägt, haben die beiden endlich eine Spur. Spannend ist nicht nur die Detektivarbeit, sondern auch das Verhältnis zwischen den zwei gegensätzlichen Persönlichkeiten, die von Judi Dench und Steve Coogan hervorragend gespielt werden. Die alte gläubige Dame aus einfachen Verhältnissen und der in Oxford ausgebildete intellektuelle und zynische Journalist haben sich im Laufe der Geschichte mehr zu geben als sie denken. Die gelungene Balance von Komik und Tragik macht das erschütternde Drama gut zugänglich.
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Revolte auf Gefängnis-Insel

Mit einer poetischen Erzählung über einen Wal beginnt der ungewöhnliche Film "The king of devil's island" von Marius Holst, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Er spielt Anfang des 19. Jahrhunderts in einem Gefängnis für jugendliche Straftäter auf der norwegischen Insel Bastoy.
Eines Tages werden dort der kräftige Junge Erling und der schmächtige Ivar eingeliefert. Erling weigert sich von Anfang an, sich dem Regime und den Regeln der Erziehungsanstalt unterzuordnen. Gesteuert von seiner Unbeugsamkeit und seinem starken Ego, unternimmt er mehrere Fluchtversuche und schadet damit nicht nur sich, sondern auch der Gemeinschaft. Die drakonischen Strafarbeiten bei eisiger Kälte und die gnadenlosen Erziehungsmaßnahmen sind nur schwer mitanzusehen.
Erlings Gegenpol Olav steht wegen seines vorbildlichen Benehmens kurz vor der Entlassung und ist als Aufseher stets bemüht, die Gruppe zusammenzuhalten. Naheliegend, dass sich die zwei gegensätzlichen Figuren in die Haare kriegen.
Doch das eigentlich Interessante in dem Film ist die unterschiedliche Entwicklung und Annäherung der zwei Charaktere. Während Erling allmählich Gefühle der Solidarität entwickelt, lernt Olav, sich gegen Unrecht aufzulehnen und für andere Menschen einzustehen. Angesichts des unethischen Verhaltens der Lehrkräfte, fragt man sich ohnehin, wer hier eigentlich wem etwas beizubringen hat. Die Eskalation und Wende zum Schluss raubt einem schlichtweg den Atem. Ein Filmjuwel, das noch sehr lange nachwirkt.
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Zwielichtige Figuren vor toller Kulisse

Zu vielen mir vertrauten Schauplätzen begleitete ich neulich Rydal, Chester und Colette in dem amerikanischen Thriller „Die zwei Gesichter des Januars“. 
Das erste Mal begegnen sich die drei Figuren in der Akropolis. Rydal führt eine Reisegruppe durch die atemberaubende Kulisse während das amerikanische mondäne Ehepaar das Gelände auf eigene Faust erkundet. 
Ein fataler Unfall im Hotel bringt die drei erneut zusammen und zwingt sie dazu, gemeinsam zu flüchten. Zunächst geht es nach Kreta, von Iraklion nach Chania – eine Busstrecke, die mir nach unserem diesjährigen Kretaurlaub sehr bekannt vorkam. 
Rydal sieht man von Anfang an seine falsche und betrügerische Seite an. Es stellt sich jedoch heraus, dass der so nobel wirkende Chester weitaus mehr auf dem Kerbholz hat. 
Ein Unglück löst das nächste aus und bei jeder neuen Wendung wächst das Misstrauen gegenüber den drei Hauptakteuren. Es folgen dramatische Szenen am venezianischen Hafen von Chania, im Großen Basar von Istanbul und schließlich in den Ausgrabungen von Knossos. 
Die Geschichte erinnert ein wenig an „Der talentierte Mr. Ripley“. Kein Wunder – beide basieren auf Romanen von Patricia Highsmith. Besonders interessant sind die Beziehungen der Figuren zueinander und wie sich diese unter den wechselnden Umständen entwickeln. Zum Schluss schließt sich der Kreis auf überzeugende und fast poetische Weise.
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Let's party

Wer eine große Silvesterparty plant und so richtig Eindruck machen möchte, kann sich was beim großen Gatsby abgucken. Dieser Mann wusste, wie man eine Party schmeißt. Der Film „The Great Gatsby“ beginnt mit einem rauschenden Fest auf Gatsbys Anwesen, das einer amerikanischen Parade gleicht. Tanz, Musik, schrille Kostüme, Papierschlangen und Feuerwerk – das volle Programm ist geboten.
Genau genommen ist der ganze Film ein einziger Knallbonbon. Man ist berauscht von den üppigen Bildern, fragt sich allerdings, wann die Handlung endlich beginnt. Allmählich ändert man die Erwartungshaltung und begreift, dass es hier nicht um eine Adaption der literarischen Vorlage geht. Subtilität oder Gesellschaftskritik lässt der Film völlig vermissen. Hier lebt ein Regisseur seine Fantasie aus und zeigt das ausschweifende Leben der Oberschicht in den 20er Jahren.
Ich hatte nicht vor, den Film zu Ende anzusehen, doch die ästhetischen Bilder von New York in den Zwangiger Jahren fesselten mich dann doch. Ich fühlte mich wie in einer Märchenwelt, in ständiger Erwartung, welche neue fantastische Szenerie sich eröffnet – ähnlich wie in einer Pixar-Produktion, die man sich hauptsächlich wegen der tollen Spezialeffekte ansieht.
Da die Handlung, die Dialoge oder die Mimik der Schauspieler nicht viel Aufmerksamkeit erfordern, kann man sich voll und ganz auf die sehenswerten Details wie Kostüme, Haarschmuck und Inneneinrichtung konzentrieren. Und nimmt obendrein ein paar Partytipps mit.
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Rasante Screwball-Komödie

Ryan Gosling gilt als vielseitiger und wandlungsfähiger Schauspieler. Davon konnte ich mich kürzlich selbst überzeugen. In "Stay" spielte er noch einen depressiven und derangierten Studenten mit Selbstmordgedanken; kürzlich sah ich ihn als tadellos gekleideten unwiderstehlichen Womanizer in der Filmkomödie "Crazy Stupid Love". Der Titel lässt einen typisch amerikanischen Liebesfilm nach bewährtem Muster erwarten, doch es handelt sich um eine unerwartet originelle und temporeiche Screwball-Komödie.
Sie beginnt mit einer Hiobsbotschaft für Cal Weavers, einem gut verdienenden Familienvater: seine Ehefrau Emily will sich von ihm scheiden lassen. Cal fällt aus allen Wolken, zieht aus und ertränkt seinen Kummer jeden Abend in der Bar. Der junge Jacob schleppt derweil in der gleichen Bar reihenweise die hübschesten Frauen ab. Als er Cals jämmerliche Figur und dessen Selbstmitleid nicht mehr mit ansehen kann, bietet er ihm an, seine verlorene Männlichkeit zurückzugewinnen. 
Und damit nehmen die Turbulenzen in Sachen Liebe ihren Lauf. Nicht nur Jacob und Cal, auch Cals Sohn und dessen Lehrerin kämpfen mit den Widrigkeiten der Liebe. Die Irrungen und Wirrungen mit vielen Gags, aber auch tragischen Momenten kulminieren in einem überraschenden und furiosen Finale. Ein ideales Filmvergnügen für die Festtage, zumal die Wörter 'Crazy', 'Stupid', 'Love' den ganzen Weihnachtstrubel ganz treffend beschreiben.
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Der erste True-Crime Roman

Truman Capote kannte ich bisher nur als Autor von "Frühstück bei Tiffany". Von der Entstehung seines erfolgreichsten Romans "Kaltblütig" handelt der Film "Truman Capote". 1952 reist der exzentrische Reporter nach Kansas, um für die New York Times über einen aufsehenerregenden Mordfall zu berichten. Zwei Streuner haben in der Kleinstadt Holcomp eine Farmerfamilie brutal ermordet. In Begleitung seiner Jugendfreundin und Schriftstellerin Harper Lee versucht er, das Vertrauen der Bewohner von Holcomp zu gewinnen und die Hintergründe zu rechercheren.
Bald werden die Mörder gefasst, doch für Capote ist das Kapitel längst nicht abgeschlossen. Der Fall fasziniert ihn so sehr, dass er beschließt, das Material für einen Roman zu verwenden. Mehrmals besucht er die Täter Smith und Hickock im Gefängnis, um alles über die Mordnacht zu erfahren. Auf die Weise entsteht ein präzises Porträt eines Mordes und der erste True-Crime-Roman der Geschichte mit dem Titel „In cold blood“.
Philip Seymour Hoffmann spielt grandios und vermittelt sehr überzeugend, wie stark ihn der Fall persönlich mitgenommen und verändert hat.
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Zwischen Traum und Wirklichkeit

Diesen Monat zieht es sicherlich wieder viele zum Christmas Shopping nach New York, um die ganz besondere vorweihnachtliche Stimmung dort zu genießen. Wer die Stadt einmal aus einer sehr ungewöhnlichen Perspektive erleben möchte, sollte sich den Film "Stay" ansehen.
Künstlerisch anspruchsvoll – so würde ich den sehr bizarren Psychothriller von Marc Forster nennen. Ich muss gestehen, dass ich die Story erst beim zweiten Mal und mit Hilfe einiger Rezensionen verstanden habe. Zu verworren ist die Geschichte um den Kunststudenten Henry, der ankündigt sich umzubringen, und seinen Psychiater Dr. Sam Foster, der dies mit allen Mitteln verhindern will.
Man schwebt mit Sam durch Raum und Zeit und findet sich dabei in zusammenhanglos erscheinenden Szenerien in New York wieder – mal in einer psychologischen Behandlung in einem neoklassizistischen Gebäude am Hudson River, mal bei einem Schachspiel mit einem Fremden in Sams Wohnung, dann in Treppenkonstruktionen, die an den Künstler M.C. Esher erinnern. Stets drängt sich dem Zuschauer schönes Design, Ästhetik und die ungewöhnliche Kameraführung auf. Die Szenen flirren und verschwimmen ineinander, so dass man sich zunehmend fragt, ob sie Traum, Erinnerung oder gegenwärtige Realität sind. Unterbrochen werden die Bilder immer wieder durch Rückblenden, die einen Verkehrsunfall auf der Brooklyn Bridge zeigen. 
In meinem Bemühen, die Handlung zu verstehen, stellte ich wilde Vermutungen an: Henry ist schizophren. Oder Henry und Sam sind ein und dieselbe Person. Wer wie ich hofft, dass sich im Laufe der Handlung die einzelnen Puzzleteile zu einem Gesamtbild fügen, der wird ... Nein, mehr darf ich an dieser Stelle nicht verraten – sonst wäre die Spannung dahin.
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Perfektes Rollenspiel

Um Lebensträume geht es auch in dem Drama „Albert Nobbs“, der im 19. Jahrhundert in Dublin spielt. Ihr schauspielerisches Talent hat Glenn Close bereits in zahlreichen Filmen und TV-Serien, zuletzt in der unglaublich guten Serie "Damages" unter Beweis gestellt. In der Rolle des irischen Butlers übertrifft sie sich jedoch wie ich finde selbst. Bereits 1982 hatte die Schauspielerin in einer Bühnenversion der Geschichte als Albert Nobbs geglänzt und sich seither um eine Kinoadaption bemüht. Mit Erfolg. Regie führte Rodrigo García, der Sohn des berühmten Schriftstellers Gabriel García Márques. 
Albert ist in Wirklichkeit eine Frau, die als Kind unvorstellbare Leiden erfahren musste. In der repressiven Gesellschaft, die Frauen keine Rechte zuerkennt, blieb Albert nur eine Wahl, um zu überleben. Sie entscheidet sich, als Mann zu leben und arbeitete sich als Butler und Kellner hoch in die High Society.
Seit 30 Jahren zwängt sie/er sich in Männerkleidung und arbeitet mittlerweile in einem vornehmen Hotel für eine moralisch fragwürdige Hausherrin. Die Figur Albert fasziniert von Anfang bis Ende. Seine sachliche, übertrieben korrekte und unnahbar wirkende Art ist nur eine Seite. Durch diese Maske schimmert für kurze Momente eine fast romantische Sehnsucht und Warmherzigkeit durch, besonders dann, wenn er sich mit Hubert, einem Leidensgenossen, austauscht und gezwungen wird, seine Identität zu hinterfragen.
Er steht kurz davor, mit seinem mühevoll angesparten Geld einen eigenen Tabakladen zu eröffnen und sich damit seinen Lebenstraum zu erfüllen. Dem stehen lediglich einige zwielichtige Kollegen und deren Lebensträume im Weg. Für Glenn Close, die viel Energie und Zeit in den Film investierte, das Casting übernahm und am Drehbuch mitschrieb, hat sich auf jeden Fall ein großer Traum erfüllt.
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"I am Monaco"

Mit Filmen wie "12 Uhr mittags", "Über den Dächern von Nizza" und "Das Fenster zum Hof" wurde die Schauspielerin Grace Kelly berühmt. Neben Tippi Hedren war sie die Lieblingsactrice von Alfred Hitchcock. 
Doch die ganze Filmwelt, ihre Freunde und Schauspielerkollegen musste sie hinter sich lassen – für eine neue Rolle von politischer Bedeutung. Die Heirat mit Fürst Rainier III. von Monaco im Jahr 1956 machte sie zur Princesse Grace de Monaco. Von diesem neuen Lebensabschnitt nach ihrer großen Filmkarriere handelt der amerikanische Film "Grace von Monaco" mit Nicole Kidman in der Hauptrolle.
Grace ist in ihrer neuen Heimat alles andere als glücklich. Von dem Volk Monacos wird sie nicht als Prinzessin anerkannt. Ihr Mann kämpft um den Erhalt der Souveränität seines Landes und hat wenig Zeit für sie und die Familie. Er zwingt Grace, die Schauspielkarriere aufzugeben und sich auf die Rolle als Fürstin zu beschränken. Sie fühlt sich einsam, ausgeschlossen. Nicht einmal mit ihrer Mutter kann sie ein vertrautes Gespräch mehr führen, da diese sie nicht mehr als Tochter, sondern als Fürstin sieht. Nur in dem Priester Pac findet sie einen Vertrauten und Gesprächspartner.
Grace steht vor einer Wahl: Entweder klammert sie sich an ihre Erinnerungen, an ihre Vergangenheit, lehnt sich gar auf gegen das Schicksal und flieht nach Los Angeles zurück. Die Versuchung ist groß, die Rolle, die ihr Hitchcock in seinem Film „Marnie“ anbietet, anzunehmen.
Oder aber sie stellt sich ihrer neuen Aufgabe und übernimmt ihre neue Verantwortung.
Sie entscheidet sich für Letzteres. Von einem Fürsten lässt sie sich in allem unterrichten, was sie wissen und beherrschen muss: die Politik, die Etikette am Hof. Sie nimmt Französisch- und Tanzunterricht. Während der Steuerstreit zwischen dem Fürstentum und Frankreich eskaliert, nimmt Grace politisch bedeutende Aufgaben selbst in die Hand, wird Botschafterin für das Rote Kreuz und organisiert eine Gala, zu der Charles de Gaulles eingeladen wird. Ihre Rede, in der sie sich selbst mit dem Inselstaat Monaco vergleicht, ist bewegend und hätte schauspielerisch kaum besser vermittelt werden können als von Nicole Kidman.
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"Zu viel des Guten ist wundervoll"

Ebenfalls in den 70er Jahren, doch in einer ganz anderen Welt spielt die Geschichte von "Liberace", dem begabten Pianisten und extravaganten Entertainer. Genau genommen handelt der amerikanische Film nur von einem Lebensabschnitt und zwar seiner Liebesbeziehung zu dem 40 Jahre jüngeren Scott Harson. Vorlage für die Verfilmung war dessen Buch "Behind the Candelabra" (Hinter dem Kronleuchter). Allein wegen der schauspielerischen Leistung von Michael Douglas und Matt Damon ist der Film sehenswert.
Liberace liebte alles im Überfluss. Er kaufte alles doppelt, machte aus seinem Haus einen glitzernden Luxus-Tempel mit griechischen Säulen, einer Decke, die der Sixtinischen Kapelle nachempfunden ist und nannte es "Palast-Kitsch". Kein Wunder, er hielt sich für die Reinkarnation von Ludwig, II.
Ähnlich wie in "Yves" sind auch hier die Outfits ein Blickfang. Ob Swarowski-Steine, Silberpailletten oder Straußfedern, es kann gar nicht prunkvoll genug sein, so dass ein Kostüm locker bis zu 68 kg wog. Sie wurden nach der Originalkleidung vollständig nachgebildet. Das Liberace-Museum stellte außerdem Autos, Klavier und Schmuckimitate zur Verfügung.
Die eigentliche Handlung gerät dabei fast in den Hintergrund. Dabei ist es sehr tragisch, wie die intensive Beziehung zwischen dem gutmütigen und großzügigen Liberace und seinem teils überforderten Lebensgefährten zerbrach. Scotts Liebe ging so weit, dass er sich auf mehrere Operationen einließ, um ein Abbild des großen Meisters zu werden. Wie Rob Lowe den affektierten Schönheitschirurgen mit durch und durch künstlicher Visage spielt, ist ein weiteres Highlight.
Ganz gleich, in welchem Umfeld und Überfluss die Menschen leben, jeder ist auf der Suche nach Liebe – so die Botschaft. Mich hat vor allem beeindruckt, wie manche Schauspieler an ihre Grenzen gehen und sich nicht scheuen, derart herausfordernde Rollen anzunehmen.
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Zeuge und Akteur seiner Zeit

Diesen Monat widme ich mich dem Thema Biografien und Lebensentwürfe. Den Anfang macht der Film „Yves Saint Laurent“ von Jalil Lespert, der einen interessanten Einblick in den kreativen Schaffensprozess des Modeschöpfers gibt.
Wie so viele Genies war auch Saint Laurent ein zerrissener Mensch – einerseits getrieben von großer Kraft und von seinem Drang, sich kreativ auszudrücken und ständig zu zeichnen, andererseits ein gequälter Geist verfolgt von inneren Dämonen.
Nach einer Lehrzeit bei Christian Dior gründete Saint Laurent schon mit 26 Jahren sein eigenes Modeunternehmen. Möglich machte es sein Liebes- und Geschäftspartner Pierre Bergé, der sich um alle organisatorischen und unternehmerischen Belange kümmerte. Dieser hatte es allerdings nicht leicht, Yves Süchte nach Drogen und seinen Musen zu ertragen.
Die Ähnlichkeit zwischen dem Schauspieler Pierre Niney und dem Modeschöpfer ist verblüffend. Obwohl ein Double bereitstand, zeichnete der Schauspieler nach umfangreichem Unterricht alle Skizzen selbst. In der langen Vorbereitungszeit übte er auch, Stimme und Sprechweise genau zu imitieren.
Authentizität gewinnt der Film auch durch die Originalkleider, die die Fondation Pierre Bergé – Yves Saint Laurent zur Verfügung stellte. Über 5.000 Kleider werden in dieser Konservierungsstätte gelagert. Die Models mussten einen Bodysuit tragen, um die Kleider nicht zu beschädigen. So kommt der Zuschauer in den Genuss, die berühmten Mondriankleider oder die Kollektion 'Opéra-Ballets Russes' zu sehen, die in diesem Film wieder zum Leben erweckt werden.
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Unverhoffte Bäckerkarriere

Eine Portion Mut gehört schon dazu, um sein Leben komplett umzukrempeln – so wie es "Paulette" tut im gleichnamigen Film von Jérôme Enrico. Die ältere Witwe lebt im Pariser Vorort, sitzt auf einem Berg voller Schulden und streitet sich auf dem Markt mit Leidensgenossen um eine Stange Lauch aus dem Abfall. Die Schuld an ihrem Elend gibt sie den Ausländern. Die einst erfolgreiche Konditorei, die sie mit ihrem Mann führte, musste schließen. Dass ihr Schwiegersohn und ihr Enkel dunkelhäutig sind, macht die Sache nur noch schlimmer. 
Zufällig beobachtet sie Jugendliche aus der Nachbarschaft, die Haschisch verkaufen. Paulette sieht endlich einen Weg, ihrer Armut zu entkommen und heuert bei einem Drogenboss an. Durch ihren ausgeprägten Geschäftssinn entwickelt sie sich schnell zu einer erfolgreichen Dealerin.
Auch wenn die Handlung teilweise vorhersehbar ist, macht es großen Spaß, Paulette bei ihrer Wandlung zu beobachten: von einer gehässigen, griesgrämigen Frau zur tüchtigen, einfallsreichen Geschäftsfrau und zugleich warmherzigen Person, die sogar ihren Enkel ins Herz schließt. Ihre sarkastischen Sprüche und die gelungenen Nebenfiguren bringen viel Humor in die ernste Thematik. 
Mindestens genauso interessant wie die Komödie ist ein Blick hinter die Kulissen. Das Drehbuch entstand in einem Schreibworkshop an einer Filmhochschule und beruht auf einer Zeitungsmeldung über eine 80-Jährige Frau, die im Pariser Banlieue tatsächlich dealte. Es gab Bedenken, mit hochwertigem Filmequipment in dem schwierigen Milieu aufzuschlagen und einen Film zu drehen, doch das Team wurde vor Ort gut aufgenommen. Mehrere Jugendliche, die dort in Cliquen abhängen, wurden gleich eingebunden und durften als Darsteller oder bei der Regie mitwirken – also ein rundum gelungenes Filmprojekt, das viele brisante Themen wie Altersarmut, Jugendkriminalität und Rassismus in eine unterhaltsame schwarze Komödie verpackt. 
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Wenn Bühne und Leinwand verschmelzen

Molière lebte zur Zeit der absolutistischen Herrschaft Ludwigs XIV. und musste seine Gesellschaftskritik in lustige Komödien verpacken. „Der Menschenfeind“ ist ein typisches Beispiel dafür, wie der meist gespielte Komödiendichter menschliche Schwächen, Heuchelei und Standesdünkel verspottete.
Der französische Film „Molière auf dem Fahrrad“ schafft etwas ganz Einzigartiges: Er schafft eine Symbiose zwischen einem klassischen Theaterstück aus dem 17. Jahrhundert und einem Kinofilm aus der Gegenwart.
Die Geschichte beginnt damit, dass Vincent seinen ehemaligen Schauspielerkollegen Serge aufsucht, der zurückgezogen auf der Insel Île de Ré nahe Bordeaux lebt. Vincent plant Molières Theaterstück 'Der Menschenfeind' zu inszenieren und will Serge für eine Rolle gewinnen. Beide sind allerdings scharf auf die Rolle des Misanthropen. Fünf Tage lang proben die beiden betagten Männer und liefern sich dabei verbale Duelle.
Sie gehen so in ihren Rollen auf, die ihnen wie auf den Leib geschnitten sind, dass Realität und Spiel verschmelzen. Serge, der wie Alceste in dem Stück, zu allem eine vorgefertigte Meinung hat und seine Mitmenschen verachtet, und Vincent, der ähnlich wie Philinte zu Kompromissen bereit ist (was seine aktuelle Hauptrolle in einer erfolgreichen Arztserie bestätigt), geraten sich ständig in die Haare.
Zwischen den Proben begleitet man die beiden auf ihren Radausflügen und taucht ein in die rauhe Landschaft der Insel. Die temperamentvolle Italienerin Francesca und eine junge ambitionierte Pornodarstellerin bringen weitere interessante Nuancen in diese ausgezeichnete Tragikomödie mit hervorragenden Darstellern, allen voran Fabrice Luchini.
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Ménage à trois

Ich hatte mit einem durchschnittlichen Historienfilm gerechnet, doch "Die Herzogin" hinterließ einen stärkeren Eindruck als erwartet. Das liegt vor allem an der schauspielerischen Leistung von Keira Knightley, die die Wandlung von einer lebenslustigen jungen Frau zur begehrten, aber unglücklichen großen Dame meisterhaft darstellt.
Am Anfang erlebt man Georgiana in ihrem Elternhaus noch unbeschwert und lebenshungrig. Als sie den Herzog von Devonshire heiratet, ahnt sie nicht, auf welches Schicksal sie sich einlässt. Noch genießt sie das Ansehen und zeigt sich keck und souverän. Doch ihr abweisender Mann und seine Liebschaft mit Georgianas besten Freundin vergiftet das häusliche Klima zunehmend.
Noch jetzt sehe ich die drei am Esstisch gemeinsam dinieren, als wäre es das Gewöhnlichste auf der Welt. Was für eine Farce! Der Herzog entwickelt sich immer mehr zum Ekelpaket, doch irgendwie hat man auch Mitleid mit ihm, weil er einfach nicht aus seiner Haut kann.
Die Schauspielkarriere von Keira Knightley finde ich beachtlich: von der ungestümen Fußballerin in „Kick it like Beckham“ über die Kopfgeldjägerin in "Domino" bis zur adligen Dame. In ihren prächtigen Roben und extravaganten Hüten macht sie auch diesmal eine äußerst gute Figur.
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Psychoduell auf hoher See

Kürzlich habe ich über den dänischen Film "Hijacking" berichtet, in dem es um ein von somalischen Piraten entführtes Containerschiff geht. Was die Amerikaner aus dem gleichen Thema, allerdings einer anderen wahren Begebenheit, gemacht haben, kann man sich in dem Film "Captain Phillips" ansehen. Der Seemann Captain Richard Phillips, gespielt von Tom Hanks, soll das Containerschiff Maersk Alabama von Salalah im Oman um das Horn von Afrika nach Mombasa überführen.
Von Anfang an hat der Captain ein ungutes Gefühl, zumal er eine offizielle Warnmail vor Piratenangrifen erhalten hat. Er führt zur Sicherheit Piratabwehrübungen mit seiner Crew durch, die sehr bald keine Übung mehr sind, sondern harte Realität. Vier somalische Piraten gelingt es trotz diverser Gegenmaßnamen, an Bord zu gehen. Man fragt sich, warum keine Waffen zum Schutz der Mannschaft an Bord sind.
Ab dem Zeitpunkt steht man als Zuschauer unter Dauerstrom. Man hofft ständig, dass es der Crew gelingt, die Piraten durch clevere Ideen zu überlisten, doch die Somalier machen es ihnen nicht leicht. Sehr interessant fand ich zwei gegensätzliche Charaktere unter den Piraten. Muse ist ein friedlicher, aber gieriger Typ, der nur scharf auf das Geld ist und davon träumt, ein Leben zu führen wie die Amerikaner. Sein Komplize dagegen ist hasserfüllt gegenüber den Amerikanern, die ihm keinen Respekt entgegenbringen, und zu jeder Gewaltmaßnahme bereit. 
Während in "Hijacking" die zähen Verhandlungen im Vordergrund standen, geht es in diesem Film mehr um die Befreiungsaktion. Das Aufgebot amerikanischer Kriegsschiffe am Ende wirkt etwas übertrieben und sorgt für mehr Action als die dänische Version, doch beide Filme bleiben bis zur letzten Minute nervenaufreibend.
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Am Ende wird alles gut

So luxuriös wie im Foto hätten sich die sieben britischen Senioren ihre Unterkunft in Jaipur sicher gerne vorgestellt. Als sie in der Komödie „Best Exotic Marigold Hotel“ im gleichnamigen Gebäude anreisen, erwartet sie statt dessen eine Bruchbude. Von den verheißungsvollen Versprechungen trifft allenfalls der Teil ‚exotic‘ zu, wenn man halbfertige Zimmer und gewöhnungsbedürftige Nahrung so bezeichnen kann.
Doch die Angereisten sind – mit ein paar Ausnahmen – offen für Neues und lassen sich auf das Abenteuer Indien ein. Welche Alternative bleibt ihnen auch? In ihrer britischen Heimat fühlen sich die Rentner aus der Gesellschaft ausgegrenzt und ohne Perspektiven.
Die Filmsequenzen sind ein Augenschmaus für die Sinne – voll satter Farben und malerischer Szenerien. Mal ist das Tempo rasant – zum Beispiel wenn Sonny, der junge Leiter des Hotels, voller verrückter Visionen mit seinem Roller durch die Stadt düst – dann wieder gemächlich, wenn die Hotelgäste jeder auf seine Weise ihre persönlichen Nöte und Sorgen in der neuen Umgebung verarbeiten.
Eine schöne Geschichte über den Mut, sich einem völlig fremden Land zu öffnen und einen Neuanfang zu wagen. Wie Sonny so schön sagt: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.“ Ich bin gespannt auf die Fortsetzung, die nächstes Jahr in die Kinos kommen soll. 
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Schwere Gewissensprüfung

Selbst eingefleischte Krimifans haben eine harte Nuss zu knacken in dem Film "Prisoners" von Denis Villeneuve. Es geht um zwei Familien, die in der Kleinstadt Cordyal in Pennsylvania Thanksgiving feiern und deren jüngste Töchter entführt werden. Zuerst dachte ich, der Film bedient sich wieder mal einer altbekannten Masche: Kind wird entführt, Vater rastet aus und nimmt das Gesetz selbst in die Hand. Doch die Geschichte entwickelt sich weitaus raffinierter und wirft immer mehr Rätsel auf.
Wie weit tritt das Böse im Menschen zutage, wenn es darum geht, sein eigenes Kind zu retten? Wozu ist er fähig, wenn er den Glauben an Gott und eine gerecht Welt verliert? Die Antworten führt uns Hugh Jackman alias Keller Dover auf beängstigende Weise vor Augen. Er schreckt nicht einmal davor zurück, einen Verdächtigen selbst einzusperren und ihn zu foltern. Auch sein Gegenpart, der ruhige und in sich gekehrte Detective Loki, gespielt von Jake Gyllenhaal, macht sichtlich eine Veränderung durch. Der Fall zermürbt ihn und lässt ihn immer häufiger seine Beherrschung verlieren.
Die hervorragende Kameraführung steigert die Spannung und zieht den Zuschauer immer stärker in den Bann. Die trostlose Kleinstadt, die düstere Optik – in diesem Cordyal regnet es unentwegt –, die verzweifelten Familien und der Einblick in menschliche Abgründe wirken beklemmend und ließen mich ziemlich verstört zurück. 
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Urlaubsverstimmungen

Wie schaffen es die Franzosen nur, so starke Emotionen zu wecken ohne sentimental oder gar kitschig zu werden? In der französischen Tragikomödie „Kleine wahre Lügen“ erlebt man jedenfalls eine Achterbahn der Gefühle – von leicht beschwingt bis todtraurig in allen erdenklichen Facetten.
Max, ein erfolgreicher Restaurantbesitzer, fährt jedes Jahr mit einer Gruppe von Freunden in sein Strandhaus am Cap Ferret an der Atlantikküste. Diesmal wird der Urlaub dadurch getrübt, dass ihr Freund Ludo wegen eines schweren Verkehrsunfalls nicht mitfahren kann.
Doch wie stehen eigentlich die übrigen Freunde zueinander? Kann man überhaupt von Freundschaft sprechen, wenn sie so viele Dinge voreinander verheimlichen? Im Laufe der Handlung bricht die Fassade bei jedem Einzelnen Stück für Stück, so dass trotz der Überlänge die Spannung eher steigt.
Für viel Humor sorgt Max, der sich als Hausherr aufspielt und ständig etwas zu mäkeln hat. François Cluzet spielt die Figur erstklassig – für mich ist er so was wie der zweite Daniel Auteil. Schmunzeln muss man auch über Antoine, der den anderen mit seinem Liebeskummer und seiner SMS-Schreiberei auf die Nerven geht wie ein unglücklich verliebter Teenager.
"Kleine wahre Lügen" ist wunderbares Erzählkino, das in der Heimat große Erfolge feierte, hierzulande aber eher unterging. Am Ende versteht man, warum der Film im Original „Les petits mouchoirs“ (Die kleinen Taschentücher) heißt. Ich habe jedenfalls eins gebraucht.
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Tollkühner Fluchtplan

Wieder einmal hat sich für mich bestätigt: Die bewegendsten Geschichten schreibt das Leben. Nach „American Hustle“, „Betty Anne Waters“ und „Hijacking“ habe ich nun innerhalb kurzer Zeit den vierten Film gesehen, der auf einer wahren Begebenheit beruht: "Argo" von und mit Ben Affleck.
Die Botschaftsbesetzung und Geiselnahme in Teheran 1979 bildet die Rahmenhandlung. Sechs US-Botschaftsmitarbeiter, die in der kanadischen Botschaft vorübergehend Unterschlupf finden, sollen von der CIA befreit werden. Eine Unterhaltung mit seinem Sohn über den Film "Planet der Affen" bringt den CIA-Agenten Tony Mendez auf eine aberwitzige Idee: Er will die sechst Amerikaner als Filmteam getarnt aus dem Iran ausfliegen.
Damit das Ganze auch glaubhaft wirkt, wird jedes Detail gründlich geplant: Eine Filmgesellschaft mit zwei herrlich verschrobenen Typen wird gegründet, ein Drehbuch zu einem Science-Fiction-Film und eine Scheinbiografie für jeden einzelnen vorbereitet. Allen ist bewusst, dass das kleinste Versehen das tollkühne Unterfangen zum Scheitern bringen kann.
Der Film fesselt durch seine Authentizität, seinen starken Spannungsbogen und bietet durch eine Starbesetzung, flotte Sprüche und kritische Töne über das Filmgeschäft sehr anspruchsvolle Unterhaltung.
Erschreckend finde ich, dass das Thema brisanter ist denn je. Die Krisenherde nehmen zu und erst letzte Woche wurde von einer Befreiungsaktion eines amerikanischen Journalisten in Syrien berichtet, die tragischerweise scheiterte.
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Poker um Schiffscrew

Man könnte meinen, dass es in Dänemark nur eine Handvoll Schauspieler gibt, denn man begegnet immer wieder den gleichen Darstellern. In dem spannenden Drama „Hijacking“ gab es zum Beispiel ein Wiedersehen mit der Crew aus der Politserie "Borgen" wie dem Spin-Doctor der Premierministerin, einem Abgeordneten und dem TV-Chefredakteur. Und alle drei spielen auch diesmal exzellent.
Es geht um ein dänisches Frachtschiff, das im Indischen Ozean kurz vor Mumbai von somalischen Piraten gekapert wird. Der Geschäftsführer der Reederei Paul versucht, von Kopenhagen aus mit den Piraten zu verhandeln und die Situation in den Griff zu bekommen. Während die Schiffseigner mit Hilfe eines Verhandlungsspezialisten taktisch vorgehen, um einen wirtschaftlich vertretbaren Deal auszuhandeln, ist die Schiffscrew unmenschlichen Bedingungen, zunehmender Hungersnot und der Willkür der Piraten ausgeliefert.
Der ständige Szenenwechsel zwischen Schiff und Festland, die zähen Verhandlungen und Pauls Zerrissenheit zwischen Emotion und Diplomatie erzeugen eine fast unerträgliche Spannung. Wieder einmal haben es die Dänen geschafft, ohne Action einen spannungsgeladenen und subtilen, aber auch beklemmenden Film mit viel psychologischem Gespür zu produzieren. 
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Unzertrennliche Geschwister

Es gibt Filme, die noch lange nachwirken. „Betty Anne Waters“ ist so einer. Es ist die Lebensgeschichte einer Frau, die 18 Jahre lang um die Freiheit ihres Bruders Kenny kämpft. Dieser wurde 1982 des brutalen Mordes an einer Nachbarin beschuldigt und aufgrund von Aussagen zweier Ex-Freundinnen zu lebenslanger Haft verurteilt.
Durch Rückblenden erfährt man über das innige Verhältnis zwischen den Geschwistern seit ihrer Kindheit. Sie sind auf einer Farm in Massachussetts aufgewachsen, wurden von der Mutter vernachlässigt und später von Heim zu Heim geschickt.
Betty Anne kann nicht mitansehen, wie Kenny im Knast zugrunde geht und entschließt sich, Anwältin zu werden, um ihn zu befreien. Welche Belastung der Spagat zwischen Jurastudium, Job in einer Bar und Familienleben für sie bedeutet, wird von Hilary Swank hervorragend gespielt. Sie muss immer mehr Opfer erbringen, doch sie lässt nicht locker und findet in einer Kommilitonin eine kluge Verbündete. Betty Annes Willensstärke kann man nur bewundern. Eine gelungene Verfilmung einer sehr bewegenden Geschichte, die sich tatsächlich so ereignet hat.
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McDreamy oder McSteamy?

Es gibt Serien, die mir unmissverständlich klar machen, wieviel Zeit ich schon vor dem Fernseher verbracht habe. „Grey‘s anatomy“ ist nur ein Beispiel. War es wirklich schon die neunte Staffel, die ich gerade abgeschlossen habe? 9 x 24 Folgen à 40 Minuten... nein, ich rechne besser nicht weiter. Und die Serie wird munter fortgesetzt – mit einigen neuen Darstellern wie ich auf serienjunkies.de erfahren konnte. Das bedeutet sicher frischen Wind für das Beziehungskarussel mit heiß umworbenen Ärzten wie einst Mc Dreamy und Mc Steamy.
Immerhin war es die Zeit meistens wert. Am Anfang der neunten Staffel hatte ich noch meine Zweifel. Eine Flugzeugkatastrophe stürzt die Hauptfiguren in ein psychisches Tief und versetzte auch mich in Depristimmung. Doch durch eine unerwartete Wendung, die völlig neue Perspektiven für das Seattle Grace Hospital öffnet, gewann die Story wieder an Fahrt und ließ mich nicht mehr los. 
Am besten gefällt mir nach wie Christina Yang, die von Anfang an dabei ist. Die karrierebesessene und sehr von sich selbst überzeugte Herzchirurgin bringt mich mit ihrem trockenen Humor und der schnippischen Art immer wieder zum Lachen. Da ich bei den ekligen OP-Szenen sowieso immer weggucken muss, sind es weniger die medizinischen Fälle und vielmehr die Entwicklung der verschiedenen Charaktere und ihre spitzfindigen Dialoge, die mich so lange bei der Stange gehalten haben. 
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Beschwingte Gesellschaftssatire

Der Woody Allen Film „To Rome with love“ ist wie geschaffen für meinen Blog. Die Haupt- und Glanzrolle spielt nämlich die Stadt Rom selbst. In mehreren Episoden wird erzählt, wie sie von Einheimischen und Touristen erlebt und von manchen gar angebetet wird.
"Rom ist charismatisch. Ich habe mich in diese Stadt verliebt!" ruft die arbeitslose amerikanische Schauspielerin Monica euphorisch, als sie eines Nachts mit ihren Freunden in ein altes römisches Bad einbricht. Sie verführt selbst und lässt sich von der Ewigen Stadt zu verrückten Taten verführen. Man begleitet die Figuren nicht nur von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten, sondern auch in ihre unterschiedlichen Alltagswelten und interessanten Wohnungsstile.
Man fragt sich die ganze Zeit, ob und wie die einzelnen Episoden zusammenhängen. Das übergreifende Thema, dem sich Woody Allen widmet, ist der ebenso begehrte wie flüchtige Ruhm und die allerorts lauernden Versuchungen eines amourösen Abenteurs.
So wird der unauffällige Büroangestellte Leopoldo, herrlich gespeilt von Roberto Benigni, von einem Tag auf den anderen dafür berühmt, dass er berühmt geworden ist. Am besten gefällt mir Woody Allen als pensionierter Opernregisseur, dessen neurotisches Verhalten ständig von seiner Frau analysiert und sehr treffsicher kommentiert wird. Von seinen Europa-Filmen "Match Point", "Vicky Cristina Barcelona" und "Midnight Paris" hat mir der erste, der in London spielt, am besten gefallen. In welche Stadt wird es den Altmeister auf seinem Streifzug durch Europa wohl als nächstes verschlägt? 
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Du hast die Haare schön

1978 in New York: Irving Rosenfeld betreibt eine geerbte Kette chemischer Reinigungen, strebt aber nach mehr. Da trifft es sich gut, dass er auf einer Party die geldgierige Sydney kennenlernt. Gemeinsam beginnen sie in dem abgefahrenen Gaunerfilm „American Hustle“ einen florierenden Handel mit gefälschter Kunst. 
Als ihnen der ehrgeizige FBI-Agent Richie DiMaso auf die Schliche kommt, lässt sich Irving auf einen Deal ein: Er kommt mit milder Strafe davon, wenn er Richie hilft, einflussreiche korrupte Politiker zu fassen – ähnlich wie in der TV-Serie „White Collar“.  
Sehenswert ist zum einen die Wandlungskunst des Hauptdarstellers Christian Bale, den ich absolut nicht wiedererkannt hätte. Das soll der Freak aus „American Psycho“ oder der Superheld aus „The Dark Knight“ sein? Während das großzügige Dekolleté seiner Geliebten schön anzusehen ist, bräuchte Irving nicht unbedingt seinen Bauch zur Schau zu stellen. Man weiß gar nicht, welche Frisur man mehr bewundern soll: Irvings mit Haarteil aufgepeppte Strähnen oder Richies durch unzählige Lockenwickler erlangte Haarpracht.
Auch die Nebenfiguren glänzen – zum Beispiel Irvings überkandidelte und unterschätzte Ehefrau oder der Gastauftritt einer Schauspielerlegende, der für einen großen Überraschungsmoment sorgt.
Kaum zu glauben, dass der Film auf einer wahren Geschichte beruht. Es gab tatsächlich eine Geheimoperation, genannt Abscam, mit der das FBI 1979 erfolgreich Korruptionsfälle in höchsten politischen Kreisen bekämpfte. 
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Straße der stummen Bilder

Heute um 18:50 Uhr reise ich wie jeden Freitag, wenn es sich einrichten lässt, nach Hessen. Virtuell versteht sich – mit meinem Reiseführer bzw. HR-Moderator Reinhard Schall, der durch die Sendung „hessentipp“ führt. Der Titel ist wörtlich zu nehmen, denn besonders in der Rubrik „Tipps für Trips“ gibt es jede Menge Freizeit- und Veranstaltungstipps sowohl für Kultur- als auch Naturliebhaber. 
Bisher hatte ich leider nur Gelegenheit, ein wenig Großstadtluft zu schnuppern, als ich die Automobilmesse IAA in Frankfurt besuchte. Dabei haben die hessischen Regionen so viel zu bieten: wunderschöne Fachwerkhäuser, malerische Städte, Naturparks, Burgen, Schlösser und Museen. Auch für Skurriles und Kurioses wie die „Überwälder Traumnacht“, ein ausgefallenes Reklamemuseum, ist in der Sendung Platz.
Heute und morgen, so konnte ich erfahren, lockt die "Straße der Stummen Bilder“ zu einem besonderen Theatererlebnis entlang der Lahn. Auf einer Strecke von 800 Metern zwischen Gießen und Marburg verwandelt sich das Ufer in eine Bühne und zeigt Szenen aus dem Drama „Woyzeck“.
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Zickenterror in der Vorstadt

Eines haben wir mit den Serienfiguren George und Tessa gemein: Zum Einzug in die neue Wohnung luden wir unsere Nachbarn zum Grillen ein. Da hören die Parallelen aber zum Glück schon auf. Denn das Schicksal des alleinerziehenden Vaters und seiner sechzehnjährigen Tochter möchten wir nicht wirklich teilen. Die beiden ziehen von Manhatten in die fikitve Stadt Chatswin, die sich als „Suburgatory“ (Vorstadthölle) entpuppt – so lautet auch der Titel der amerikanischen TV-Serie.
Die Story vom Städtler, der aus welchen Gründen auch immer in die Provinz zieht, boomt zur Zeit mehr denn je. In „Suburgatory“ wird das oberflächliche und dekadente Leben der Reichen so überspitzt karikiert, dass es nicht mehr klischeehaft, sondern nahezu grotesk ist. Wer nennt sein Kind schon Opus oder seinen Hund nach einem japanischen probiotischen Getränk Yakult? Je gepfefferter und sarkastischer die Sprüche, desto sehenswerter die Folge.
Erstaunlicherweise ging es mir bald wie den beiden Neulingen in Chatswin: Allmählich verspürte ich Sympathie für die durchgeknallten und überkandidelten Figuren wie Dallas. In ihrer chirurgisch und kosmetisch perfektionierten Schale schlägt immerhin ein warmes Herz. Ihr Auftritt in der Folge „Foam Finger“ ist zum Brüllen komisch und lässt jede Glamourfrau erblassen. Selbst mit ihrer zickigen Tochter Daliah oder dem Pantoffelheld Fred fühlte ich mit. Es braucht nur überzeugende Charaktere, um einem überstrapazierten Thema eine neue Dimension zu geben.
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Hier ticken die Uhren anders

Eine Ärztin zieht von Manhatten in die Provinz und krempelt dort ihr Leben um. Moment mal, das Muster hatten wir doch erst neulich. Richtig, in der Serie "Everwood" – nur diesmal geht es um eine Ärztin, die es nicht nach Colorado, sondern nach Alabama in die fiktive Stadt Bluebell bei Point Clear verschlägt. Dort erbt sie eine Praxis für Allgemeinmedizin oder besser gesagt, die Hälfte einer Praxis, die sie mit einem alt eingesessenen Arzt teilen muss.
Neulich las ich einmal, dass man die Handlung einer Geschichte auf zwei Grundideen aufbauen kann: Entweder geht jemand auf die Reise oder ein Fremder kommt in eine Stadt. Da ist tatsächlich etwas dran und wird auch in der Serie "Hart of Dixie" bestätigt.
Zoe Hart, die lieber als Herzchirurgin in Manhattan arbeiten würde, sich jedoch erst als Hausärztin bewähren muss, hat große Schwierigkeiten, sich in der Kleinstadt einzuleben. Mit ihren Großstadtallüren tritt sie nicht nur ständig ins Fettnäpfchen, sondern mischt die Bewohner ordentlich auf. 
Auch wenn die Handlung manchmal etwas seicht erscheint, lebt die Serie vor allem durch das komödiantische Talent der Hauptfigur Rachel Bilson, die mir schon in O.C. California gefallen hat. Ihre schlagfertigen Sprüche und ihre ungewöhnlichen Methoden, Patienten zu gewinnen, um ihre Praxishälfte behalten zu können, sind höchst amüsant. Für viel Heiterkeit sorgen auch die altmodischen Traditionen der Kleinstadt, die mit großer Aufregung gehegt und gepflegt werden wie die Stadtparade oder das Schildkrötenrennen. Wahre Fans finden eine ausführliche Übersicht aller Veranstaltungen in der Rubrik "Calendar" auf der nett gemachten Webseite "City of Bluebell".
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Gejagt von der Zukunft

Wie fühlt es sich an, wenn man nicht von der Vergangenheit, sondern von der Zukunft eingeholt wird? Dieser Angst ist in der TV-Serie „Flash Forward“ die gesamte Menschheit ausgeliefert. Für 137 Sekunden verliert sie das Bewusstsein und sieht ein kurzes Szenario aus der Zukunft. Dieser mysteriöse Vorfall fordert nicht nur unzählige Todesopfer und Katastrophen, sondern und verändert das Leben jedes Einzelnen.
Die Dramatik wird dadurch gesteigert, dass FBI-Agent Mark Benford und seine Kollegen mit allen Mitteln versuchen, die Geschehnisse zu verhindern. Ihre Ermittlungen führen sie ins Staatsgefängnis in München und nach Somalia. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.
Auch wenn manche Details etwas haarsträubend wirken, ist die Grundidee spannend umgesetzt. Interessant zu beobachten, wie die Figuren mit ihrer individuellen Vision umgehen – sei sie positiv oder negativ – und ihr Handeln in der Gegenwart dadurch beeinflusst wird.
„Verurteile mich nicht für etwas, was ich noch nicht getan habe.“ Das ist für manche Figuren leichter gesagt als getan, denn das Wissen über ihre Mitmenschen quält sie und lässt die Konflikte weiter eskalieren. Ob sich das Eintreten der Vision verhindern lässt? Unerwartete Wendungen und fiese Cliffhanger am Ende jeder Episode sorgen auf jeden Fall dafür, dass man dran bleibt.
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F I N A L E

Die diesjährige Fußball-WM hat mich zunächst nicht vom Hocker gerissen. Dass Japan in der Vorrunde ausscheidet, war zu erwarten, aber ohne Spanien war die WM für mich nur noch halb so spannend. 
Aber es gab ja noch mehr Überraschungen: England, Italien und Portugal verabschieden sich sang- und klanglos während sich Costa Rica, Algerien und Kolumbien ins Viertelfinale kämpfen. Und dann das unglaubliche Halbfinale: Deutschland besiegt Brasilien 7:1. Wobei mich das Ergebnis gar nicht so überrascht hat. Ich hatte auf mindestens 3:0 getippt. Endlich konnte die deutsche Mannschaft zeigen, was sie drauf hat. 
Erstaunlich, in welchen Hype einen die Medien versetzen. Alles dreht sich nur noch um Fußball. Völlig hochgepuscht sitze ich dann vor dem Fernseher und sehe die üblichen Verdächtigen wie Benzema, di Maria, Hulk, Van Persie, die mir schon so vertraut sind wie meine Serienfiguren. Die 90 Minuten sind rum wie nichts und am Ende denke ich mir: „Ach, das war‘s schon?“ Die Spieler sehen das sicher anders, wenn sie bei brütender Hitze ihre letzten Energiereserven anzapfen während ich bequem auf der Couch liege und Unterhaltung erwarte. Der Kommentar von Mertesacker, wir seien hier nicht beim Karneval, war völlig berechtigt.
Trotzdem würde ich mir wünschen, dass die deutsche Mannschaft heute wieder schön spielt, fair und vor allem siegreich! Sie hat den Pokal verdient.
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Sonntag Abend unterwegs

Während viele frustriert an die neue Arbeitswoche denken, endet für mich das Wochenende in der Regel wunderschön dank der gleichnamigen Sendung im WDR. Unter den zahlreichen Reisesendungen im Fernsehen zählt "Wunderschön!" neben der "Nordtour", über die ich schon mal berichtete, zu meinen Favoriten. 
Vorgestellt werden Städte und Länder weltweit, oft mit einem Themenschwerpunkt wie zum Beispiel "Durch Österreichs Genussregion – Südliche Steiermark". Durch die Sendung habe ich schon so manch interessante Ausflugsziele in der Umgebung meiner Heimatstadt Düsseldorf kennengelernt, die ich mir für meinen nächsten Besuch bei meiner Mutter merken werde.
Heute geht die Reise nach Istrien – die größte Halbinsel an der nördlichen Adria, von der ich schon viel gehört habe. Sehr praktisch, wenn ich mir heute in den Reportagen schon mal einen groben Überblick verschaffen kann für die nächste Reiseplanung. Neben mittelalterlichen Hafenstädten wie Rovinj und einem Nationalpark, der aus 14 Inseln besteht, wird Hum, mit rund 20 Einwohnern die kleinste Stadt der Welt, vorgestellt.
Die Moderatoren von "Wunderschön" sind durchweg sympathisch und werden meist von ortskundigen Autoren, Künstlern oder Reiseführern begleitet. Die Mischung aus Landeskunde, tollen Landschaftsaufnahmen und besonderen Empfehlungen sorgen für sehr kurzweilige 90 Minuten. Ich bin gespannt, was für Hotels und Ferienwohnungen heute in der Rubrik "Tisch und Bett" vorgestellt werden. 
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Auf Rachefeldzug

Die Serie „House of Cards“ beginnt mit einer großen Enttäuschung – nicht für den Zuschauer, sondern für die Hauptfigur Francis Underwood. Der Kongressabgeordnete bekommt nicht das ihm versprochene Amt des Außenministers und sinnt auf Rache und zwar nicht nur gegen den US-Präsidenten, sondern gegen die ganze Regierung. Gespielt wird die Rolle von Kevin Spacey, der in dem Film „American Beauty“ das erste Mal einen bleibenden Eindruck bei mir hinterließ.
Mehr muss ich wohl nicht verraten, um Euch einen Vorgeschmack auf diesen spannenden Polit-Thriller zu geben. Niemand kann den machtbesessenen und skrupellosen Politiker so gut verkörpern wie dieser begnadete Schauspieler. In jeder Folge fragt man sich: Wie weit wird er noch gehen, um andere in den Abgrund zu stürzen? Die Antwort ließ mich mehrmals erschauern – zumal ich davon ausgehe, dass die Machenschaften gar nicht so sehr aus der Luft gegriffen sind. 
Francis' Absichten sind ebenso undurchschaubar wie seine Beziehung zu seiner Ehefrau und zu einer ehrgeizigen Journalistin. Ich kann nur hoffen, dass die zweite Staffel nicht lang auf sich warten lässt.
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La ville de l'amour

Ein französischer Film, in dem es um die "Die Kunst zu lieben" geht und auch noch in Paris spielt, lässt einige Klischees erwarten. Und tatsächlich erntete der Episodenfilm ziemlich viel negative Kritik – die ich persönlich nicht teilen kann.
Während sich die Handlung in den meisten amerikanischen Romantik-Komödien auf die einzige Frage reduzieren lässt "Wann kriegen sie sich endlich?", gehen die Franzosen erfreulicherweise viel subtiler an das Thema heran. So beleuchtet der Regisseur Emmanuel Mouret alles, was die Liebe mit sich bringt wie Euphorie, Eifersucht, Kummer, Begehren oder Entfremdung in teils witzigen, teils absurden Situationen und lässt den Zuschauer immer wieder schmunzeln. 
Besonders originell fand ich die Geschichte von Amélie und Boris, die sich heimlich in einem dunklen Hotelzimmer treffen wollen, Amélie jedoch in letzter Minute ihre schüchterne Single-Freundin Isabelle zu dem Tête-à-tête schickt und Boris merkt den Frauenwechsel nicht. Parallel bietet eine andere Freundin Isabelle an, ihr ihren Freund "auszuleihen", damit Isabelle wieder lernt, das Leben zu genießen. Solche skurrilen Einfälle haben doch nur die Franzosen. Für mich war es eine schöne Gelegenheit, mal wieder im Münchner Theatiner-Kino einen Film mit typisch französischem Charme im Originalton zu sehen, der auch noch in meiner Lieblingsstadt spielt. 
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Auf Leben und Tod

Wieder einmal entdeckte ich ein TV-Highlight aus dem hohen Norden. Die Rede ist von der preisgekrönten dänischen Serie "Protectors – Auf Leben und Tod". Diesmal geht es nicht um Kriminalkommissare oder Polizisten auf Streife, sondern um die Einsätze von drei jungen Personenschützern, die zu einer Spezialeinheit des dänischen Geheimdienstes gehören.
Spannend ist schon die Ausbildung und Rekrutierung von Jonas, Rasmus und Jasmina in der Pilotfolge. Bald wartet die erste Aufgabe auf sie: Das Leben des Verteidigungsministers zu schützen. Außerdem werden sie mit der Lösung verschiedener Kriminalfälle betraut.
Aktuelle politische und gesellschaftliche Themen wie der Kampf gegen Terrorismus, Rassismus oder Stalking werden mit intelligenter Dramaturgie und maßvoller Action umgesetzt. Die Schauspieler sind allesamt hervorragend: Man nimmt ihnen sowohl die täglichen beruflichen Herausforderungen, ihre schweren Entscheidungen als auch ihre Sorgen und Probleme im Privatleben ab. Ich frage mich, wo die Dänen gelernt haben, Drehbücher und Dialoge auf derart hohem Niveau zu schreiben.
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Kleinstadtidylle in den Rocky Mountains

Ein ehrgeiziger Workaholic zieht, gezwungen durch äußere Umstände, von einer Großstadt aufs Land und findet dort eine neue Art von Lebensqualität. Diese Story ist ein alter Hut, verliert jedoch anscheinend nicht seinen Reiz, solange sie gut umgesetzt ist. Sonst hätten TV-Serien wie "Heartland" oder "Hart of Dixie" sicher nicht so einen Erfolg.
Vor kurzem entdeckte ich eine neue Variante: Andrew Brown, ein angesehener Neurochirurg in New York, verliert seine Frau bei einem Autounfall und zieht mit seinen Kindern Ephram und Delia in eine Kleinstadt in Colorado. "Everwood", so nennt sich die fiktive Bilderbuchstadt in den Rocky Mountains und auch die Serie. Gedreht wurden die Folgen unter anderem in Salt Lake City und Calgary. 
Ich erwartete eine leicht konsumierbare Familiengeschichte mit schöner Kulisse, bei der man nach der Arbeit schön entspannen kann. Dabei hat die Serie weitaus mehr zu bieten: Zwischenmenschliche Konflikte wie die komplexe Vater-Sohn-Beziehung, die von den hervorragenden Darstellern sehr überzeugend gespielt werden, tiefgründige Dialoge, moralische und ethische Dilemmas ... Interessant ist, dass jedes Mitglied der Gemeinschaft eine ganz individuelle Beziehung zu seiner Heimatstadt Everwood hat, die einen starken Einfluss auf die Handlung nimmt.
Für mich hat die Serie noch einen weiteren Spaßfaktor: die Gastauftritte vieler bekannter Schauspieler. Haupt- und Nebenfiguren aus Serien wie "Revenge", "Grey's Anatomy", "Desperate Housewives", "Chuck", "Nip Tuck", "White Collar", "Bones" und "The Closer" geben sich in den verschiedenen Folgen ein Stelldichein. 
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Tippen wie ein Weltmeister

Ich dachte immer, ich bin schnell im Tippen. Das war, bevor ich „Mademoiselle Populaire“ gesehen habe.
In der französischen Komödie geht es um Rose Pamphyle, die andere Pläne hat als nur zu heiraten und Hausfrau zu werden. Als sie in der Kleinstadt Lisieux in der Normandie eine Stelle als Schreibkraft antritt, erkennt ihr Chef schnell das Potential, das in ihr steckt. Voller Ehrgeiz zieht er ein hartes Trainingsprogramm mit ihr durch und macht sie fit für Schnellschreib-Wettbewerbe.
Der Ablauf der Wettbewerbe zählt zu den amüsantesten Szenen. Das Maschinenschreiben wird mit einem Hochleistungssport gleichgesetzt. Rose verbucht einen Sieg nach dem anderen, schafft es 1959 bis zur WM-Teilnahme und steigt zur Werbeikone auf. Das Modell „Populaire“ im quietschigen Rosa wurde tatsächlich damals ein Bestseller.
Besonders sehenswert in diesem Film mit typisch französischem Humor und Esprit ist das aufwändige Szenenbild. Die Petticoat-Kleider, die Frisuren, Brillen und die passende Big-Band-Musik entführen den Zuschauer auf eine nostalgische Zeitreise in die 50er Jahre.
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Gelungene Dramedy

Wenn ich diesen Monat von tapferen Serien-Müttern berichte, darf eine Figur auf keinen Fall fehlen: Cathy Jamison in der Serie "The Big C". Sie lebt in einer Vorstadt von Los Angeles und schwimmt für ihr Leben gern. Ihr trauriges Schicksal: Sie muss nicht nur mit einem untreuen Ehemann und einem pubertierenden Sohn, sondern mit der Diagnose Krebs fertig werden.
Zunächst hält sie die schockierende Nachricht vor ihrer Familie und ihren Freunden geheim. Lang gelingt es ihr jedoch nicht – zu auffällig ist ihr plötzlicher Lebenswandel von der spießigen Mutter zur abenteuerlustigen Frau, die in ihrer verbleibenden Lebenszeit aus dem vollen Schöpfen will.
Trotz des ernsten Themas wird man vor Melodramatik, Depri–Stimmung und Klischeen verschont. Für den schwierigen Spagat zwischen Drama und Comedy, also eine Art Dramedy, sorgen die brillianten Darsteller: Laura Linney, die zu meinen Lieblingsschauspielerinnen zählt, bringt das gesamte Gefühlsspektrum von überschwänglicher Lebenslust bis zur Todesangst überzeugend rüber und erhielt dafür zu Recht einen Golden Globe Award und einen Emmy. Der ebenso großartige Oliver Pratt spielt Cathys witzigen Ehemann, dessen steile Karriere als Blogger ich mit großer Bewunderung und Neid verfolge.
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Authentisch und menschlich

Die Serie „Anna Pihl“ riss mich nicht gleich vom Hocker. Die ersten Folgen plätscherten dahin, doch dann gewann die Story zunehmend an Fahrt und ich verschlang eine Staffel nach der anderen.
Im Mittelpunkt steht Anna Pihl, die ihren Dienst als Streifenpolizistin in Kopenhagens größter Polizeistation Bellahoj antritt. Sie hat genug Biss und Intelligenz, um sich unter den vorwiegend männlichen Kollegen zu behaupten und schnell zur Verhandlerin aufzusteigen. Dass sich die junge Alleinerziehende auch um ihren kleinen Sohn Mikkel kümmern muss, macht ihren Alltag nicht einfacher. 
Die Kriminalfälle, die in den einzelnen Folgen gelöst werden, sind eigentlich eher sekundär. Viel interessanter finde ich, wie authentisch die tägliche Polizeiarbeit geschildert wird. Jedem Charakter und seinem Schicksal wird viel Raum gegeben. Es sind die leisen Zwischentöne, die den Zuschauer berühren. Statt Gut oder Böse, statt Helden oder Antihelden gibt es nur Menschen, die bemüht sind, das Richtige zu tun und trotz allem Fehler machen. Der Fehltritt einer Beamtin ist so gravierend, dass sie sogar ins Gefängnis wandern muss. Sehr schade, dass die Serie nach drei Staffeln nicht mehr fortgesetzt wurde.
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Yuppie-Komödie aus den 80ern

Der Spagat zwischen Kind und Karriere ist für viele Frauen eine Herausforderung und sorgt nicht unbedingt für Heiterkeit – es sei denn, man sieht sich an, wie Diane Keaton alias J. C. in dem Film „Baby Boom“ mit der Aufgabe kämpft. 
Die toughe Karrierefrau „erbt“ völlig unerwartet das Baby ihres verunglückten Cousins. Fortan muss sie Job und Kind unter einen Hut bringen, was auf Dauer missglückt. So verlässt sie New York und zieht als Alleinerziehende ins tiefste Vermont.
Einfach herrlich, wie Diane Keaton die Wandlung von der erfolgreichen Yuppie-Frau zur überforderten Mutter spielt. Das stark reparaturbedürftige Haus wächst ihr völlig über den Kopf. Und dennoch entdeckt sie, dass es etwas Wichtigeres im Leben für sie gibt außer Arbeit und geht immer mehr in ihrer Mutterrolle auf. Sehr unterhaltsam ist auch die zarte Romanze, die sich zwischen ihr und einem ortsansässigen Tierarzt entwickelt. Neben Goldie Hawn und Meryl Streep zählt Diane Keaton für mich zu den ganz Großen der weiblichen Schauspielerriege.
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Wer hat das letzte Wort?

Am 11. Mai ist Muttertag und für mich ein Anlass, Euch in diesem Monat starke Mütter in TV-Serien vorzustellen.
Den Anfang macht die alleinerziehende Mutter Loreley in der Serie „Gilmore Girls“, mit der mein Faible für amerikanische TV-Serien begann. Loreley bekam ihre Tochter Rory schon mit sechzehn Jahren und hat eine Beziehung zu ihr wie zu einer besten Freundin. Die erfrischende, impulsive Loreley und die introvertierte, kluge Rory kriegen sich zwar oft in die Haare, halten aber zusammen wie Pech und Schwefel.
Nicht nur die Gilmore Girls, sondern auch die anderen Charaktere, die die fiktive amerikanische Gemeinde Stars Hollow nahe Hartford bevölkern, wachsen einem schnell ans Herz. Rorys Freundin Elaine kommt immer wieder auf irrwitzige Ideen, um ihre streng konservative Mutter auszutricksen. Auch mit Loreleys bester Freundin Sookie St. James leiden wir mit, wenn sie von Alltagssorgen oder Liebeskummer geplagt wird. Die Kreationen, die sie als Köchin im von Lorelai geführten „Independence Inn“ zaubert, lassen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Nicht zu vergessen die ständigen Sticheleien zwischen Lorelai und Luke, der sie in seinem Diner becherweise mit Kaffee versorgt. 
Verbale Schlagabtausche liefert sich Lorelai auch mit ihren konservativen Eltern Emily und Richard, die völlig verschiedene Vorstellungen von Kindererziehung haben. Gilmore Girls unterhält bis zum Finale durch phänomenalen Wortwitz, treffsichere Dialoge und liebenswerte Figuren. 
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Im Mekka der Superreichen

Lust auf ein paar Anregungen für eine noble Einrichtung oder ein luxuriöses Strandhaus? In dem Fall kann ich die amerikanische Serie „Revenge“ empfehlen, die in den Hamptons spielt. Bekanntermaßen lassen sich dort die betuchten New Yorker nieder oder verbringen dort ihre Sommerferien.
Da wäre zunächst das hübsche Strandhaus, das die Hauptfigur Emily Thorne zu Beginn der Geschichte bezieht. Ihre Absichten sind allerdings alles andere als harmlos: Sie plant, Rache an alle Leute zu nehmen, die das Leben von ihr und ihrem Vater zerstört haben. 
Unter anderem hat sie es auf Mrs Grayson abgesehen, die direkt gegenüber in einer Luxusvilla thront. Sie gilt als die Queen der Hamptons und wird von Madeleine Stowe so überzeugend gespielt, dass man ihr diese Rolle gern abnimmt, wenn sie auf ihrer überdimensional großen Terrasse wie eine mächtige Herrscherin in Erscheinung tritt und voller Misstrauen ihre neue Nachbarin ausspioniert.
Meint man, dass diese Villa nicht mehr zu toppen ist, wird man eines Besseren belehrt. Wir machen nämlich Bekanntschaft mit dem reichen Erfinder und Technologieunternehmer Nolan Ross. Sein Luxus-Appartment ist der absolute Hammer und kaum in Worte zu fassen. Am besten Ihr seht selbst auf der Website von www.hookedonhouses.net. Dem Luxus sind eben keine Grenzen gesetzt.
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Zwischen zwei Welten

Beim Ausmisten meiner CDs stieß ich kürzlich auf den Soundtrack von „Lost in translation“ und wurde an dieses wunderbare Werk von Sofia Coppola erinnert. Ich habe selten einen Film gesehen, der die Stimmung von Tokio so gut einfängt – besonders aus Sicht eines Ausländers.
Dominant in meiner Erinnerung ist die Szene, in der Charlotte, gespielt von Scarlett Johansson, am Fenster ihres Hotelzimmers sitzt und auf die Häuserschluchten Tokios hinunterblickt. Ihr Verlobter ist den ganzen Tag beruflich eingespannt und so muss sie sich die Zeit allein in der Fremde vertreiben. Dieses Gefühl der Verlorenheit und Einsamkeit konnte ich gut nachvollziehen. Als ich einmal geschäftlich in Osaka unterwegs war, wurde ich ebenfalls in einem anonymen Hotel untergebracht. Ich fühlte mich irgendwie in der Schwebe, tatsächlich „lost in translation“, und die Aussicht auf die Stadt vom 22. Stockwerk wirkte sehr surreal. 
In der Hotelbar lernt Charlotte Bob kennen, der für einen Whisky-Werbespot engagiert wurde. Die Kommunikationsprobleme mit den Japanern bei den Dreharbeiten sind bezeichnend dafür, wie ausgeschlossen sich auch Bob in dieser Großstadt fühlt. Ihre gemeinsamen nächtlichen Ausflüge in die Karaoke-Bars oder die japanischen Quiz-Sendungen, in denen sich die Moderatoren mit ihren quietschigen Stimmen und Albernheiten überbieten, zeigen die verrückte Seite der Japaner, über die ich mich selbst manchmal wundere. 
Die Isoliertheit, die beide Protagonisten in der Fremde verspüren, macht ihnen erst deutlich, wie einsam sie auch  in ihrer Heimat und in ihren Beziehungen geworden sind. Es ist eine traurig-melancholische Geschichte, die sich so oder ähnlich auch hinter einem anderen kulturellen Hintergrund abspielen könnte.
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Eine Holzstadt feiert Jubiläum

Die Landesgartenschau in Rosenheim liegt schon wieder vier Jahre zurück. Unter dem Motto „Innspiration“ entstanden rund um die Mangfall und den Inn weitläufige Flusslandschaften, Brücken, Stege und fantasievolle Gärten. Schon damals kam der Werkstoff Holz besonders zu Ehren – schließlich gilt Rosenheim weltweit als die Wiege der Holzausbildung.
Dieses Jahr feiert die Holzstadt „150 Jahre Stadterhebung“. Im Jahre 1864 hat der bayerische Märchenkönig Ludwig II. den einstigen Markt zur Stadt erhoben. Dieses Jubiläum wird mit vielen Veranstaltungen wie Chor- und Sommerfestivals, Mitmachaktionen für Familien und Schmankerlstraßen zelebriert. 
Die Geschichte Rosenheims war schon immer eng mit der Holzwirtschaft verbunden. Mehr darüber kann man vom 8. April bis 12. Oktober in der Sonderausstellung „Holzstadt Rosenheim“ im Holztechnischen Museum erfahren. Oder Ihr seht Euch morgen um 18:05 Uhr die Sendung „Schwaben & Altbayern“ im Bayerischen Fernsehen an. Meine Freundin und Journalistin war in der Holzstadt unterwegs und hat viele interessante Beiträge über Ausbildungen, holzverarbeitende Betriebe und architektonische Sehenswürdigkeiten wie den Sparkassenturm zusammengestellt.
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Vor Entzugserscheinungen wird gewarnt

Den ganzen Tag ist man unkonzentriert und hat nur einen einzigen Gedanken: „Wann kann ich endlich die Fortsetzung sehen?“ So krankhaft ist meine Seriensucht zum Glück nicht – doch es gab schon ein paar grenzwertige Fälle. Dazu zählt die dänische Krimiserie „The Killing“.
Sie hat gewisse Ähnlichkeiten mit dem Politdrama „Borgen“, das ich schon einmal vorgestellt habe. Schauplatz ist Kopenhagen und auch hier geht es um korrupte politische Machenschaften. Bei „The Killing“ steht jedoch ein Gewaltverbrechen im Vordergrund. Kommissarin Lund setzt sich gern über Regeln hinweg, folgt ihrem untrüglichen Instinkt und deckt so von Episode zu Episode einzelne Puzzleteile auf. 
Die Spannung wird vor allem durch eine wendungsreiche Dramaturgie und düstere Atmosphäre, durch zwielichtige Figuren und Verstrickungen hochrangiger Politiker erzeugt. Interessant wird es, wenn ein bestimmter Refrain ertönt. Er signalisiert, dass Lund ein neues Indiz entdeckt oder einen neuen Zusammenhang erkannt hat. 
Glaubt man, endlich den Täter entlarvt zu haben, wird spätestens in der darauf folgenden Folge der Verdacht wieder in Frage gestellt. Das Warten auf die Fortsetzung und auf die endgültige Auflösung war in dieser einzigartigen Serie wahrlich eine Qual.
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Der schöne Schein der Werbewelt

Eine der ästhetischsten TV-Serien, die ich kenne, ist „Mad Men“. Allein von dem Intro bin ich so begeistert, dass ich es mir jedes Mal von Anfang bis Ende ansehe und versuche, neue Details zu entdecken. Die Serie spielt im New York der 1960er Jahre und handelt von aufstrebenden Angestellten in der Werbeagentur „Sterling Cooper“. 
Einer von ihnen ist Don Draper, Creative Director, mit einer dunklen Vergangenheit, der nach außen den perfekten Familienvater mimt. Ähnlich wie bei seinen Kollegen ist jedoch das meiste nur Fassade. Hinter dem durchgestylten Look tun sich Abgründe auf, die den Zuschauer immer stärker in den Bann ziehen und den Suchtfaktor erhöhen. Bestes Beispiel ist die Episode "Erwartungen" in der fünften Staffel, die wie ein Kammerspiel endet und den Zuschauer völlig sprachlos zurücklässt.
Einfach perfekt ist die Dramaturgie in einer anderen Episode, als Don versucht, den Hersteller Jaguar von seiner Agentur und Kampagnenidee zu überzeugen, während seine Kollegin Joan ganz andere Mittel einsetzt, um den Pitch zu gewinnen.
Mimik und Taten sagen in dieser Serie mehr als Worte. Dons Ex-Frau Betty beherrscht den leidenden Gesichtsausdruck von allen am besten, während Peggy Olsen und Pete Campbell ständig zwischen Unsicherheit und Komplexen einerseits, Ehrgeiz und Willensstärke andererseits schwanken.
Die künstlerische Qualität der Produktion finde ich grandios: von der Ausstattung über die Kostüme und Frisuren bis hin zur Kameraführung – jedes Detail sitzt perfekt. Für wahre Fans gibt es eine gelungene Illustrationssammlung mit dem Titel "The illustrated world of Mad Men", die ich mir wohl auch bald zulegen werde. Vorher genieße ich jedoch die lang ersehnte siebte Staffel, die morgen auf DVD erscheint.
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Leckerbissen für Cineasten

Französische Filme sind nicht jedermanns Sache – besonders wenn man großen Wert auf ein Happy End legt. Ein Film, der den Zuschauer garantiert nicht verstört zurücklässt, ist die schon etwas ältere wunderbare Komödie „Milch und Schokolade“. Es geht um einen Geschäftsführer eines großen Joghurt-Herstellers, dem zwei rachsüchtige Mitarbeiter übel mitspielen.
In der Reinigungsangestellten Juliette findet Romuald nicht nur eine clevere Verbündete, um aus dem Schlamassel herauszukommen, sondern auch seine große Liebe. Bis dahin sind jedoch eine Reihe gesellschaftlicher und beziehungstechnischer Konflikte zu bewältigen.
Wie Romuald sein Leben für Juliette völlig umkrempelt, ist nicht nur rührend, sondern auch sehr amüsant, da die selbstbewusste Juliette genau weiß, was sie will. Ich habe schon viele Filme mit Daniel Auteuil in der Hauptrolle gesehen und bewundere immer wieder sein vielseitiges Talent. Ob Drama, Thriller, Liebesgeschichte oder Komödie – mit seiner ausdrucksstarken Mimik überzeugt er in jeder Rolle. Wie grausam er mit Gefühlen spielt, zeigt er zum Beispiel in dem Drama "Ein Herz im Winter", der zu meinen Favoriten zählt. Für Euch habe ich meine Top Ten der französischen Filme zusammengestellt. Hier könnt Ihr den Flyer herunterladen.
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Wann wird der Aufzug repariert?

Es gibt eine Fraktion, die jedes Jahr voller Ungeduld dem Oktoberfest entgegenfiebert, während die andere gar nicht genug vom Fasching bekommen kann. Und nicht zu vergessen jene, die heilfroh sind, wenn beides vorbei ist. Heute haben alle Närrischen die letzte Chance, sich in ein Kostüm zu schmeißen und bis zum Abwinken zu feiern.
Da fallen mir vier wahre Verkleidungskünstler ein, die wenig mit Karneval am Hut haben, aber völlig euphorisch werden, wenn Comic Conventions anstehen. Die Rede ist von den Hauptfiguren der Sitcom "The Big Bang Theory" , über die man sich köstlich amüsieren kann.
Die Vierer-Gang bestehend aus zwei intelligenten Physikern, einem jüdischen Ingenieur und einem indischen Astrophysiker sorgen vor allem durch ihre individuellen Macken und lockeren Sprüche für Lacher. Als Nerds sind sie in ihrem Fachgebiet unschlagbar und in ihren originellen Kostümen machen sie eine gute (Comic)-Figur. Doch außerhalb ihrer Welt scheitern sie kläglich mangels Sozialkompetenz, was der Nachbarin und Freundin Penny schwer zu schaffen macht.
Der Star der Serie ist zweifellos Sheldon, der mit seinen Eigenheiten alle übertrifft. Unglaublich, wie schnell dieser Typ komplizierte physikalische Erklärungen herunterrasseln kann. Mit der hochintelligenten und nüchternen Neurobiologin Amy bildet er ein herrlich schräges Paar. Der äußerst umfangreiche WG-Vertrag, den Sheldon mit seinem Freund Leonard abgeschlossen hat, verdient auch gebührenden Respekt. Wann der defekte Aufzug in ihrem Hochhaus endlich repariert wird, steht allerdings in den Sternen. 
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Partner oder Gegenspieler?

Ich gebe zu: Die ausgesprochen attraktive Hauptfigur war nicht ganz unbeteiligt, als die TV-Serie „White Collar“ meine Neugier weckte. Matt Bomer spielt den Kunstfälscher und Betrüger Neal Caffrey, der aus einem Hochsicherheitsgefängnis ausbricht, vom FBI-Agenten Peter Burke jedoch schnell gefasst wird. Die beiden gehen einen Deal ein: Neil unterstützt mit seinem Insiderwissen das FBI bei der Jagd auf Kunstdiebe und Trickbetrüger, vorausgesetzt er trägt eine elektronische Fußfessel.
Die Serie lebt vor allem von den sympathischen Darstellern und der nicht ganz durchschaubaren Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren, die sich von Staffel zu Staffel weiterentwickelt. Mal überwiegt das Misstrauen, dann wieder hegen sie fast freundschaftliche Gefühle. Auch die schönen Locations wie Neils Appartment in der Riverside und die umliegenden Museen bereichern die Serie.
Neben den einzelnen FBI-Fällen zieht sich Neals Vergangenheit, der dubiose Tod seiner Freundin und eine mysteriöse Spieldose, wie ein roter Faden durch die Serie. Dieses Konzept erinnert an die Produktion „Burn Notice“, über die ich schon mal berichtet habe. Es gibt übrigens ein interessantes Special, in dem die Autoren beider Serien gegeneinander antreten und wetteifern, welches Drehbuch besser gelungen ist.
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Herrliche Satire aus den 90ern

Bekannt wurde Cybill Shephard als Partnerin von Bruce Willis durch die Privatdetektei und gleichnamige TV-Serie „Moonlighting“ (Das Model und der Schnüffler). Ich habe die amerikanische Schauspielerin und Sängerin in der Sitcom „Cybill“ wiederentdeckt und bin einfach begeistert von ihrem komödiantisches Talent. Den Golden Globe für ihre Rolle hat sie redlich verdient.
Sie spielt eine mäßig erfolgreiche Schauspielerin in den Mittvierzigern, die sich mit unbedeutenden Nebenrollen und anspruchslosen Werbespots über Wasser hält. Verständnis für ihre beruflichen und privaten Probleme findet sie bei ihrer besten Freundin Maryann Thorpe gespielt von der ebenfalls fabelhaften Christine Baranski. 
Maryann ist hauptsächlich damit beschäftigt, sich an ihren Ex-Mann Dr. Dick zu rächen und tröstet sich mit übermäßigen Konsum von Wodka-Martini. Ihre verrückten Ideen, Dr. Dick um die Ecke zu bringen, und ihre bissigen Kommentare haben meine Lachmuskeln mehrmals überstrapaziert. Der reale Alltag in Hollywood jenseits von Glanz und Glamour wird hier auf sehr amüsante Weise vermittelt.
Ein weiteres Highlight: Die jazzige Titelmelodie "Nice work if you can get it". Ein Freund von mir hat den Ohrwurm als Handy-Klingelton, den ich mir auch bald zulegen werde.
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Online-Rendezvous

Morgen ist Valentinstag und auch dieser Tag wird mittlerweile kommerziell ganz schön ausgeschlachtet. Wem Parfum und Pralinen zu profan sind, kann seine/n Angebetete/n mit einem personalisierten Liebesroman oder einer Sternschnuppe in Form eines Meteoritensplitters überraschen. Na wenn das mal nicht ausgefallen ist...
Dabei genügt doch schon eine kleine Geste wie ein Blumenstrauß oder ein mit Liebe gekochtes Abendessen. Und im Anschluss schaut man gemeinsam eine romantische Liebeskomödie wie „E-Mail für Dich“. Ich habe den Film bestimmt schon sechs, sieben Mal angeschaut und könnte in der Schlussszene immer noch vor Rührung heulen. Gibt es ein schöneres Traumpaar als Meg Ryan alias Kathleen Kelly und Tom Hanks als Joe Fox? 
Zu meinen Lieblingsszenen zählen
– Kathleens entsetztes Gesicht, als Joe am Buffet den ganzen Kaviar abstaubt
– als Kathleen vergeblich auf ihr Blind Date wartet und sich statt dessen mit Joes sarkastischen Sprüchen abgeben muss
– Joes Krankenbesuch bei Kathleen.
Ganz nebenbei ist der Film auch eine Liebeserklärung an New York. Eine Szene spielt im Feinkostladen „Zabar‘s“ in der Upper East Side, wo ich schon mal sehr leckeren Käse gekauft habe. Das nächste Mal würde ich gern den Riverside Park sehen, wo sich Kathleen und Tom endlich in die Arme fallen.
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Wo ist der nächste "Buy More"?

Es gibt Serien, in denen die Nebenhandlung noch witziger ist als die eigentliche Story. „Chuck“ ist so ein Beispiel. Im Mittelpunkt steht Chuck Bartowski, ein Angestellter im Elektrofachmarkt „Buy More“ in Burbank. Als er sich versehentlich Daten aus der CIA-Datenbank in sein Gehirn lädt, wird er gezwungen, ein Doppelleben als Verkäufer und Geheimagent zu führen. Dank seiner Freundin und CIA-Agentin Sarah entwickelt er sich von Staffel zu Staffel zu einem Profiagenten.
Nun kommen wir aber zu den Nebenfiguren: Allen voran das Dream-Team Jeff und Lester, die ihren Job nicht sonderlich ernst nehmen und sich viel lieber als Band „Jeffster“ verwirklichen würden. Bei ihren selbst gedrehten Video-Clips habe ich mich schlapp gelacht. Überhaupt – was sich bei Buy More für Szenen abspielen, hat Kultcharakter. 
Sehr amüsant sind auch Chucks mürrischer Partner und NSA-Agent John Casey und sein naiver, aber äußerst gut aussehender Schwager mit dem Spitznamen „Captain Awesome“. Ich frage mich, ob so mancher Sprachwitz durch die Synchronisation nicht verloren geht.
Die coolen Kampfszenen sehe ich mir als Tae Bo Fan natürlich auch gerne an. Da kann ich doch nur dazulernen. Humor, Romance und Action – für jeden Geschmack ist etwas dabei.
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Crew im Retro-Chic

Vier adrette Stewardessen und zwei Piloten jetten in den sechziger Jahren von New York aus durch die Welt und entführen uns in spannende und romantische Abenteuer. Klingt nach einer Seifenoper oder? Wäre da nicht die tolle Kulisse und die sympathischen Schauspieler, die der Serie „Pan Am“ das gewisse Etwas verleihen.
Dank der gelungenen originalgetreuen Nachstellung von 1963 fühlt man sich in die große Zeit der legendären Airline und in die damals glamouröse Welt der Flugreisen und Stewardessen hineinversetzt. Das Sixties-Ambiente mit der unverwechselbaren Mode, den knalligen Farben und dem Retro-Design machen einfach gute Laune. Da drückt man gern ein Auge zu, wenn die Handlung nicht allzu tiefgründig ist.
Die ehrgeizige Maggie, die konservative Laura, die mutige Kate und die charmante Colette bilden ein rundes Ensemble. Ungefähr so muss ich mir vielleicht den Arbeitsalltag meiner Mutter vorstellen. Sie arbeitete eine Zeit lang beim Bodenpersonal der Airline Cathay Pacific und arrangierte Empfänge und Fotoshootings für prominenten VIPs.
Wer Lust auf eine Prise Humor, Ästhetik und leichtfüßiges Entertainment verspürt, ist mit der Serie, die nach einer Staffel nicht mehr fortgesetzt wurde, gut bedient.
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Gefährliche Seilschaften

Politik gehört nicht gerade zu meinen Interessensgebieten. Und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb hat mich die Serie „Borgen – Gefährliche Seilschaften“ von der ersten bis zur letzten Episode gefesselt. Morgen erscheint die letzte Staffel des Politdramas, das ich Euch wärmstens empfehlen kann.
Es geht um Dänemarks Premierministerin Brigitte Nyborg und den täglichen Herausforderungen, denen sie sich stellt. Man fühlt richtig mit, wie sie versucht, ihren verschiedenen Rollen als verantwortungsvolle Politikerin, gute Ehefrau und fürsorgende Mutter gerecht zu werden.
Die Serie gibt einen tiefen Einblick in die Mechanismen von Partei- und Politikbetrieb, die den Zuschauer in ein wahres Wechselbad der Gefühle stürzen. Ich war hin- und hergerissen zwischen Abscheu („Gott, ich würde niemals in der Politk arbeiten wollen!“) und Faszination („Was muss das für ein Gefühl sein, so eine weitreichende Entscheidung für ein Volk zu treffen?“).
Besonders interessant fand ich das Kräftespiel zwischen Politik und Medien. Man erlebt hautnah mit, was es heißt, gute journalistische Arbeit zu leisten.
„Borgen“ ist wieder einmal ein Beweis, dass man auch ohne Gewalt und Action Spannung auf höchstem Niveau erzeugen kann.
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Den Norden erkunden

Manchmal frage ich mich, wofür ich eigentlich GEZ-Gebühren zahle. Ich sehe mir ja fast nur Serien und Filme auf DVD an. Zur Anschaffung eines Blu-ray-Players bin ich wegen anderer Prioritäten noch nicht gekommen. 
Aber es gibt wenige Ausnahmen: die Kultur- und Reisereportagen der Dritten Programme. Eine Sendung, die ich nur ungern verpasse, ist zum Beispiel die „Nordtour“, die jeden Samstag um 18 Uhr läuft. 
Für mich hat sie genau den richtigen Themenmix. Mal wird eine Tour durch ein hippes Hamburger Stadtviertel vorgeschlagen oder das ausgefallene Design eines neu eröffeneten Hotels gezeigt; mal ein ungewöhnliches Museum, ein neuer Sporttrend oder ein Naturparadies vorgestellt.
Nach jeder Sendung bekomme ich so richtig Lust, die Lokalitäten kennenzulernen, was bei der Entfernung leider nicht spontan möglich ist. Seltsam, dass es noch keine vergleichbare Sendung im Bayerischen Fernsehen gibt – eine echte Marktlücke.
Ich würde gern wieder nach Sylt reisen, wo wir eine Juniwoche in einer schnuckeligen Ferienwohnung verbracht und viele Ausflüge unternommen haben. Die unberechenbaren Wetterumschwünge und der starke Wind, der mich oft beinahe vom Rad geweht hätte, wurden durch die schönen Reetdachhäuser, das besondere Flair in den Ortschaften und die leckeren Fischgerichte leicht wettgemacht.
Reportagen wie die „Nordtour“, die schöne Geschichten über interessante Schauplätze erzählen, haben mich wohl ebenfalls zu meinem Blog inspiriert.
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Zeig's ihnen Alicia!

Ich stelle fest, dass ich immer seltener ins Kino gehe. In letzter Zeit habe ich aber auch nur wenige Filme gesehen, die mich vom Hocker gerissen haben. Ganz anders sieht es mit TV-Serien aus, wo ich immer mehr Produktionen auf sehr hohem Niveau entdecke und mich schon langsam frage, wo ich nur die Zeit hernehmen soll, um sie mir alle anzusehen.
Mich fasziniert vor allem, dass sich die einzelnen Charaktere über mehrere Staffeln viel stärker entwickeln können als in einem zweistündigen Film. Ein gutes Beispiel ist "The Good Wife" gespielt von Julianna Margulies, die mir als Schauspielerin schon in der Serie "Emergency Room" sehr sympathisch war.
Beide Serien spielen in der wunderschönen Stadt Chicago, allerdings sieht man in "Good Wife" nicht ganz so viele Außenaufnahmen wie in der legendären Arztserie. Damals war ich so fasziniert von der Gegend am Chicago River, wo die Ärzte ihre Pausen verbrachten, dass ich unbedingt in diese Stadt reisen wollte. Und ich wurde nicht enttäuscht. Die "Chicago River Architecture Tour" durch die Häuserschluchten zählt zu meinen schönsten Erlebnissen.
Doch zurück zu "Good Wife". Spannend ist vor allem, die Entwicklung der Hauptfigur Alicia Florrick von der betrogenen Ehefrau eines bekannten Staatsanwaltes zu einer selbstbewussten und talentierten Strafverteidigerin in einer renommierten Anwaltskanzlei zu beobachten. Auch wenn sich ihre Fälle in rechtlichen Grauzonen bewegen, schlägt sich Alicia wacker und lässt sich von ihren Konkurrenten nicht aus dem Konzept bringen. 
Die Nebenrollen sind ebenfalls toll besetzt. Alicias Kollegin und Freundin Kalinda hat stets etwas Mysteriöses an sich und trägt durch ihren untrüglichen Spürsinn wesentlich zum Erfolg der Kanzlei bei. Und über den eifririgen Wahlkampfstrategen Eli Gold, gespielt von Alan Cumming, und seine herrliche Ironie kann man sich immer wieder amüsieren.
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Mit Witz, Charme und Patrone

Bei diesen fast frühlingshaften Temperaturen kann man sich nicht beschweren. Wer sich noch mehr Wärme ins Wohnzimmer holen möchte, schaut sich am besten die TV-Serie "Burn Notice" an. Sie spielt in Miami und handelt vom ehemaligen Geheimagenten Michael Westen, der versucht herauszufinden, warum ihn die US-Regierung mitten in einem Auftrag fallen ließ. Seine Brötchen verdient er notgedrungen als Privatdetektiv und knöpft in Robin-Hood-Manier korrupten reichen Menschen das Geld ab, um seinen verzweifelten Kunden aus der Patsche zu helfen.
Seine selbst gebastelten sehr wirkungsvollen Gadgets erinnern an MacGyver oder James Bond. Er versprüht jedoch mehr Charme mit seinem verschmitzten Lächeln, seiner erstaunlichen Wandlungsfähigkeit und cleveren Ideen. Sein Spiel mit Akzenten und der Wortwitz kommen wohl nur in der Originalfassung gut herüber.
Mit seiner toughen Ex-Freundin Fiona und dem ehemaligen CIA-Mitarbeiter Sam bildet er ein sympathisches Team, das man bei den oft halsbrecherischen Aufträgen gerne begleitet. Eine Serie, die gute Unterhaltung, Action und eine tolle Kulisse für Michaels Abenteuer bietet. Die Bilder erinnern mich an unsere tolle Reise nach Miami Beach und Fort Lauderdale, wo wir mit einem Ausflugsboot an den luxuriösen Villen und Yachten prominenter Millionäre vorbeischipperten.
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Dream Big

Den Jahresanfang nutzen viele nicht nur für gute Vorsätze, sondern auch für neue Ziele und Pläne – vielleicht ein guter Zeitpunkt, um über seinen Lebenstraum nachzudenken?
Wenn es eine TV-Serie gibt, die Menschen dazu ermutigt, ihren Traum zu verwirklichen, dann ist es "Glee". Es geht um den Spanischlehrer Will Schuester, der an einer High School in Lima, Ohio, dem Schul- und Tanzchor Glee-Club, in dem er selbst einmal aktiv war, wieder neuen Glanz verleihen möchte. Lauter schräge und als uncool abgestempelte Außenseiter finden sich in der Truppe zusammen, bringen ihre Macken und Stärken ein und entwickeln sich zu wahren Talenten – sehr zum Missfallen der Cheerleader-Trainerin Sue Sylvester. Ihre sarkastischen Sprüche und die Persiflage auf den Perfektions- und Popularitätswahn erinnern an das abgründige Schönheitschirurgen-Drama "Nip Tuck", das ebenfalls vom Glee-Macher Ryan Murphy stammt.
Musikliebhaber werden auf ihre Kosten kommen. In jeder Folge steht ein Künstler oder ein musikalisches Thema im Vordergrund. Sehr gelungen finde ich die Interpretationen von Grease, The Sound of Music, Britney Spears sowie Jane Lynch in Madonnas Vogue-Nummer. Die tollen Tanzeinlagen von Matthew Morrison und die regelmäßigen Gastauftritte berühmter Sänger und Schauspieler wie Olivia Newton-John und Gwyneth Paltrow sorgen für gute Laune. Ich empfehle unbedingt die englische Originalversion.
Das Glee-Fieber ist von den Staaten schon nach Deutschland geschwappt. An der staatlichen Jugendmusikschule in Hamburg und an der Nürnberger Tanzschule "The Walk of Fame" wurden bereits Glee-Clubs gegründet. So etwas hätte ich mir an meiner Schule auch gewünscht – das wäre eine schöne Alternative zum privaten Jazztanz-Unterricht gewesen.
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In der Prärie

Was TV-Serien betrifft, habe ich mich schon durch viele Genres durchgearbeitet: Von Romanze und Komödie über Drama und Krimi bis hin zu Science-Fiction. Da kann es schon mal passieren, dass eine Familienserie für Pferdeliebhaber hineinrutscht, obwohl ich gar nicht zur Zielgruppe gehöre. So geschehen mit „Heartland“. 
Ich gebe zu: Vor langer Zeit habe ich alle Staffeln von "McLeods Töchter" gesehen, die auf einer australischen Rinderfarm spielt. „Heartland“ handelt ebenfalls von zwei Schwestern, umfasst aber mehrere Generationen und spielt auf einer Ranch im Vorland von Alberta in Westen Kanadas. 
Nachdem ich gerade die vorletzte Serie von „Breaking Bad“ gesehen hatte, konnte der Kontrast kaum größer sein. Leicht irritiert vom Cover, das eher ein Teenie-Drama vermuten ließ, nahm ich mir vor, nur kurz in die erste Folge reinzusehen – und blieb wider Erwarten hängen. Das liegt vor allem an den überwältigenden Landschaftsbildern, die Lust machen, sofort nach Kanada aufzubrechen. Bühnenbildausstatter Rick Roberts erklärt in einem Interview, dass er den Zuschauern seine Heimat fernab von den üblichen Assoziationen wie Öl, Reichtum und Glastürme näher bringen wollte. Statt dessen zeigt er das Leben der Pferdebesitzer und Ranchfamilien und lässt viel einheimisches Kunst- und Handwerk in das Set einfließen – zum Beispiel in die Einrichtung des Wohnhauses oder der Ferienranch. 
Natürlich spielt bei mir auch die Faszination des völlig andersartigen Lebens eine Rolle. Wie würde ich wohl als Stadtmensch in solch einer Umgebung zurecht komme? Vermutlich gar nicht ... Umso schöner, wenn man dies einmal fiktiv ausleben kann.
Es ist entspannend und herzerwärmend, die Pferdeabenteuer und die vielschichtigen Generationskonflikte zwischen den gut gezeichneten Charakteren zu verfolgen. Für viel Humor sorgen die siebengescheite Aushilfskraft Mallory, der sture Großvater und die geschäftstüchtige ältere Schwester. Hoffentlich ist der Wortwitz in der deutschen Synchronisation nicht verloren gegangen. Die Macher von Heartland wollten eine unterhaltsame Serie für die ganze Familie schaffen und das ist ihnen sicherlich gelungen.
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Was passiert mit Heisenberg?

So schön ist der Pool von Walter White und seiner Familie nicht, aber dafür Schauplatz von sehr einprägsamen Szenen in der Serie „Breaking Bad“. Heute erscheint bei uns die finale Staffel auf DVD und ich bin sehr gespannt, wie Walters unaufhaltsame Wandlung vom krebskranken Chemielehrer zum machtgierigen Drogenboss Heisenberg enden wird. 
Die Serie ist der Hammer. Schon die ersten Szenen haben mir die Sprache verschlagen und im Laufe der fünf Staffeln hat sich meine Bewunderung für die Macher nur noch gesteigert. Beachtlich ist die schauspielerische Leistung des Hauptdarstellers Bryan Cranston. Seine Mimik verrät nur zu gut, mit welchen inneren Konflikten er ständig zu kämpfen hat. Er und sein Partner Jesse Pinkman bilden ein derart schräges Duo, dass man sich trotz der Dramatik und Tragik immer wieder darüber amüsieren muss, was ihnen alles widerfährt. Die Mischung aus rabenschwarzem Humor, skurillen Figuren, einfallsreichen Kameraeinstellungen und atmosphärischen Bildern machen so manche Folge zu einem kleinen Kunstwerk.
Wohl deshalb wurde die Serie vielfach prämiert und ist mittlerweile so beliebt, dass sogar Breaking Bad Bustouren durch Albuquerque angeboten werden. 13 Drehorte werden abgeklappert – vom Wohnhaus der Familie White über die Octopus-Autowaschanlage bis hin zu Walters Drogenlabor. So schnell kann aus einem unscheinbaren Industriegebiet in Neu-Mexiko eine Touristenattraktion werden.
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Purer Nervenkitzel

Bei diesen frostigen Temperaturen macht man es sich doch gern mit einer guten DVD auf der Couch gemütlich. Bei mir kommt es auch schon vor, dass ich bei strahlendem Sonnenschein mitten im Hochsommer nicht vom Fernseher loskomme. Ich bekenne: ich bin ein Serienjunkie.
Eine Produktion mit großem Suchtfaktor ist "Damages". Der Titel verrät bereits, worauf man sich einlässt. Eine New Yorker Kanzlei führt milliardenschwere Gerichtsprozesse, die Menschen nicht nur in den finanziellen Ruin, sondern auch in den Tod treibt und so manch Kollateralschaden hinterlässt. 
Besonders sehenswert ist Glenn Close als unberechenbare Staranwältin mit Pokerface. Gemeinsam mit ihrem Protegée nimmt sie den Kampf gegen Wirtschaftskriminalität höchsten Kalibers und korrupte Machenschaften auf. Das Mittel der Wahl heißt Manipulation; die durchgehende Botschaft lautet: Traue niemandem. Die Zeitsprünge sind manchmal etwas anstrengend, tragen aber wesentlich zur Spannung bei: häppchenweise wird ein Puzzleteil nach dem anderen zur Aufklärung des Falls serviert.
Zur Zeit bin ich bei der vierten Staffel und noch nicht ganz sicher, ob sie das bisherige Niveau hält. Aber allein das spannungsgeladene Verhältnis zwischen den zwei Anwältinnen und ihre psychischen Spielchen ziehen mich schon wieder in den Bann.
 
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