2017-08-19
Wien

Lebenstraum auf 40 Quadratmetern

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Träumt nicht jede Leseratte insgeheim davon, eine Buchhandlung zu besitzen? Besitzen ja, aber nicht unbedingt darin arbeiten, könnte das Fazit nach der Lektüre von „Meine wundervolle Buchhandlung“ lauten. Die Buchhandlung mag wundervoll sein, doch der Arbeitsalltag ist oft weit davon entfernt, weiß die Autorin Petra Hartlieb nach langjähriger Erfahrung zu berichten. 

Schon nach wenigen Seiten kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen: Zu verrückt ist die Entscheidung von Petra Hartlieb und ihrem Mann Oliver, spontan eine kleine Traditionsbuchhandlung in Wien, die in Konkurs gegangen ist, zu kaufen und die Zelte in ihrer Heimat Hamburg abzubrechen, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Da will man einfach wissen, was das Paar aus den 40 Quadratmetern macht und wie ihr neues Buchhändlerleben in Wien aussehen wird. Alles andere als schillernd und glorreich, stellen die beiden sehr bald fest. Während sie vorübergehend mit ihrer Tochter bei Freunden unterkommen, treiben sie den Umbau der Buchhandlung und die Einrichtung ihrer Wohnung unter höchsten Strapazen voran. Auch nach der Eröffnung ist ihr Alltag geprägt durch Dauerschöpfung, Überforderung und permanent schlechten Gewissen. Zwar kommen beide aus der Buchbranche – sie als Pressereferentin und Literaturkritikerin und er als Marketing-Manager bei einem renommierten Verlag – doch ein geregelter Arbeitstag scheint in weiter Ferne zu liegen. Das Personal wird vom Fleck weg engagiert, denn trotz des holprigen Starts steigt von Tag zu Tag die Zahl der Besucher und Verkäufe, als hätten die Nachbarschaft nur auf die Wiedereröffnung des Ladens gewartet. Bald wissen die Hartliebs nicht mehr, wohin mit den bestellten Büchern. Das erinnerte mich doch stark an meinen Bücherberg in unserer letzten Wohnung, den ich wegen Platzmangel zunehmend in Küchen- und Kleiderschränke verlagerte.

Die Autorin erzählt amüsant und ehrlich von den Höhen und Tiefen ihres Berufes, wie anstrengend es sein kann, den Kunden immer wieder Bücher nachzuerzählen und wie der Alltag ist, wenn der Reiz des Neuen verflogen ist. Wir erfahren, was es heißt, Chefin, Verkäuferin, Beraterin und Buchhalterin zugleich zu sein und welche Entscheidungen zu treffen sind, wenn der Laden aus allen Nähten platzt. In diesem täglichen Mix aus Staunen, Panik und Erschöpfung triumphiert jedoch immer wieder ihre Leidenschaft, die mit kurzen Momenten der Erfüllung und Glückseligkeit belohnt wird, zum Beispiel, wenn sie mit ihrer individuellen Beratung oder originellen Events ihre Kundschaft beglücken kann. Ganz klar, dass ich bei meinem nächsten Wienbesuch einen Abstecher zu dieser besonderen Buchhandlung mache, um den Schauplatz mit eigenen Augen zu sehen.

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2017-08-17
Tokio

Eine musikalische Weltreise

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Lust auf eine akustische Weltreise durch elf Jahrzehnte? Die Website radiooooo macht’s möglich. Mit einem Klick kann man sich in sein Wunschland und -jahr beamen und darf gespannt sein, welche Musik erklingt. Mein erstes Reiseziel war Japan in den 1990er Jahren, wo ich Bekanntschaft mit der Sängerin Tomoyo Parada und ihrem Song „Romance“ machte. Das zweite Lied kannte ich sogar: „Twiggy Twiggy“ von Pizzicato Five. Weiter ging es nach Argentinien, wo die DJs Pareja mit „Nestors Trajes“ für angenehme Hintergrundmusik sorgten. In Togo gab es mit „Leki Santchi“ von Nato de mi amor einen krassen Stilwechsel. 

Man kann seine Suche auch etwas einschränken, indem man zwischen den Varianten ‚slow‘, ‚fast‘ und ‚weird‘ wählt. Eine wirklich originelle Idee, die auch gestalterisch gut umgesetzt ist, und eine witzige Art, interessante Musikstücke aus aller Welt zu entdecken.

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2017-08-15
Paris

Die Frau an Chagalls Seite

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Der Aufbau Verlag hat vor einiger Zeit eine Romanbiografie-Reihe über Frauenfiguren gestartet, die im Schatten von großen Künstlern stehen – ein Thema, das mich stark fasziniert. In „Madame Picasso“ von Anne Girard war es Eva Gouel, die mit den schwierigen Launen eines exzentrischen Künstlers zu kämpfen hatte. Nun machte ich Bekanntschaft mit Ida Chagall. In „Die Tochter des Malers“ zeichnet Gloria Goldreich das Porträt einer starken und doch ambivalenten Frau, die während der Judenverfolgung in Frankreich eine unglaubliche Willens- und Tatkraft entwickelt, ihre mentale Abhängigkeit von ihrem dominanten Vater jedoch nicht ablegen kann.

Schon als junge Frau beugt sie sich stets dem Willen ihres Vaters, auch dann, als er sie zwingt, ein uneheliches Kind von ihrem Geliebten Michel abzutreiben und ihn zu heiraten. Die Autorin versteht es, die typischen Ängste und Sorgen der Emigranten, die ständig auf der Flucht waren, spürbar zu machen. Idas Mutter hat sich zwar nach der Flucht aus Russland und aus Berlin nun ihr Zuhause in Paris so schön wie möglich eingerichtet, doch sie lebt immer noch in der Vergangenheit und klammert sich an die friedlichen Tage im russischen Dorf Witebsk. Marc Chagall trauert ebenfalls der glücklichen Zeit nach und verarbeitet seine Gedanken und Gefühle in seinen Gemälden. Nun verstehe ich auch, was ihn sowohl zu den düsteren als auch fantasievollen und verträumten Motiven antrieb. Chagall malte die Landschaften der Heimatlosen, Häuser und Räume ohne Böden, umherirrende Tiere und schwebende Liebende. Seine Werke werden in Paris begeistert aufgenommen. Schriftsteller, Dichter, Intellektuelle und Diplomaten treffen sich regelmäßig zu Salonabenden in ihrem Haus. Während Marc und Bella ihre Freundschaften mit der intellektuellen und künstlerischen Elite von Paris kultivieren, arbeitet sich Ida zielstrebig in die Kunstszene ein und erobert mit ihrem Charme und ihrer Ausstrahlung nicht nur die Pariser, sondern auch die Londoner Gesellschaft.

Währenddessen spitzt sich die Lage für die jüdische Bevölkerung zu. Faschisten und Nationalsozialisten gelangen an die Macht. Der Einmarsch der Deutschen in Frankreich ist zu befürchten und Ida drängt ihre Eltern, sich in Sicherheit zu bringen. Ihr sturer Vater ist jedoch so von sich und seinem Ruf als Künstler überzeugt, dass er keine Notwendigkeit sieht zu flüchten. Zuflucht sucht er eher in seinem künstlerischen Schaffen, das ihm wichtiger ist als menschliche Einzelschicksale. So begleiten wir Ida auf einem hürdenreichen Weg in mannigfaltigen Rollen: als Tochter, Modell, Kunsthändlerin, Sekretärin und Beschützerin. Trotz einiger Wiederholungen gelingt es Gloria Goldreich diese für Außenstehende kaum nachvollziehbare gegenseitige Abhängigkeit zu verdeutlichen. „Die Frau an Chagalls Seite“ – so hätte man Ida und den Titel dieses Buches auch ohne weiteres nennen können.

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2017-08-12
Spiekeroog

Nur der Muschelkäfer war Zeuge

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Manchen Schriftstellern gelingt es besonders gut, einen Schauplatz in die Handlung einzubetten. Das gilt auch für Johannes Wilkes und seinem neuen Krimi „Muschelkäfer morden nicht“. Darin verschlägt es Kommissar Mütze und seinen Lebensgefährten Karl-Dieter zum dritten Mal auf die Insel Spiekeroog. Nachdem sie dort schon zwei Mal erfolgreich ein Verbrechen aufklären konnten, haben sie vom Inselbürgermeister als Dank eine Reise dorthin spendiert bekommen.

Schon in der Anfangsszene, die die Schiffsanreise beschreibt, kann sich der Leser auf den bevorstehenden Urlaub der beiden einstimmen. Während Karl-Dieter sich eifrig mit einer jungen Mutter über sein Lieblingsthema ‚Kinder’ unterhält, besorgt sich Mütze eine Bockwurst und einen Jever. Damit sind die Protagonisten in wenigen Worten bestens charakterisiert.

Karl-Dieter erhofft sich diesmal ungetrübte „leichenfreie Inseltage“. Mütze dagegen hätte gegen einen kleinen Nervenkitzel nichts einzuwenden und bedauert, dass sein kriminalistisches Gespür vorerst nicht gefragt ist. Das ändert sich, als die Leiche eines Mannes entdeckt wird, der als Volker Vickermann aus Schwerte identifiziert wird. Die Indizien deuten auf einen Badeunfall. Als Mütze jedoch erfährt, dass der Vogelkundler und Fotograf anscheinend einer heißen Fährte auf der Spur war, kann er nicht mehr stillsitzen. Der Leser weiß indessen mehr als der Kommissar dank einem Muschelkäfer, der Zeuge eines heimtückischen Mordes wurde und dem in diesem Krimi eine gebührende Nebenrolle zuteil wird – eine ganz originelle Idee.

Neben der Aufklärung des Mordfalls ziehen sich zwei weitere Themen durch die Geschichte. Zum einen gibt der Autor dem Schauplatz viel Raum, seine Eigenheiten zu entfalten. Wir bekommen nicht nur einen lebendigen Eindruck von der Landschaft und dem wechselhaften Friesenwetter, sondern erfahren auch etwas über die Entstehungsgeschichte der Insel und die Einsamkeit vieler Bewohner. Der zweite Fokus liegt auf der Beziehung zwischen Mütze und Karl-Dieter. Sie wird hart auf die Probe gestellt wird, als Karl-Dieter ein fremdes Baby vorübergehend unter seine Fittiche nimmt. Seit jeher wünscht er sich ein Kind und lässt nichts unversucht, um seinen Partner für die Idee zu begeistern. Ich hatte fast das Gefühl, im Strandkorb zu sitzen und Zeugin ihrer kleinen Querelen zu werden. Wie sehr Karl-Dieter in seiner Vaterrolle aufgeht, ist durchaus rührend, nimmt in der Geschichte jedoch etwas überhand. Abgesehen davon habe ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen, weil die Lösung des Falls gar nicht leicht zu erraten ist. Ich mag auch Wilkes heiteren und pointenreichen Schreibstil – die ideale Urlaubslektüre für den Strand und für Zuhause.

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2017-08-09
Köln

Lesen statt putzen

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Amüsante Unterhaltung – das war meine Erwartung an das Hörbuch „Ab morgen wird alles anders“ von Elke Heidenreich, das eine Sammlung ihrer Kolumnen aus der Zeitschrift „Brigitte“ enthält. Überrascht war ich dann, wie sehr mir die Autorin aus der Seele sprach. Bestes Beispiel ist die Episode „Über Literatur und Fensterputzen“. Ich konnte zu gut nachfühlen, wie schwer es fällt, die Lektüre von „Madame Bovary“ zu unterbrechen, um Fenster zu putzen oder sich einer anderen überfälligen Hausarbeit zu widmen. Sie haben Recht Frau Heidenreich, der Haushalt stellt immer von sich aus Chaos her und arbeitet gegen einen! Ich würde Ihnen gern die Tragetasche mit dem Slogan „LESEN STATT PUTZEN“ schenken, die ich neulich entdeckt habe.

Ganz ähnlich wie sie empfinde ich auch anstrengenden Besuch, bei dem ich mir denke, „Was hätte man alles in der Zeit lesen können?“, oder die Erwartung von Freunden und Bekannten, ihre Kinder süß zu finden. Meine Fantasie würde ich auch gern versichern lassen. Ich habe mich allerdings noch nicht getraut, in einer Parfümerie, in der man stets von unnahbaren „Göttinnen“ umgeben ist, nach einem Make-Up in Wüstenfarbe zu fragen.

Die Autorin knüpft sich Themen und Alltagssituationen vor, die sicher jeder kennt, wie nervige Mitmenschen, Urlaubsbekanntschaften, die Qual der Wahl beim Einkauf oder wieviel Zeit man im Leben mit Warten verbringt. Jeder könnte wohl seinen Senf dazu geben und seine eigene Geschichte erzählen, aber nur wenigen gelingt es vermutlich, sie so pointiert, sprachgewandt und mit bissigem Humor wiederzugeben wie Elke Heidenreich. Ob Verwunderung, Grauen, Bedauern oder Häme – für jede Gefühlslage findet sie den passenden Ton, so dass ich sogar Wartezeiten im Stau mit einem Lächeln überbrücken konnte. Als sie über kreative Schübe sinniert und beschließt, endlich einmal Sauerkirschmarmelade selbst zu kochen, hatte ich fast das Gefühl, in ihrer Wohnung zu stehen und ihre Selbstgespräche mitzuhören.

Eines wurde mir so richtig bewusst: wie ähnlich wir Menschen doch ticken und unsere Umwelt wahrnehmen. Nach diesem Hörvergnügen ärgere ich mich vielleicht in nächster Zeit nicht so schnell über eine nervige Situation und kann darüber schmunzeln.

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2017-08-06
Berlin

Der Traum vom eigenen Laden

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Heutzutage lässt sich ein Online-Business mit wenig Startkapital und Risiko aufziehen. Doch träumt nicht jeder Unternehmer – besonders die weibliche Fraktion – insgeheim von einem eigenen Laden, den er ganz nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten kann? 28 Frauen, die diesen Traum wahr gemacht haben und zu „Shop Girls“ wurden, präsentiert das Buch mit dem gleichnamigen Titel, das im Callwey Verlag erschienen ist. Manche Geschäftsideen entstanden aus „einer Weinlaune“ heraus. Aus Friseursalons, die schließen mussten, oder Gartencentern, die abgerissen werden sollten, zauberten die Unternehmerinnen – oft mit tatkräftiger Unterstützung von Familie und Freunden – neue Läden mit ganz persönlichem Touch. So wurden Wände gefliest, um Küchenmöbel und Baraccessoires besser zur Geltung zu bringen, Kücheninseln in Verkaufstresen umfunktioniert oder Birkenäste in Kleiderstangen umgewandelt.

Das Konzept und Angebot ihrer Geschäfte ist ganz unterschiedlich und reicht von Vintagemöbeln aus Belgien und Frankreich, über Blumen und Schreibwaren bis hin zu skandinavischen Accessoires. Vieles haben die Inhaberinnen jedoch gemeinsam. Sie wollen vor allem ihren eigenen Stil verwirklichen, frei sein in ihren Entscheidungen und ein ganz bestimmtes Lebensgefühl verkaufen. Einige haben bereits zuvor als Store Manager gearbeitet oder von zu Hause aus Produkte verkauft und bringen Erfahrungen mit, bevor sie ihren eigenen Laden eröffnen. Doch Gründungscoach Brigitte Windt ermutigt auch Frauen ohne Erfahrungen, den Schritt zu wagen. Am wichtigsten sei es, seine Werte, Bedürfnisse und Ziele genau zu kennen und in der Lage zu sein, sich selbst zu führen.

Wenn man für die Produkte brennt, die man verkauft, arbeiten einige Shop Girls gern rund um die Uhr und dekorieren sogar jede Woche die Schaufenster um wie zum Beispiel Alexa Müller, die mit jedem verkauften Möbelstück das Outfit ihres Ladens in Düsseldorf verändert. Inspirationen holen sie sich meist in anderen Läden, auf Messen und auf Instagram. Das Schmökern im Buch ist so abwechslungsreich und vergnüglich wie ein Bummel durch schöne Geschäftsstraßen, denn jede Seite wartet mit einer neuen kleinen Überraschung auf und lädt die Leser ein, selbst aktiv und kreativ zu werden – zum Beispiel ein Kuchenrezept auszuprobieren, einen Zeitschriftenhocker selbst zu bauen oder aus Pappbechern Geschenkschachteln zu basteln. Der Serviceteil enthält außerdem nützliche Tipps für die Budgetplanung, für die Schaufenstergestaltung, für einen guten Start und vieles mehr. Und welchen Laden würde ich gern als erstes besuchen? Ich schwanke zwischen der Buchhandlung Herr Holgersson und der nostalgischen Papeterie in Wien…

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2017-08-03
Chania

Geschichten über Geschichten

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Als passionierte Leserin verschlinge ich Tag für Tag neue Geschichten, mal kürzer mal länger. Selten mache ich mir dabei Gedanken über das Verhältnis zwischen Erzähler und Leser – außer es handelt sich um ein Buch von Ali Smith. In ihren Romanen und Kurzgeschichten geht es nämlich meist um das Erzählen selbst. Das war schon in ihrem letzten Buch mit dem Titel „Wem erzähle ich das?“ so. In ihrer aktuellen Kurzgeschichtensammlung „Ganz andere Geschichten“ rückt sie erneut die Beziehung zwischen Erzähler und Leser bzw. Zuhörer in den Vordergrund und lässt sie sogar als Protagonisten auftreten.

Schon in der ersten Erzählung „Gottesgabe“ legt die schottische Schriftstellerin verwirrende Fährten. Besteht ein Zusammenhang zwischen einer kleinen Rettungsaktion im Garten und der Erinnerung an einen Urlaub in Griechenland? Dies bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Fest steht, dass man ihre Geschichten mit größter Aufmerksamkeit liest – denn darum scheint es ihr auch beim Erzählen zu gehen: seine Umgebung mit Aufmerksamkeit zu betrachten, genau hinzusehen und auf Details zu achten, sei es das Kommen und Gehen am Eingang eines Supermarkts oder eine Menschenschlange an der Bushaltestelle. Sie beobachtet die sich ständig verändernde Nähe und Distanz zwischen den Menschen oder auch zwischen Mensch und Tier. Aus diesen Alltagsszenen zaubert sie ungewöhnliche, häufig in sich verschachtelte Geschichten, die mal witzig, mal melancholisch, mal romantisch, mal unheimlich sind. Die für Kurzgeschichten typischen überraschenden Pointen findet man hier weniger – dafür eine sehr interessante Form des experimentellen Schreibens.

Ein Thema, das Ali Smith besonders beschäftigt, scheint die Verletzlichkeit zu sein. In einer Geschichte wird um ein Haar eine Drossel getötet, in einer anderen isst ein Mädchen so wenig, dass sie immer weiter abmagert und kurz davor ist, sich ganz aufzulösen. Man könnte meinen, dass der Autorin Geschichten deshalb so wichtig sind, weil sie dadurch vergängliche Momente und Zustände konservieren kann. Am besten gefiel mir „Eine Geschichte von Liebe“, die zeigt, welche Macht der Erzähler auf den Zuhörer ausüben und welche Spielchen er mit ihm treiben kann. In letzter Zeit hörte ich öfters, dass das Vorlesen auch unter Erwachsenen wieder in Mode gekommen ist. Das würde Ali Smith bestimmt gefallen.

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2017-08-01
Nizza

Große Literatour

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Eure Freunde und Kollegen verabschieden sich in den Urlaub und Ihr müsst zu Hause bleiben? Vielleicht findet Ihr ja Trost beim Kultursender Arte. Morgen wird dort „Die große Literatour“ fortgesetzt – eine literarische Zeitreise auf den Spuren berühmter Reiseschriftsteller. Den Auftakt bilden Erika und Klaus Mann, die 1931 zu einer Fahrt an die Côte d’Azur aufbrachen. Im Auftrag des Piper Verlags erkundeten sie Städte wie Marseille, Nizza, Cannes und Monte Carlo und hielten ihre Eindrücke und Empfehlungen fest. So entstand ihr ungewöhnlicher Reiseführer „Das Buch von der Riviera“, den ich sehr empfehlen kann.

Auf ähnliche Weise können wir diesen Monat noch weitere interessante Ziele ansteuern und sie aus dem Blickwinkel berühmter Schriftsteller und ihrer Romanfiguren erleben. Hier die Sendetermine:

Arte, 9.8. Uwe Johnsons New York – „Jahrestage“
MDR, 17.8. Heinrich Bölls Irland – „Irisches Tagebuch“
MDR, 24.8. Hans-Christian Andersens Orient – "Eines Dichters Basar"

In der Mediathek gibt es eine Reihe weiterer ‚Reiseführer‘, die im Frühjahr ausgestrahlt wurden, zum Beispiel über Goethes Italien, Joseph Roths Russland, Mark Twains Deutschland und John Steinbecks USA. 

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